Erstes Foto des Mini-Labors Philae - aufgenommen auf dem Kometen Tschuri | Bildquelle: AFP

Touchdown in Etappen "Philae" nach Landehopsern auf Sendung

Stand: 13.11.2014 17:42 Uhr

Es ist dann ja doch noch mal alles gut gegangen. Aber die Schwerkraft - oder eben ihre Abwesenheit - hat den Zuständigen bei der Europäische Weltraumbehörde ESA gestern wohl doch einige Schweißperlen auf die Stirn treten lassen.

Immerhin etwa 100 Kilo wiegt der Forschungsroboter "Philae" auf der Erde. Auf dem Kometen "Tschuri" (67P/Tschurjumov-Gerasimenko), wo das Gerät gestern landete, wiegt es wegen der geringen Anziehungskraft aber gerade mal 1 Gramm. Und so gab es bei der Landung ein paar Probleme, wie die ESA in Darmstadt mitteilte und damit frühere Vermutungen bestätigte.

Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erläutert an einem Monitor Details zum vermutlichen Ladeplatz des Minilabors "Philae" auf dem Kometen "Tschuri". | Bildquelle: dpa
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Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erläutert an einem Monitor Details zum vermutlichen Landeplatz.

Harpunen funktionierten nicht

Zweimal wurde das Landegerät der europäischen Kometensonde "Rosetta" wieder in den Weltraum zurückgestoßen. Zwischen der ersten und der zweiten Berührung der Kometenoberfläche lagen rund zwei Stunden, sagte der "Philae"-Landermanager Stephan Ulamec. Zwischen der zweiten und dritten Bodenberührung vergingen dann noch einmal etwa sieben Minuten.

Wegen der fehlenden Gravitation hatte sich "Philae" eigentlich mit zwei Harpunen im Kometenboden verankern sollen. Diese Harpunen funktionierten bei der Landung aber nicht, wie die Wissenschaftler bereits am Mittwochabend feststellten, ebenso nicht eine Düse zum Aufdrücken des Labors auf dem Kometen.

Auf seinem offiziellen Twitter-Account meldete sich der Roboter dann auch noch selbst zu Wort:

Philae Lander @Philae2014
Hello! An update on life on #67P - Yesterday was exhausting! I actually performed 3 landings,15:33, 17:26 & 17:33 UTC. Stay tuned for more

Probleme mit der Sonne

Seit dem Morgen empfange das Darmstädter Kontrollzentrum nun "wie erwartet" wieder Signale von "Philae", sagte Ulamec. Und laut Paolo Ferri, dem Chef des ESA-Flugbetriebs im Satelliten-Kontrollzentrum ESOC in Darmstadt, sei "die Befestigung nicht ideal, aber der Lander ist stabil". Eines der drei spinnenartigen Beine des Landers habe keinen Kontakt zur Oberfläche von "Tschuri".

Als ein mögliches Problem könnte sich erweisen, dass "Philae" nicht auf dem vorgesehenen Landeplatz zum Stehen gekommen ist. Stattdessen sei das kühlschrankgroße Gerät in den Schatten eines Felsens geraten, teilte die ESA mit. Das könne Schwierigkeiten mit der Energieversorgung geben, die auf Sonnenlicht angewiesen ist.

Der Strom in den Batterien an Bord reiche für 64 Stunden, sagte Expeditionswissenschaftler Jean-Pierre Bibring. Diese sollten mithilfe von Solarzellen immer wieder aufgeladen werden. Die Bodenkontrolle versuche nun, die Landeeinheit so auszurichten, dass ihre Solarzellen mehr Licht einfangen. "Wir sind nicht ganz, wo wir sein wollten", räumte Bibring ein.

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"Rosetta"-Mission

Geschichte einer historischen Mission

Start der Ariane V-Rakete mit der Raumsonde ''Rosetta'' vom Weltraumbahnhof Kourou am 2. März 2004

Start einer historischen Mission: Eine Ariane-V-Rakete bringt die Raumsonde "Rosetta" am 2. März 2004 ins All. Vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guyana wird "Rosetta" in den kommenden zehn Jahren insgesamt 6,4 Milliarden Kilometer zu ihrem Ziel, dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko, zurücklegen. | Bildquelle: picture-alliance / dpa/dpaweb

Leichte Seitenlage

Erste Bilder, die "Philae" von der Landestelle schickte, legen Ulamec zufolge die Vermutung nahe, dass der Lander an einem Kraterrand auf der Kopfseite des zweigeteilten Himmelskörpers aufsetzte und schräg liegt. Es gebe aber "keine Anzeichen für eine Beschädigung" des Landegeräts. Die Oberfläche des Kometen ist mit Gesteinsbrocken übersät, es gibt dort hoch aufragende Felswände und steile Abgründe.

Es war das erste Mal in der Geschichte der Raumfahrt, dass die Landung auf einem Kometen gelang. Wie Ferri mitteilte, sei es auch gelungen, das Tomographie-Projekt "Consert" zu starten. Dabei durchleuchten "Philae" und "Rosetta" den Kometen in Teamarbeit.

"Philae" war an Bord der Raumsonde "Rosetta" zehn Jahre lang zu dem Kometen gereist. Am Mittwochmorgen war es von seinem "Taxi" gelöst worden. "Rosetta" und das Landegerät sollen den Kometen analysieren, um möglichst viel über ihn und den Beginn des Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren zu erfahren.

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