Musikfestival Rock am Ring | Bildquelle: dpa

Terrorwarnung bei "Rock am Ring" Leeres Gelände, gespanntes Warten

Stand: 03.06.2017 10:27 Uhr

Nach der Terrorwarnung ist unklar, ob "Rock am Ring" fortgesetzt werden kann. Die Durchsuchung des Festivalgeländes am Nürburgring dauert an, wie die Polizei mitteilte. Veranstalter Lieberberg kritisierte das Verhalten der Behörden.

Polizisten durchsuchen noch immer das "Rock am Ring"-Festivalgelände am Nürburgring. Einzelheiten wollte eine Sprecherin nicht nennen. Ob das Festival fortsetzt wird, stehe noch nicht fest. Am Vormittag will der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz eine Pressekonferenz geben, auf der er sich vermutlich dazu äußern wird.

Das Gelände war am Freitagabend geräumt worden. Die Polizei in Koblenz begründete die Unterbrechung mit "konkreten Hinweisen, aufgrund derer eine mögliche terroristische Gefährdung nicht auszuschließen" sei. Zehntausende Besucher mussten das Gelände verlassen. Teilnehmer posteten am Abend Videoaufnahmen im Internet. Sie zeigten, wie Scharen von Gästen geordnet den Ausgängen zuströmten. Viele von ihnen sangen "You'll never walk alone".

Zwei Festnahmen in Koblenz

Hintergrund ist nach ARD-Informationen die Festnahme zweier Personen in Koblenz. Sie sollen Ausweise als Helfer gehabt haben, mit denen sie Zutritt zum Festivalgelände hatten. Einer der in Koblenz Festgenommenen soll verwandt mit einer Person sein, die wegen Terrorverdacht in Haft sitzt.

Lieberberg: "Wir sind die Prügelknaben"

Veranstalter Marek Lieberberg kritisierte das Vorgehen der Behörden. Es seien 1200 Polizisten vor Ort. Wenn das nicht ausreiche, um ein Gelände für sicher zu erklären, dann frage er sich, warum Fußball-Länderspiele bei derartigen Verdachtsmomenten stattfinden könnten. "Warum sind wir die Prügelknaben für die Situation?"

Lieberberg deutete in einer Pressekonferenz an, dass Verdächtige auf dem Festivalgelände gearbeitet haben. Die Situation sei geklärt worden. Nach seiner Auffassung sei dies "kein entscheidender Grund" für eine Absage. Zugleich stellte er klar, dass "die Sicherheit für Leib und Leben jedes Besuchers" über dem kommerziellen Interesse stehe. "Ich habe mich bereit erklärt, das mitzutragen", sagte Lieberberg zu der Entscheidung der Behörden.

Lieberberg hofft, dass "Rock am Ring" fortgesetzt und die ausgefallenen Konzerte heute nachgeholt werden können. Emotional stark betroffen von der Unterbrechung des Festivals sagte er: "Ich fühle mich entsetzlich leer und ausgepowert."

Heute sollten unter anderem die Beatsteaks, die Toten Hosen und die Beginner auftreten.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière unterstützte die Entscheidung, das Festival zu unterbrechen. "Für diese schwierige wie verantwortungsvolle Entscheidung hat er meine volle Unterstützung. So bitter es ist, die Sicherheit der Festivalbesucher muss an erster Stelle stehen."

"Rock im Park" ohne Probleme

Beim parallel in Nürnberg stattfindenden Zwillingsfestival "Rock im Park" gingen die Konzerte weiter. Dort treten dieselben Bands in anderer Reihenfolge auf.

Die Polizei Koblenz hat ein Infotelefon eingerichtet.

Polizei KO @Polizei_KO
Wir haben ein Infotelefon für euch eingerichtet:
Nummer: 0800 6565651
#rar2017 #rockamring #rar17

Das Festival "Rock am Ring"

Seit 1985 gibt es das Festival "Rock am Ring" in der Eifel. Mit kurzer Pause wurde es fast drei Jahrzehnte an der legendären Rennstrecke Nürburgring ausgetragen. 2015 und 2016 rockten die Fans dann am nur rund 30 Kilometer entfernten Flugplatz Mendig. Der Name "Rock am Ring" blieb jedoch. Seit diesem Jahr findet das Festival wieder an seinem angestammten Platz statt.

Die Veranstalter hatten mit Blick auf den Anschlag von Manchester "gründliche Einlasskontrollen und Bodychecks" angekündigt. Taschen und Rucksäcke auf dem eigentlichen Festivalgelände wurden untersagt. Die Veranstalter hatten für die drei Tage bis Sonntag mit rund 90.000 Musikfans gerechnet.

Über dieses Thema berichteten am 03. Juni 2017 tagesschau24 um 09:00 Uhr und die tagesschau um 09:55 Uhr.

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