Riexinger im Porträt: Alter Gewerkschafter auf Friedenskurs

Linkspartei-Chef Riexinger im Porträt

Alter Gewerkschafter auf Friedenskurs

An Blitzlichtgewitter muss er sich noch gewöhnen: Der neue Linkspartei-Chef Riexinger drängte sich bisher nicht ins Rampenlicht, er wurde dahin geschubst - vom westdeutschen Gewerkschaftslager, in dem er seine politischen Wurzeln hat. Auf dem Parteitag gab er sich als Mann, der die Partei wieder versöhnt.

Er hat sich erst spät um den Chefposten der Linkspartei beworben - und am Ende eine Mehrheit der Delegierten überzeugt: Bernd Riexinger, der bislang Chef der baden-württembergischen Linkspartei war, drängte sich nicht an die Spitze der zerstrittenen Partei; eher wurde er gedrängt.

Vor allem das westdeutsche Gewerkschaftslager bat ihn, ins Rennen zu gehen, nachdem Ex-Parteichef Oskar Lafontaine seinen Verzicht auf die Kandidatur schon im Vorfeld des Göttinger Parteitags erklärt hatte.

Bernd Riexinger beim Parteitag der Linkspartei in Göttingen (Bildquelle: REUTERS)
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Bernd Riexinger hat die Genossen auf dem Göttinger Parteitag überzeugt...

Linkspartei-Chefin Katja Kipping (Bildquelle: dapd)
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... genau wie Katja Kipping: Gemeinsam müssen sie die Linkspartei wieder zusammenführen.

"Polarisierung der letzten Monate überwinden"

Inzwischen halten ihn viele für eine Integrationsfigur, die die Flügel in der Linkspartei - ostdeutsche Reformer aus der früheren PDS und westdeutsche Fundis - wieder zusammenführen kann.

Entsprechend inszenierte sich der 56-jährige Schwabe auch in seiner Bewerbungsrede auf dem Parteitag: Sein Ziel sei es, "die Polarisierung der letzten Monate zu überwinden". Nur als "gesamtdeutsche und pluralistische Bewegung" werde die Linkspartei erfolgreich sein. Zuerst wolle er auf diejenigen zugehen, die ihn nicht gewählt hätten.

Riexingers politische Wurzeln liegen in der Gewerkschaftsarbeit. Seit 2001 ist er Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Stuttgart mit 50 Beschäftigten und etwa 51.000 Mitgliedern. Davor engagierte sich der gelernte Bankkaufmann als Betriebsrat der Bausparkasse Leonberg bei Stuttgart.

Anti-Agenda-Politik mobilisierte ihn

Parteipolitisch aktiv wurde er, als im Jahr 2003 der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Hartz-IV-Gesetze auf den Weg brachte, mit drastischen Kürzungen im Sozialbereich. Und so war er 2004 bei der Gründung der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) dabei, die 2007 mit der PDS zur heutigen Linkspartei zusammenging.

Bis heute ist er der Protestbewegung eng verbunden: Der linke Gewerkschafter unterstützt die Globalisierungsgegner von Attac und auch die Blockupy-Bewegung, an deren jüngsten Protesten gegen die Macht der Banken er in Frankfurt teilgenommen hatte. Seine Forderung: Die Linkspartei soll ein "Sprachrohr" für soziale Bewegungen sein.

Privat schätzt er hingegen das Ofenrohr: Riexinger kocht gerne, am liebsten für seine Lebensgefährtin und deren Tochter, zu Hause in Stuttgart.

Stand: 03.06.2012 14:41 Uhr

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