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Ab heute ist die "Rente mit 65" Geschichte. Schrittweise erhöht sich das Renteneintrittsalter bis 2029 auf 67 Jahre. Gleichzeitig sinken aber die Beiträge zur Rentenversicherung auf 19,6 Prozent - nur scheinbar ein Widerspruch zwischen konjunktureller und demografischer Entwicklung.
Von Frank Aischmann, MDR, ARD Berlin
Die "Rente mit 65" war selbst so etwas wie eine rüstige Rentnerin: Geboren beziehungsweise eingeführt 1916, wurde sie in der Nacht zu Neujahr per Gesetz beerdigt. Dabei ging es ihr zuletzt so gut wie lange nicht mehr: Die Konten der Rentenkasse waren und sind prall gefüllt. Die (noch) boomende Wirtschaft sorgt für steigende Beitragseinnahmen und allein im vergangenen Jahr für einen Überschuss von üppigen 4,5 Milliarden Euro. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen konnte deshalb eine Beitragssenkung von 19,9 Prozent auf 19,6 Prozent verkünden. Für 2012 hatte sie eine weitere frohe Botschaft parat: "Wegen der guten Konjunkturlage werden die Renten zum ersten Mal seit Jahren wieder spürbar steigen."
[Bildunterschrift: Als Arbeitsminister befürwortete Müntefering die "Rente mit 67". ]
Dennoch ist jetzt wahr geworden, was vor fünf Jahren von der Großen Koalition aus CDU und SPD gestartet wurde, höchst umstritten und untrennbar mit dem Namen "Franz Müntefering" verbunden. Der damalige SPD-Vorsitzende und Arbeitsminister boxte das Gesetz durch, das ab 2012 das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht. Dieser endgültige Schritt nach 96 Jahren in Zeiten gut gefüllter Rentenkassen lässt sich mit einem Blick auf die Demografie erklären.
In den vergangenen 50 Jahren ist die Lebenserwartung um mehr als zehn Jahre gestiegen. Gleichzeitig wurden weniger Kinder geboren. Beides wirkt sich in einem doppelten Effekt auf die nächsten 20 Jahre aus. Die Zahl der Rentner steigt bis 2032 um mehr als fünf Millionen an, während gleichzeitig die Zahl der Arbeitenden und Beitragszahlenden um sechs Millionen sinkt. Dieser bedrohliche Trend soll mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit, durch die "Rente mit 67", abgefedert werden. So weit jedenfalls die Theorie.
[Bildunterschrift: 60 Prozent aller Neu-Rentner müssen Abschläge in Kauf nehmen. ]
Bereits heute ist es nämlich die absolute Ausnahme, dass Menschen aus einem Vollzeitjob in Rente gehen. Bei den 64-Jährigen seien es noch nicht einmal neun Prozent gewesen, so SPD-Rentenexpertin Elke Ferner: "Das Leitbild der Erwerbstätigtkeit bis zum Rentenalter ist doch nur eine Illusion!" Die SPD hätte die "Rente mit 67" gern so lange ausgesetzt, bis wenigstens jeder zweite ältere Arbeitnehmer einen Job hat. Schon heute gehen sechs von zehn Neu-Rentnern mit Abschlägen in den Ruhestand. Ferner geht deshalb von einer wachsenden Altersarmut aus. Mit jedem Monat der Heraufsetzung der Regelaltersgrenze erhöhten sich die Abschläge um 0,3 Prozentpunkte.
Wer also in diesem Jahr ohne Minus und ohne Abschläge in die Rente will, muss bis 65 plus einen Monat arbeiten. Bis 2029 wird diese Grenze immer weiter nach hinten verschoben. Der Plan, die Rente krisenfest zu machen, scheint also mehr als aufzugehen. Derzeit geht es den Rentenkassen so gut, dass die Beiträge wohl weiter sinken: Zunächst auf 19,6 Prozent, dann 2013 auf 19,2 Prozenz, und am Horizont wartet sogar schon die 19-Prozent-Marke. Dennoch oder gerade deshalb hält Arbeitsministerin von der Leyen an der "Rente mit 67" fest: "Wir haben im Augenblick eine ausgesprochen gute konjunkturelle Situation. Das ist erfreulich. Der Arbeitsmarkt brummt, es wird kräftig eingezahlt. Aber auf die lange Frist müssen wir immer wieder die strukturellen demografischen Veränderungen im Auge behalten. Die kommen. Langsam, aber sicher."
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