Bundeskanzlerin Angela Merkel steht vor einem Plakat, das auf die Veranstaltung "125 Jahre gesetzliche Rentenversicherung" hinweist. | Bildquelle: dpa

Merkel sorgt sich um gesetzliche Rente Die Rente ist doch nicht sicher

Stand: 02.12.2014 17:08 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel sorgt sich um die gesetzliche Rentenversicherung. Diese werde in Zukunft vielen nicht reichen, sagte sie auf einem Festakt zum 125-jährigen Bestehen des deutschen Rentensystems. "Daher bin ich überzeugt, dass sich künftig nur durch eine Mischung gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge eine angemessene Absicherung im Alter aufbauen lässt", sagte die CDU-Politikerin. "Wir sind gefordert, Altersarmut vorzubeugen und dafür geeignete Lösungen zu entwickeln." Sie warb für einen parteiübergreifenden Konsens, um die Altersvorsorge zukunftssicher zu machen.

Seit 1889 trage die gesetzliche Rentenversicherung zum sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft bei, lobte Merkel. Dies sei nur möglich, weil es ihr gelungen sei, sich an die sich ständig ändernde soziale Wirklichkeit anzupassen.

Wie sicher ist die Rente?

An den anwesenden ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester (SPD) gerichtet sagte Merkel, die geförderte kapitalgedeckte Zusatzvorsorge ("Riester-Rente") stehe zwar bisweilen in der Kritik. "Ich bin aber überzeugt, dass auch dieser Schritt wegweisend war." Auch die Rentenreform 1989 des ebenfalls anwesenden Ex-Arbeitsministers Norbert Blüm (CDU) würdigte Merkel.

Blüm, dessen "Die Rente ist sicher"-Slogan bis heute ein geflügeltes Wort ist, macht sich inzwischen allerdings große Sorgen. "Wenn das Rentenniveau weiter so sinkt wie in den letzten Jahren, dann kommt man in die Nähe der Sozialhilfe, was die Rentenversicherung nicht nur um ihren guten Ruf bringt, sondern auch um ihre soziale Sicherungsfunktion", hatte er der "Saarbrücker Zeitung" gesagt. Ein System, aus dem man mit Beiträgen nicht mehr bekomme als ohne, "erledigt sich von selbst".

Norbert Blüm | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Ex-Arbeitsminister Blüm, hier 1986, sorgt sich inzwischen um das Rentensystem.

Merkel fordert Chancen für Ältere

Angesichts des demografischen Wandels betonte die Kanzlerin die Notwendigkeit zum längeren Verbleib im Arbeitsleben. "Wer frühzeitig aus dem Betrieb ausscheidet, reißt Lücken, die immer schwieriger zu füllen sind." Deutschland sei insgesamt "auf einem guten Weg zu besseren Erwerbsmöglichkeiten für ältere Arbeitnehmer". Die Erwerbsbeteiligung der 55- bis 64-Jährigen sei hierzulande stärker angewachsen als in allen anderen europäischen Ländern. Besonders erfreulich sei dabei, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung der über 60-Jährigen seit dem Jahr 2000 um 1,2 Millionen auf 1,9 Millionen gestiegen sei.

Es sei wichtig, dass die Unternehmen mehr und mehr dazu übergingen, den Älteren mit ihrer Berufs- und Lebenserfahrung eine Chance zu geben. Das knapper werdende Fachkräfteangebot infolge des demografischen Wandels dränge ohnehin dazu, sagte Merkel in ihrer Festrede. Die Arbeitgeber müssten sich darauf einstellen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Menschen auch im fortgeschrittenen Alter weiterarbeiten können.

Rente als Daueraufgabe

Die Vorsitzende der Rentenversicherung Bund, Annelie Buntenbach vom Deutschen Gewerkschaftsbund, bezeichnete es als Daueraufgabe für Politik, Rentenversicherung und Selbstverwaltung, den Menschen Sicherheit für eine ausreichende Versorgung nach dem Arbeitsleben zu geben.

Derzeit stehe die Rentenversicherung wegen der guten Arbeitsmarktlage gut da. Für 2014 wird eine Reserve von 33,5 Milliarden Euro erwartet.

Unter Druck einer wachsenden Arbeiterschaft wurde im Sommer 1889 das "Invaliditäts- und Altersversicherungsgesetz" verabschiedet. Es bildete den Schlusspunkt der Sozialgesetze von Reichskanzler Otto von Bismarck.

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