Hintergrund

Anschläge in Europa Die blutige Spur des rechten Terrors

Stand: 21.03.2012 00:37 Uhr

Rechtsextremer und rassistischer Terror ist kein neues Phänomen in Europa. Dabei wurden bereits Hunderte Menschen getötet. Allein in München starben im Jahr 1980 beim Oktoberfestattentat 13 Menschen durch eine Bombe. Eine Übersicht von tagesschau.de.

Deutschland - mindestens 23 Tote: Eine rechtsextreme Terrorzelle soll, so vermutet es die Bundesanwaltschaft, in mehreren Städten ab dem Jahr 2000 mindestens zehn Menschen erschossen und möglicherweise durch Bombenanschläge weitere Menschen verletzt haben. Die mutmaßlichen Täter hatten zuvor bereits Sprengsätze mit Hakenkreuzen an öffentlichen Plätzen platziert, sie waren den Behörden mindestens seit 1998 bekannt, wurden sogar im Verfassungsschutzbericht des Landes Thüringen geführt.  

Auch das Oktoberfestattentat im Jahr 1980 war ein Terroranschlag mit rechtsextremistischem Hintergrund: Am 26. September starben 13 Menschen bei der Explosion einer Bombe am Haupteingang des Münchner Oktoberfests, mehr als 200 wurden zum Teil schwer verletzt. Der Anschlag gilt als schwerster Terroranschlag der deutschen Nachkriegsgeschichte. Ob der von den Behörden als Einzeltäter bezeichnete Bombenleger Gundolf Köhler tatsächlich allein verantwortlich war, ist umstritten. Mehrfach wurde von verschiedenen Seiten vergeblich versucht, eine Wiederaufnahme der Ermittlungen zu bewirken.

Italien - 87 Tote: Ein Rechtsextremist ermordet im Dezember 2011 in Florenz auf offener Straße zwei schwarze Männer und verletzt weitere schwer. Der Täter ist Buchautor und Anhänger der neofaschistischen Vereinigung "Casa Pound", die deutschen Neonazis als Vorbild dient. Nach der Tat erschießt sich der Mann.

In Bologna wurde am 2. August 1980 ein Bombenanschlag auf den Hauptbahnhof verübt. 85 Menschen kamen ums Leben, mehr als 200 wurden verletzt. Drei Rechtsextremisten wurden zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt. Ein Gericht in Bologna zeigte sich überzeugt, dass die Tat nur durch vielfältige Verbindungen zwischen Terroristen, einer Geheimloge und staatlichen Institutionen möglich gewesen sei. Im Jahr 1990 hob ein Berufungsgericht die Haftstrafen auf.

Norwegen - 77 Tote: Der Rechtsextremist Anders Behring Breivik ermordete am 11. Juli 2011 in Norwegen 77 Menschen. Die meisten Opfer waren Jugendliche, die zu der Jugendorganisation der Arbeiterpartei gehörten. In Oslo zündete er zunächst Autobomben, auf der Insel Utöya erschoss der Rechtsextremist kurz darauf 69 Menschen. Breivik bezeichnete sich als "Marxist Hunter" (Marxisten-Jäger) und "Kreuzritter" gegen eine vermeintliche Islamisierung Europas.

Angehörige gedenken auf Utöya den Opfern der Anschläge in Norwegen
tagesthemen, 23:15 Uhr, 19.08.2011, Claudia Buckenmaier, ARD Oslo

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Ungarn - sechs Tote: Hier richtet sich der Hass der Rechtsextremen vor allem gegen Roma. 2008 und 2009 gab es eine Serie von Anschlägen mit sechs Toten. Vier mutmaßliche Täter wurden gefasst. Paramilitärische Neonazi-Gruppen spielten sich jüngst in Dörfern als "Bürgerwehr" zum "Schutz" gegen Roma auf und verbreiteten mit ihren Aufmärschen Angst und Schrecken.

Österreich - vier Tote: Hier hielt in den 1990er-Jahren der Briefbomben-Terror der "Bajuwarischen Befreiungsarmee (BBA)" die Öffentlichkeit in Atem. Ziel waren Personen und Organisationen, die sich für Minderheiten einsetzten oder Ausländer repräsentierten. Bei drei Briefbomben-Serien ab 1993 und Anschlägen mit Rohrbomben wurden insgesamt vier Menschen getötet. Unter den 15 Schwerverletzten war Wiens damaliger Bürgermeister Helmut Zilk. 1999 wurde Franz Fuchs als "BBA"-Kopf inhaftiert, er nahm sich 2000 das Leben.

Jahresrückblick 1980 - Terror von Rechts
10.11.2010

Großbritannien - drei Tote: In der Compton Street im Londoner Stadtteil Soho explodierte am 30. April 1999 eine Nagelbombe. Drei Menschen starben, mindestens 30 wurden verletzt. Die Compton Street gilt als das Zentrum der Londoner Schwulen- und Lesbenszene. Täter war der Neonazi David Copeland. Er wurde zu sechs Mal lebenslanger Haft verurteilt.

Anm. der Red.: Wir haben hier die Opferzahlen von Anschlägen und Mordserien zusammengestellt. Nicht eingerechnet sind einzelne Opfer rechtsextremer Gewalttaten. Vor allem in Deutschland wurden seit der Wiedervereinigung Dutzende Menschen von Neonazis getötet. Die Angaben schwanken zwischen 46 Opfern, so die Angabe der Bundesregierung, und 182 Toten. Diese Zahl basiert auf Recherchen von Journalisten der Zeitungen "Der Tagesspiegel" sowie "Der Zeit".

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