Polizisten | Bildquelle: a (Retzlaff)

Anti-Terror-Razzia in Rostock Anschläge gegen Linke geplant?

Stand: 28.08.2017 14:47 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Polizei gegen Personen vorgegangen, die Anschläge gegen Vertreter des linken Spektrums geplant haben sollen. Die Verdächtigen - darunter mindestens ein Polizist - sollen bereits Waffen und Munition besorgt haben.

Von Michael Götschenberg, ARD-Hauptstadtstudio

In den frühen Morgenstunden schlugen die Ermittler zu: Unter Beteiligung der Eliteeinheit GSG9 der Bundespolizei wurden Wohnungen und Geschäftsräume von Verdächtigen im Raum Rostock und weiteren Orten in Mecklenburg-Vorpommern durchsucht. Im Fokus der Ermittlungen sind vor allem zwei Männer: ein Polizeibeamter der Polizeiinspektion Ludwigslust, sowie der Rostocker Rechtsanwalt Jan Hendrik H., der auch Mitglied der Rostocker Bürgerschaft ist.

Ihnen wird vorgeworfen, dass sie Anschläge gegen Personen aus dem linken Spektrum geplant haben sollen. Wie konkret diese Pläne waren, ist noch unklar. Die Ermittlungen hat der Generalbundesanwalt übernommen. In das Verfahren waren auch Erkenntnisse des Bundesamts für Verfassungsschutz eingeflossen. Konkret sollen die beiden Verdächtigen in verschiedenen Chats mit weiteren Personen über die Flüchtlingspolitik gehetzt und düstere Endzeitszenarien entworfen haben.

Der Prepper-Bewegung zuzuordnen

So seien sie davon ausgegangen, dass die Kriminalität deutlich steigen und es weitere Anschläge in Deutschland geben werde, bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen und einem Zusammenbruch der staatlichen Kontrolle. Um sich dafür zu wappnen, hätten sie damit begonnen, Lebensmittel und Munition zu horten. Nach RBB-Informationen werden sie von den Behörden der sogenannten Prepper Bewegung zugerechnet. Dabei handelt es sich um Personen, die für mögliche Katastrophen Vorräte anlegen und Bunker bauen.

Brisant ist der Fall vor allem deshalb, weil die Verdächtigen das von ihnen erwartete Untergangsszenario auch als Chance sahen und als Ausgangspunkt für Anschläge gegen politisch Andersdenkende nutzen wollten. So hätten sie sich dafür ausgesprochen, Personen des linken Spektrums festzusetzen und zu töten und bereits eine entsprechende Liste erstellt.

Keine Festnahmen

Neben den Wohn- und Geschäftsräumen der beiden Beschuldigten wurden heute auch weitere Objekte durchsucht, wie die Wohnungen von Zeugen. Darunter befindet sich auch ein weiterer, dem Vernehmen nach hochrangiger Polizeibeamter. Festgenommen wurde niemand. Ein dringender Tatverdacht bestand nicht, wie das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern mitteilte. Das Ergebnis der Durchsuchungen ist noch nicht bekannt. In Sicherheitskreisen heißt es, es sei noch schwer zu beurteilen, wie ernst der Fall zu nehmen sei.

Razzia wegen Terrorverdachts in Mecklenburg-Vorpommern
Michael Götschenberg, ARD Berlin
28.08.2017 11:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 28. August 2017 Inforadio um 11:40 Uhr, Deutschlandfunk um 12:00 Uhr und tagesschau24 um 14:00 Uhr.

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