US-Air Base in Ramstein

Drohnenkrieg der USA "Ohne Ramstein wäre das unmöglich"

Stand: 03.04.2014 16:29 Uhr

Deutschland spielt eine weit wichtigere Rolle im US-Drohnenkrieg als bislang bekannt. Nach Recherchen des NDR, WDR und der Süddeutschen Zeitung werden Drohnenangriffe nicht nur über den US-Stützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz koordiniert. Vielmehr ist die Militärbasis Dreh- und Angelpunkt für sämtliche Drohnenaktivitäten. Demnach werden hier rund um die Uhr Live-Bilder der Drohnen ausgewertet.

Von Volkmar Kabisch, Panorama-Redaktion, NDR

Brandon Bryant hat bis zum Ende seiner Dienstzeit als Drohnenpilot in einer Einheit der amerikanischen Streitkräfte gedient, die genau 1626 Menschen getötet haben soll. So hat es ihm die US-Air-Force schriftlich mitgeteilt. Stolz ist er darauf nicht. Irgendwann konnte er nicht mehr. Er sagt, er habe sich schuldig gemacht. Schließlich verließ er die Truppe. Doch für den 28-Jährigen ist klar: "Deutschland ist essenziell für alle amerikanischen Drohnenoperationen weltweit. Ohne die Ramstein Air-Force Base in Deutschland wäre das alles nicht möglich."

US-Drohnenpilot Brandon Bryant.
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US-Drohnenpilot Brandon Bryant sagt: "Deutschland ist essenziell für alle US-Drohnenoperationen weltweit." (Foto: ARD-Panorama)

Wenn Bryant auf einem Stützpunkt in New Mexico den Dienst am Joystick versah, "dann gab es bei mehr als 6000 Stunden, die ich geflogen bin, und Tausenden Missionen, die ich geflogen bin, keinen einzigen Fall, in dem ich Ramstein nicht angerufen hätte, um mich mit meiner Drohne verbinden zu lassen." Denn auf der Luftwaffenbasis befinde sich die zentrale Relais-Station, die den Piloten in den USA mit seiner Drohne in Einsatzgebieten wie Pakistan oder Jemen verbindet. Wegen der großen Entfernung zwischen den Einsatzgebieten im Nahen Osten und den Drohnenpiloten in den Vereinigten Staaten müsse das Signal der Drohne über Deutschland umgeleitet werden - per Satellit und Erdkabelverbindung.

Ein weltumspannendes Datennetzwerk des US-Militärs

Bei Drohneneinsätzen, die US-Präsident Barack Obama zum wichtigsten Mittel im Kampf gegen den Terror erklärt hat und die auch zum Tod deutscher Staatsbürger führten, spielen also Einrichtungen der US-Luftwaffe in Deutschland eine wesentliche Rolle. Dabei ist Ramstein nicht nur eine Durchgangsstation für Drohnendaten aus Pakistan oder dem Jemen. Hier werden die Daten durch Spezialeinheiten sogar ausgewertet und verarbeitet.

US-Air Base in Ramstein | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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Auf der US-Air Base in Ramstein soll sich die zentrale Relais-Station befinden, die den Piloten in den USA mit seiner Drohne in Einsatzgebieten wie Pakistan oder Jemen verbindet.

So befindet sich auf der Basis das so genannte "Distributed Ground System" (DGS-4), zu Deutsch etwa Boden-Verteilungs-System. Was wie eine landwirtschaftliche Einrichtung klingt, ist in Wahrheit ein hochkomplexes, weltumspannendes Datennetzwerk des US-Militärs. Hier arbeiten Analysten, Techniker und Militärs. Ihre Aufgabe besteht darin, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr die Live-Bilder der Drohnen auszuwerten, die über Satellitenverbindungen nach Deutschland gelangen. Die Erkenntnisse gleichen sie dann unter anderen mit Geheimdienst-Datenbanken ab und deuten die Aufnahmen der Drohnen. "Sie sind diejenigen, die dafür verantwortlich sind, sicherzustellen, dass wir die bösen Typen töten", sagt Drohnenpilot Bryant über das DGS.

"Echtzeit-Videos im globalen Krieg gegen den Terror"

US-Drohne
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Eine US-Drohne vom Typ "Predator". Deutschland spielt im Drohnenkrieg der USA eine entscheidende Rolle.

Die Aussage wird durch Einträge im Karriere-Netzwerk LinkedIn bestätigt. Hier berichten Dutzende ehemalige und noch aktive Mitarbeiter stolz von ihrem Job im DGS-4 - auf der Luftwaffenbasis Ramstein. Einer berichtet darin, "Echtzeit-Videos im globalen Krieg gegen den Terror" ausgewertet zu haben. Ein anderer schreibt über seine Tätigkeit im DGS-4, er habe an "Predator-Drohnen- Missionen" teilgenommen. In welche Operationen das DGS in Ramstein konkret eingebunden ist, darüber verweigert das US-Militär die Auskunft - aus Geheimhaltungsgründen.

Die Bundesregierung erklärte auf Anfrage, die US-Regierung habe ihr versichert, "dass von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland Einsätze bewaffneter ferngesteuerter Luftfahrzeuge weder geflogen noch befehligt werden".

Deutschlands Rolle im umstrittenen Drohnenkrieg der Amerikaner ist bedeutender als bisher angenommen. Der NSA-Untersuchungsausschuss in Berlin muss nun Antworten liefern. Drohnenpilot Bryant könnte zur Aufklärung beitragen. Bisher ist er nicht vorgeladen.

Der NDR, der WDR und die "Süddeutsche Zeitung" hatten im vergangenen Jahr erstmals über die deutsche Verwicklung in den Drohnen-Krieg berichtet und die Debatte damit angestoßen.

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