Polizei im Fußballstadion | Bildquelle: dpa

Pro und Contra Soll die DFL für Polizeieinsätze zahlen?

Stand: 21.02.2018 20:30 Uhr

Absolut richtig, dass die DFL Polizeikosten übernehmen soll, sagt Philipp Wundersee - sie verdiene mit den Spielen schließlich viel Geld. Jens Eberl dagegen findet, Sicherheit sei Kernaufgabe des Staates.

Pro: Fußball ist kein Allgemeingut, sondern ein Geschäft

Von Philipp Wundersee, WDR

Beim Fußball geht es doch vor allem um den wirtschaftlichen Gewinn. Also sollte die Kosten für Sicherheit bei solchen Veranstaltungen auch der Veranstalter tragen. Das sind nun einmal die Vereine der deutschen Fußball-Liga. Die Vereine setzen im Jahr Milliarden Euro um, kaufen millionenschwere Spieler ein und lamentieren über die Kosten für Polizeieinsätze. Das geht nicht!

Die DFL und die Vereine haben gewiss genug Geld, um bei den risikoreichen Spielen die Kosten mitzutragen. Wenn man sehr viel Geld mit der Durchführung der Liga verdient, ist es nur angemessen, nicht alle Kosten der Allgemeinheit in Rechnung zu stellen.

Die Liga besteht doch schon längst aus Vereinen, die sich wie Groß-Konzerne aufstellen und auch so vermarkten. Trotzdem musste bislang der Steuerzahler für die Sicherheit aufkommen. Fußball ist kein Allgemeingut. Es ist mittlerweile leider ein Produkt und die Fans sind vor allem Kunden des Fußballs geworden. Die Veranstalter müssen für die Sicherheit ihrer Kunden in und auch außerhalb der Stadien sorgen.  

In anderen europäischen Ländern werden die Vereine bereits zur Kasse gebeten. In Frankreich müssen Vereine Polizisten nach einem Stundensatz bezahlen. In Großbritannien zahlen die Vereine für Polizeieinsätze im Stadion und auf ihrem Privatgelände.

Natürlich ist die Sicherheit im öffentlichen Raum eine hoheitliche Aufgabe. Aber ein Spiel ist keine Demonstration. Es ist ein Riesengeschäft. Würden die Risikospiele nicht stattfinden, könnten die Hundertschaften der Polizei deutlich sinnvollere Dinge tun. Sie müssten nicht pöbelnde Gewalttäter eskortieren, ganze Straßenzüge absperren und dadurch wieder Überstunden anhäufen.

Bis zu einem Drittel ihrer Einsatzzeit verbringen manche Bereitschaftspolizisten damit, für Sicherheit bei Fußballspielen in Deutschland zu sorgen. Es ist eine Sondernutzung der Polizei, für die am Ende die Vereine zahlen müssen.

Polizisten beim Hinspiel in Frankfurt
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Fußball ist kein Allgemeingut, sondern mehr denn je ein Produkt.


Contra: Fußball ist ein Volkssport, der geschützt werden muss

Von Jens Eberl, WDR

Was ist der Unterschied zwischen einem Volksfest und dem Volkssport Fußball? Laut Bremer Urteil ist ein Risikospiel eine gewinnorientierte Großveranstaltung, deren Mehraufwand der Polizei durch den Veranstalter zu bezahlen sei.

Doch was ist mit dem Mehraufwand, den die Polizei seit einigen Jahren aufgrund der Terrorbedrohung beim Oktoberfest betreibt? Auch hier geht es um eine gewinnorientierte Veranstaltung. Die Kosten zahlt aber selbstverständlich die Allgemeinheit.

Das Urteil rüttelt an einem wichtigen Grundsatz: Sicherheit ist die Kernaufgabe des Staates. Worüber diskutierten wir demnächst? Muss dann jede Synagoge oder jeder Weihnachtsmarkt bald auch selbst für den Schutz bezahlen? Gibt es in Zukunft vielleicht nur noch Schutz für die, die ihn sich leisten können?

Zugegeben, der Fußball schwimmt im Geld, Vereine geben Millionen für Spielertransfers aus. Aber davon profitiert auch der Staat. Allein in der zurückliegenden Saison zahlte der Lizenzfußball 1,17 Milliarden an Steuern und Abgaben, so die DFL. Und: Die Sicherheit innerhalb der Stadien wird bereits durch die Vereine bezahlt. Hier entstehen hohe Kosten, die vor allem von kleineren Clubs nur schwer aufzubringen sind.

Sollte das Urteil von Bremen in dritter Instanz bestätigt werden, dürfte die DFL etwaige Gebührenbescheide direkt an die entsprechenden Vereine weiterleiten. Dies hatte 2014 bereits der damalige DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig angekündigt. Kleine, wenig zahlungskräftige Vereine könnte das ordentlich in Schieflage bringen. Auf dem Platz würde das für eine noch größere Ungerechtigkeit zwischen reichen und armen Vereinen sorgen. Das kann kein Fußball-Fan wollen.

Polizisten stehen vor einem Fußball-Stadion | Bildquelle: dpa
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Der Staat profitiert auch vom Fußball, da die Vereine Steuern zahlen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Februar 2018 um 20:00 Uhr.

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