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Entwurf des Armuts- und Reichtumsberichts
Armer Staat - noch reichere Reiche
Die Privatvermögen in Deutschland sind äußerst ungleich verteilt: Den vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte gehört mehr als die Hälfte des gesamten Nettovermögens. Das gehe aus dem Entwurf für den vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung hervor, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Die Analyse, die alle vier Jahre herauskommt, wurde vom Bundesarbeitsministerium vorgelegt. Sie befindet sich derzeit zur Abstimmung in den anderen Ressorts.
Demnach hat sich das private Nettovermögen von Anfang 1992 bis Anfang 2012 von knapp 4,6 Billionen auf rund zehn Billionen Euro mehr als verdoppelt. Doch während der private Reichtum in Deutschland immer größer wird, verringert sich das Vermögen des Staates. Dessen Nettovermögen ging laut dem Entwurf um 800 Milliarden Euro zurück.
Deutschlands Reiche werden immer reicher
tagesschau 16:00 Uhr, 18.09.2012, Uli Meerkamm, ARD Berlin
Trotz Krise - die Reichen immer reicher
Das private Nettovermögen - dazu gehören etwa Immobilien, Bauland, Geldanlagen oder Ansprüche aus Betriebsrenten - erhöhte sich den Angaben zufolge allein in der "Krisenperiode" zwischen 2007 und 2012 um 1,4 Billionen Euro. Der Anteil des obersten Zehntels sei dabei immer weiter gestiegen. 1998 belief er sich laut den amtlichen Zahlen bereits auf 45 Prozent, 2008 befand sich in den Händen dieser Gruppe der reichsten Haushalte bereits mehr als 53 Prozent des Nettogesamtvermögens.
Die untere Hälfte der Haushalte verfüge über nur gut ein Prozent des gesamten Nettovermögens, heißt es in dem Bericht weiter.
Der Osten holt auf, aber nicht viel
Der Abstand zwischen West- und Ostdeutschland habe sich laut dem Entwurf verringert, schreibt die Zeitung weiter. Westdeutsche Haushalte hätten aber im Schnitt immer noch ein Immobilien- und Geldvermögen von etwa 132.000 Euro, bei den ostdeutschen seien es nur 55.000 Euro.
Gefälle bei Einkommensentwicklung
Große Unterschiede gebe es auch bei der Lohnentwicklung: Im "oberen Bereich" sei sie "positiv steigend" gewesen. Die unteren 40 Prozent der Vollzeitbeschäftigten hätten jedoch nach Abzug der Inflation Verluste hinnehmen müssen. "Eine solche Einkommensentwicklung verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung", heißt es dazu im Bericht.
Dennoch werde in dem Bericht der Anstieg der sogenannten atypischen Beschäftigung verteidigt. Teilzeit- und Minijobs, Leiharbeit oder befristete Stellen seien nicht zu Lasten der Normalarbeitsverhältnisse gegangen.
Das Bundesarbeitsministerium fügt aber kritisch hinzu: "Stundenlöhne, die bei Vollzeit zur Sicherung des Lebensunterhalts eines Alleinstehenden nicht ausreichen, verschärfen Armutsrisiken und schwächen den sozialen Zusammenhalt."
Stand: 18.09.2012 10:42 Uhr
