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Deutschland trauert um Vicco von Bülow. In den Nachrufen der Presse ist das Urteil über Loriots Erfolgsgeheimnis einhellig: Mit Fingerzeigen, aber niemals mit erhobenen Zeigefinger, habe er die Deutschen für sich gewonnen. Sein Humor sei nie ausgrenzend oder gehässig gewesen, harmlos aber auch nicht.
Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung schreibt zu Vicco von Bülow: "Loriot war ein Genie, weil er Komik und Haltung miteinander verbinden konnte. Unter allen Preußen war er der liebenswerteste, weil er deren Tugenden in den Dienst des Lachens gestellt hat. Die Lücke, die er hinterlässt, wird auf Dauer bleiben."
Die TAZ fragt sich: „Worüber lachten eigentlich die Deutschen, bevor Loriot kam? Gar nicht. Sie schüttelten vielleicht lächelnd den Kopf über die blamablen Stilblüten eines Heinrich Lübke. Sie schmunzelten womöglich gepflegt über die großäugigen Kalauer eines Heinz Ehrhardt, der sie ihrer eigenen Harmlosigkeit versicherte. Und sie klopften sich sicher privat sehr gerne auf die Schenkel über die üblichen, oft auf Kosten anderer gehenden derben Witze vom Schwarzmarkt der Scherze. Aber gelacht? Nein, wirklich gelacht wurde nicht.“
Die Süddeutsche Zeitung erklärt Loriots Erfolg so: "Wie er selbst oft betonte, waren nicht die Außenseiter die Objekte seines sacht sezierenden Interesses, sondern Hinz und Kunz, und da diese sich in Loriots Zeichnungen, Sketchen und Filmen zwar durchschaut, nie aber angeklagt, überführt oder preisgegeben sahen, wurde daraus eine schöne Symbiose. Die Leute lachten sich, wie man so sagt, scheckig über das Loriot'sche Panoptikum, und sie genossen das umso mehr, als sie sicher sein konnten, dass ihr Amüsement Niveau hatte."
Und auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilt: "Gehässig und ausgrenzend war er nie, der Loriot'sche Witz, den man gleichwohl nicht für harmlos halten sollte. Seine Diagnose, was unsere Zivilisation betrifft, ist schließlich vernichtend: Kommunikation jedweder Art ist ein aussichtsloses Unterfangen, hinter der scheinbaren Ordnung lauert Anarchie, und schon kleinste Details genügen, damit unsere bürgerliche Fassade zerfällt und den Menschen in seiner ganzen Lächerlichkeit preisgibt, beispielsweise eine kleine Nudel. Erträglich bleiben diese Erkenntnisse allein durch die – so seltsam das Adjektiv bei einem Feingeist wie ihm erscheint – brüllende Komik, die Loriots Werk auszeichnet, durch die wunderbare Leichtigkeit und durch die Gewissheit, dass der Künstler unsere Gesellschaft bei alledem doch nicht in Frage stellt."
"Wer wirklich etwas bedeutet in diesem Land, der schafft es zu Weihnachten ins deutsche Wohnzimmer. Der Bundespräsident zum Beispiel. Oder Loriot. Die Hoppenstedts heitern zuverlässig auch die tristeste Familienrunde auf. Je mehr Comedians die Bühnen bevölkerten, desto einzigartiger wurde Vicco von Bülow. Mochte Mario Barth das Olympiastadion füllen - nicht einer seiner Gags wird es bis in unser Gedächtnis schaffen, dorthin, wo Loriot bei fast allen von uns siedelt; Bausteine unserer Kultur, auf die wir wegen ihrer sentimentalen Leichtigkeit, wegen der großzügigen Gelassenheit, wegen ihrer heiteren Verzweiflung am Dasein gar nicht stolz genug sein können. Ob Heinz Erhardt, Otto Waalkes oder Bully Herbig – nur Vicco von Bülow hat Generationen von Deutschen geprägt, wie es sonst allenfalls der Fußball schafft. Er hat uns Gemeinsamkeit geschenkt: kollektive Momente befreiten Lachens. Mit Vicco von Bülow geht ein Charakter, von dem dieses Land ein paar mehr brauchte. Aber Loriot war einzigartig", findet die Berliner Morgenpost.
Die Neue Osnabrücker Zeitung schlägt zunächst einen anderen Ton an: "Man sollte ihn nicht posthum mit falschen Superlativen in Verlegenheit bringen. Zu den Leistungen Loriots gehört es, die Nation vom Wert der Komik überzeugt zu haben. Dass die Rolle des Clowns im Kulturbetrieb zumindest ein bisschen aufgewertet wurde, verdanken wir ihm. Das macht man ohne Not kaputt, wenn man Loriot als einzigen lustigen Deutschen apostrophiert, ihn gegen die Comedy-Szene ausspielt und seinen feinen Humor von angeblich plumpen Gags unter der Gürtellinie abgrenzt. Auch grobe Witze sind wertvoll und wichtig; einige der besten Zoten stammen von Loriot. Dass er sie reißen konnte, liegt auch daran: In den 60ern erlaubten öffentlich-rechtliche Sender es ihren Künstlern noch, eine Doku-Reihe über Cartoons gegen alle Absprachen zum Sketch-Format umzudefinieren. Daran dürfte die ARD gern anknüpfen; wie gesagt: Auch nach Loriot gibt es gute Komiker. Gedanke Nummer zwei: Auch wenn das alles noch so sehr stimmt; Loriot war doch der Allergrößte, und ohne ihn ist die Erde ein schlechterer Ort!"
"Danke, Loriot" sagt die Welt: "Loriot gab dem weitverbreiteten Kopfschütteln über das Land den Ausdruck unverrückbarer Zuneigung. Er mochte die Menschen gerade wegen ihrer Fehler, wegen ihres manchmal sturen, meist peniblen Deutschseins. Das ist die Voraussetzung seines Humors. Und seine Zuschauer lieben ihn deswegen."
Zusammengestellt von Nadine Thielen für tagesschau.de
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