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Das Innenministerium befürchtet, dass radikale Lesarten des Islams Zulauf bekommen. Wie kann das verhindert werden? Heute kommen auf Einladung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich muslimische Verbände, Polizei und Verfassungsschutz in Berlin zum "Präventionsgipfel" zusammen, um nach Lösungen zu suchen. Es soll ein symbolischer Anfang sein.
Von Angelika Henkel, NDR Hannover
Wer will, findet sie schnell. Es sind nur wenige Klicks im Internet, und schon sind sie auf dem Bildschirm: Videos von sogenannten Salafisten. Sie treffen die Sprache der Jugend: humorvoll, deutsch, und mit einfachen Antworten auf die komplexen Fragen des Lebens - Antworten, die einer Lesart des Islams aus dem 7. Jahrhundert entspringen und daher in Fragen der Selbstbestimmung, des Gleichheitsgrundsatzes und der Religionsfreiheit oft der demokratischen Grundordnung widersprechen.
[Bildunterschrift: Salafistische Prediger finden auch in Deutschland Anhänger - wie hier in Frankfurt am Main im April. (Archivbild) ]
Einig sind sich die Experten längst: Programme gegen Radikalisierung sind dringend nötig. Das Problem aber steckt im Detail. Wie können solche Konzepte aussehen? "Die Moscheevereine brauchen dringend Angebote der Kommunen, um effektive Netzwerke zu bilden", meint Claudia Dantschke vom ZDK - Gesellschaft für demokratische Kultur in Berlin. Auch wenn nicht einmal die Sicherheitsbehörden genau wüssten, wie viele Anhänger der Salafisten es in Deutschland tatsächlich gibt, seien Präventionsprogramme notwendig. In den vergangenen Jahren hätten sich überall in Deutschland salafistische Angebote entwickelt. "Das Problem aber immer nur mit der Religion zu verknüpfen, ist zu kurz gegriffen. Hier wird Sozialarbeit gebraucht, es geht in weiten Teilen um Jugend- und Familienarbeit, und das können die staatlichen Behörden nicht alleine erfüllen."
Bundesweit gibt es, voneinander unabhängig, verschiedene Projekte, die der möglichen Radikalisierung von muslimischen Jugendlichen entgegenwirken sollen. Meist sind sie unter Federführung der Polizei und gehen nur selten über schlichte Kontaktgespräche zu muslimischen Gemeinden hinaus. In Niedersachsen arbeitet der Verfassungsschutz zurzeit an einem Anti-Radikalisierungsprogramm. Es zieht sich von der Sensibilisierung der Verwaltungsapparate bis hin zu gezielten Kommunikationsstrategien. Der niedersächsische Verfassungsschutzpräsident Hans-Werner Wargel erklärt: "Seit 2001 sind erhebliche Ressourcen in die operative Terrorismusbekämpfung der Sicherheitsbehörden gesteckt worden. Jetzt muss es darum gehen, die Maßnahmen durch Prävention zu ergänzen. Es gilt, Radikalisierungsprozesse so früh wie möglich zu erkennen und so wenn möglich abzubrechen."
[Bildunterschrift: Bundesinnenminister Friedrich hat zum Präventionsgipfel eingeladen. ]
Den Anstoß zum niedersächsischen Konzept gab die Schura, eine Vertretung von Muslimen in Niedersachsen. Mit im Boot ist auch der mitgliederstarke Verband DITIB. "Die Moscheegemeinden brauchen Hilfsangebote. Man darf nicht unterschätzen, dass wir in den muslimischen Vereinen alle ehrenamtlich arbeiten. Wir wollen über Islamisten in den eigenen Reihen aufklären, brauchen dafür aber auch die Hilfe des Staates", sagt Emine Oguz von DITIB Niedersachsen.
Vernetzung untereinander - das ist auch das Konzept der Düsseldorfer Polizei. Dort kommen, und das ist das besondere, ausnahmslos alle muslimischen Vereine der Stadt regelmäßig zu Diskussionen an einem runden Tisch zusammen, organisiert von Dirk Sauerborn, einem sogenannten Kontaktbeamten für muslimische Einrichtungen: "Das wichtigste ist, miteinander ins Gespräch zu kommen." Ein Ergebnis sei eine Erklärung, die Terror verurteilt und Extremismus ablehnt. Was nach Papiertiger klingt, hat laut Sauerborn sehr wohl einen wichtigen Effekt. Zum einen wirke die Erklärung in die Moscheen hinein, zum anderen setze es deutliche positive Zeichen, zum Beispiel gegenüber einer skeptischen Nachbarschaft.
Mit Sorge wird nicht nur in den Sicherheitsbehörden eine pauschalisierende, negative Haltung der deutschen Mehrheitsgesellschaft gegenüber Muslimen wahrgenommen. Prof. Dr. Rauf Ceylan von der Universität Osnabrück betont: "Alle Programme können in sich noch so stimmig sein, was wir brauchen ist eine kluge Politik der Differenz."
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