De Maizière im Porträt Merkels Allzweckwaffe

Stand: 22.08.2017 11:18 Uhr

Für die Guttenberg-Nachfolge setzt Kanzlerin Merkel auf einen Vertrauten. Der bisherige Innenminister Thomas de Maizière war schon als Chef des Kanzleramts für geräuschlose Problemlösungen in der Großen Koalition zuständig. Die Erfahrung als Krisenmanager kann ihm auch im neuen Amt nutzen.

Von Bettina Freitag, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Er kommt aus einer Offiziersfamilie. Militär kann er also, der künftige Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU). Sein Vater war Generalinspekteur der Bundeswehr. Bis in die sprachliche Ausdrucksweise hinein hat sich diese Herkunft eingeschlichen. Wenn er erzählt, wie er in der Wendezeit die junge Angela Merkel kennenlernte: "Da fiel mir schon auf, dass sie den Marschallstab im Tonister hat", so de Maizière.

Bundesinnenminister de Maizière
galerie

Vertraut mit dem Thema Afghanistan: Innenminister de Maizière

Trotzdem wirkt de Maiziere im Umgang zivil. Als er kürzlich die Terrorwarnung entschärfte, lobte er: "Die Bürgerinnen und Bürger haben ihre freiheitliche Lebensführung beibehalten - ich bin dafür von Herzen dankbar." Ein Law-and-order-Mann ist de Maizière nicht. Außerdem ist er zurückhaltend. So hielt er als Innenminister zum Beispiel wenig von ständigen Warnungen vor islamistischen Anschlägen: "Sie kenne doch die Geschichte von dem Mädchen, das immer vor dem bösen Wolf warnt - und nie kommt der Wolf. Doch eines Tages kommt der Wolf und dem Mädchen wird nicht geholfen, weil keiner mehr die Geschichte glaubt, dass der Wolf eines Tages kommt."

Mehr "Chef des Stabes" als "Feldmarschall" will er sein

Umso mehr Aufmerksamkeit erreichte er, als er mitten in der Vorweihnachtszeit von einer ernsten Bedrohung der Sicherheit sprach. Möglicherweise können sich die Soldaten schon einmal darauf einstellen, welche Sorte Dienstherr sie da bekommen. "Es gibt den Typus Feldmarschall - starkes Charisma, Haudegen, große Ausstrahlung, Menschenfischer und kurzfristig denkend", sagt de Maizière. Ein Haudegen ist er nicht, will er nicht sein. Eher schon "Chef des Stabes, zurückgenommen, strategisch, zusammenführend und an alles denkend, langfristig denkend."

Angela Merkel und Thomas de Maizière
galerie

Angela Merkel und Thomas de Maizière

So hat er schon als Chef des Kanzleramts agiert. Während der Großen Koalition gab es Konflikte zu genüge zwischen SPD und Union - de Maizière löste sie meistens lautlos, bereitete vor, was die Koalition später als gemeinsames Arbeitsergebnis präsentierte. Damals bewährte er sich als Merkels Allzweckwaffe. Die Erfahrung als Krisenmanager kann ihm auch im neuen Amt nutzen. Ganz sicher aber wird er nicht genauso wie zu Guttenberg für Titelblätter in Boulevardmagazinen posieren. Er spricht nicht gern über Privates. Nur manchmal, dass er zuhause den Kochlöffel schwingt zum Beispiel: "Meine Frau würde mich jetzt kritisieren, wenn es heißt, ich koche so viel und gerne. Lasagne kann ich gut zum Beispiel."

Baustelle Bundeswehrreform wartet

Im Innenministerium hinterlässt er eine halbfertige Baustelle: die Reform der Sicherheitsbehörden, die Zusammenlegung von BKA und Bundespolizei, muss nun sein Nachfolger vollenden. Dafür bekommt er eine Aufgabe, die womöglich noch schwieriger ist: Die Bundeswehr zu reformieren - und dabei den Wehretat im Blick zu behalten. De Maizières Arbeitsalltag wird noch anstrengender -  selbst ein militärisch disziplinierter Mann braucht da seinen Ausgleich: "Wir haben mal bei einem Geburtstag einen Spieleabend gemacht, da haben wir bei 'Mensch ärgere dich nicht'  so richtig die Sau raus gelassen - das ist schön. Und wer nicht spielen kann, der kann auch nicht ernst sein."

Darstellung: