Wolfgang Schäuble | Bildquelle: dpa

Wolfgang Schäuble Das badische Arbeitstier

Stand: 27.09.2017 18:08 Uhr

So viel Erfahrung wie Wolfgang Schäuble hat niemand sonst im Bundestag - nun soll er Parlamentspräsident werden. Spendenaffäre, Attentat, Euro-Rettung - mit seinem Namen verbinden sich viele Ereignisse.

Von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Seine Karriere war eigentlich schon zu Ende - damals vor fast 20 Jahren. Es geht hoch her im Bundestag an diesem 2. Dezember 1999 - am Rednerpult CDU-Chef Wolfgang Schäuble. Die Opposition will die Spendenaffäre vor einen Untersuchungsausschuss bringen. Seit Wochen machen Gerüchte die Runde, Schäuble habe Kontakt zum Waffenhändler Karlheinz Schreiber gehabt. "Herrn Schreiber habe ich getroffen, ja. Das war in einem Hotel in Bonn, ohne Koffer. Also ich hab' vielleicht einen Koffer dabeigehabt - weiß ich gar nicht. Es ist jedenfalls weder von Panzern noch von sonst etwas die Rede gewesen", sagte Schäuble damals.

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Wolfgang Schäuble - Seine politische Karriere in Bildern

Wolfgang Schäuble

Wolfgang Schäuble im Jahr 1973. Damals war er Vorsitzender der Jungen Union. Dem Deutschen Bundestag gehört der Jurist aus Freiburg im Breisgau seit 1972 an. | Bildquelle: picture alliance / Lutz Rauschni

" Er interessiert sich halt nun mal am meisten für Politik"

Später muss Schäuble einräumen, dass er Geld von Schreiber angenommen hat. Der Staatsanwalt ermittelt, stellt das Verfahren aber schnell ein. Dennoch wird die Spendenaffäre seine politische Karriere vorerst ruinieren. Es müssen harte Zeiten für einen Mann gewesen sein, der sein Leben lang Politik gemacht hat. "Die Beschäftigung mit Politik und das Engagement in und für die Politik hat mich immer fasziniert."

Bereits 1972 wurde Schäuble in den Bundestag gewählt - damals als jüngster Abgeordneter. Die Politik bestimmte von da an sein Leben. Seine Familie sah ihn häufig im Fernsehen, selten zu Hause. Und wenn, dann immer auch mit Akten, erzählt seine Ehefrau Ingeborg: "Resigniert habe ich schon lange. Mein Mann interessiert sich halt nun mal am meisten für Politik. Es ist seine große Leidenschaft, inzwischen habe ich dafür auch mehr Verständnis als zu Beginn. Das kann man ja vielleicht auch nachvollziehen."

Das Verständnis seiner Familie war gefordert: Schäuble gilt als detailversessenes Arbeitstier. Sein Aufstieg in der CDU war langsam, aber stetig. Wegbegleiter beschreiben ihn als loyalen Mann und diskreten Politikmanager. Mehr zufällig wird er im Wendejahr Innenminister und zu einem der Architekten der deutschen Einheit. "Ja, das war der bewegendste Moment in meinem politischen Leben", wird er 25 Jahre später sagen.

Er will nicht Opfer sein, sondern Macher

Doch Wende und Einheit sind für Schäuble immer auch mit einem großen persönlichen Tiefschlag verbunden. Am 12. Oktober 1990 schießt ein psychisch kranker Mann Schäuble bei einer Wahlkampfveranstaltung nieder. "Er hat den Kopf gehoben, hat mich angeblickt und dann hat er gesagt, er fühlt seine Füße nicht", erinnert sich eine Augenzeugin an Schäubles Reaktion. Er selbst spricht wenig über diese Erfahrung. Er will nicht Opfer sein, sondern Macher.

Gerne wäre er Bundespräsident geworden, doch die Kanzlerin verhindert das, holt ihn aber dennoch 2005 zurück in die erste Reihe: Schäuble wird Bundesinnenminister, macht als Hardliner von sich Reden. Klare Worte, die manche als demütigend empfinden, gibt er auch danach von sich. Als Finanzminister wird er Merkels Manager der Euro-Krise, fordert Griechenland unermüdlich zum Sparen auf. Und bleibt doch ein glühender Verfechter Europas. "Ein jeder kehr' vor seiner Tür und sauber ist das Stadtquartier. Wir Europäer haben einen Haufen zu kehren".

Die Krönung einer langen politischen Karriere

Immer wieder mahnt er Reformen an und hütet den Staatshaushalt mit badischer Disziplin. Die Schwarze Null ist auch sein Verdienst. Geschätzt wird Schäuble über die Parteien hinweg, auch ob der Autorität des Alters. Kein Abgeordneter hat eine so lange Erfahrung. Seit 45 Jahren sitzt er im Bundestag - er könnte der Vater mancher seiner Kabinettskollegen sein, witzelte er einmal. Als künftiger Präsident des Bundestags könnte der 75-Jährige sogar der Opa mancher Abgeordneter sein. Schäuble selbst dürfte sich auf dieses Amt freuen, denn es ist zweifelsohne die Krönung einer langen politischen Karriere.

Mit Disziplin und Härte: Porträt Wolfgang Schäuble
Martin Mair, ARD Berlin
27.09.2017 17:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. September 2017 um 19:08 Uhr.

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