Julia Klöckner | Bildquelle: AFP

CDU-Vize Klöckner Nennt sie bloß nicht "Weinkönigin"!

Stand: 24.02.2018 11:50 Uhr

In die Politik hat es sie eher zufällig verschlagen, in Berlin wird Julia Klöckner nun als Kandidatin für einen Ministerposten gehandelt. Doch ihre Karriere lief nicht immer reibungslos.

Von Daniel Bauer, ARD-Hauptstadtstudio

Zwei Dinge sollte man zu Julia Klöckner besser nicht sagen: "Weinkönigin" und "Pfälzerin". Denn: "Ich bin Rheinland-Pfälzerin und komme von der Nahe und die Pfalz ist eine andere Region in Rheinland-Pfalz."

Und das mit der Weinkönigin ist inzwischen ja schon über 20 Jahre her. Heute ist die 45-Jährige längst in der Parteispitze angekommen und gilt sogar als aussichtsreiche Kandidatin für ein Ministeramt. Ein paar davon hat die CDU ja noch zu vergeben.

Und weil die Kanzlerin sich zur Frauenquote im Kabinett bekannt hat, stehen Klöckners Chancen gar nicht mal schlecht. Dabei hat es die ehemalige Lehrerin und Journalistin eher zufällig in die Politik verschlagen. "Hier im Kreis Bad Kreuznach wurden einige auf mich aufmerksam, weil ich von der Nahe komme und deutsche Weinkönigin war", erzählt sie. "Die haben mich reden gehört, die wussten, die stottert nicht. Die hat die Gedanken beisammen, kann auf Menschen zugehen und hat eine Berufsgruppe vertreten."

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD, links), und die Spitzenkandidatin der CDU, Julia Klöckner
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Zwei Mal ist sie in Rheinland-Pfalz als Spitzenkandidatin angetreten, zwei Mal hat sie verloren: 2016 gegen Malu Dreyer (SPD). War die Flüchtlingskrise schuld?

Großes Ziel: Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz

Über den CDU-Landesverband ging's dann ziemlich schnell nach Berlin in den Bundestag. Von 2009 bis 2011 war die Tochter einer Winzerfamilie sogar parlamentarische Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium. Den Job hatte sie damals aber an den Nagel gehängt - für das große Ziel, einmal Ministerpräsidentin in Rheinland-Pfalz zu werden.

Der damalige Bundestagspräsident Hermann Otto Solms ahnte aber schon, dass der Abschied von der Bundesbühne nicht von Dauer war: "Frau Klöckner, ich bedanke mich im Namen des ganzen Hauses für Ihre engagierte Arbeit im Deutschen Bundestag. Allerdings, ob das Ihre letzte Rede im Deutschen Bundestag ist, kann man heute in Anbetracht Ihres Alters noch nicht vorhersehen."

Zwei Mal Spitzenkandidatin, zwei Mal verloren

Und vieles spricht dafür, dass es Klöckner tatsächlich bald wieder vom Rhein an die Spree zieht. Die Mainzer Jahre als CDU-Landeschefin hinterlassen dabei den etwas bitteren Geschmack des Unvollendeten. Zwei Mal war sie Spitzenkandidatin, zwei Mal hatte sie verloren. 2011 gegen Kurt Beck war es denkbar knapp, 2016 gegen Malu Dreyer dann schmerzhaft deutlich. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise hatte Klöckners CDU auf den letzten Metern noch den sicher geglaubten Sieg verspielt.

"Gewünscht hätte ich mir ein anderes Ergebnis sicherlich", erklärt sie damals. "Und am Ende müssen wir auch sagen, wir haben sehr viele Stimmen an die AfD verloren. Aber man kann es sich nicht aussuchen. Und das Leben ist viel zu kurz, um lange Gesichter zu machen."

Status der Kronprinzessin verloren

Ohne die Flüchtlingskrise hätte sie wohl gewonnen, das war damals eine gängige Theorie - nicht nur in der CDU. Wenn Klöckner deshalb wütend auf die Kanzlerin war, dann hatte sie es zumindest nicht gezeigt. Im Gegenteil: Wo Merkel steht, steht fast immer auch Klöckner. Sie formuliert es so: "Die Kanzlerin ist natürlich für mich eine Ansprechperson mit großer Weitsicht, die ich relativ lange kenne, seit ich in der Politik bin".

Bundeskanzlerin Merkel und CDU-Vize Klöckner
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Wo Merkel steht, steht fast immer auch Klöckner. Über die Kanzlerin sagt sie: "Sie ist für mich eine Ansprechperson mit großer Weitsicht."

Den Status der Kronprinzessin hat Klöckner allerdings gerade erst an Annegret Kramp-Karrenbauer verloren. Die saarländische Ministerpräsidentin wird neue Generalsekretärin und hat im Gegensatz zu Klöckner bewiesen, dass sie Wahlen gewinnen kann. Für eine potentielle Kanzlerkandidatin nicht ganz unwichtig.

Für Klöckner bleibt also vermutlich erst einmal der Ministerposten. Bei den Koalitionsgesprächen hat sie die Landwirtschaft verhandelt. Und das würde passen - das Ministerium kennt sie ja noch aus ihrer Zeit als Staatssekretärin.

Portrait Julia Klöckner
D. Bauer, ARD Berlin
24.02.2018 10:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Februar 2018 um 12:23 Uhr.

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