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Die Bundesanwaltschaft hat einen weiteren Verdächtigen im Zusammenhang mit der "Zwickauer Zelle" festnehmen lassen. Holger G. aus Niedersachsen soll die Gruppe bis in die jüngste Zeit unterstützt haben. Unter anderem soll er in Stuttgart ein Wohnmobil angemietet haben, das bei der Ermordung der Polizistin Michéle Kiesewetter 2007 eine Rolle spielte. Holger G. wird morgen dem Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt.
Gegenüber der ARD sagte der amtierende Generalbundesanwalt Rainer Griesbaum, G. habe noch vor vier Monaten der Gruppe geholfen. Er habe sie seit Jahren unterstützt, unter anderem habe er den mutmaßlichen Terroristen seinen Personalausweis und Reisepass überlassen. Der Mann teile die rechtsextremistischen Auffassungen der Gruppe, sagte Griesbaum.
Griesbaum korrigierte mittlerweile seine eigenen Angaben, wonach die Ermittler eine Vorrichtung für eine verdeckte Schussanlage sowie das Drehbuch für einen Propagandafilm in der Wohnung von G. entdeckt hätten. Diese seien in der Wohnung der mutmaßlichen Terroristen in Zwickau gefunden worden.
Auf dem Video hatten die Neonazis Täterwissen über die neun Morde an Migranten in mehreren deutschen Städten offenbart. Die Gruppe bezeichnete sich als "Nationalsozialistischer Untergrund" und drohte mit weiteren Anschlägen. Zudem verhöhnten die Rechtsterroristen ihre Opfer.
Die Terror-Verdächtige Beate Z. wurde zudem am Abend dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe vorgeführt. Kurz darauf erließen die Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen die 26-jährige Thüringerin. Es bestehe ein dringender Verdacht "der Gründung und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung", teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.
Die Polizei hatte in der zerstörten Wohnung der Terroristen mehrere DVDs versandfertig gefunden, sie waren an Nachrichtenagenturen und ausländische Kulturvereine adressiert. Einige wurden offenbar auch bereits abgeschickt. So erhielt die Linkspartei in Sachsen-Anhalt nach eigenen Angaben eines der Videos. Die DVD habe in dieser Woche im Briefkasten eines Parteibüros gelegen, sagte Parteisprecherin Anke Lohmann. Landeschef Matthias Höhn erklärte, das Video sei auch als Drohung der Rechtsterroristen an den politischen Gegner zu verstehen.
Bislang vermutet die Bundesanwaltschaft, dass auf das Konto der rechtsextremen Terroristen zehn Morde gehen. Zwischen 2000 und 2006 wurden neun Männer mit Migrationshintergrund in verschiedenen deutschen Städten regelrecht exekutiert, zudem soll der Mord an einer Polizistin in Heilbronn im Jahr 2007 auf das Konto der Neonazi-Gruppe gehen.
Außerdem rollt die Polizei zwei ungeklärte Anschläge in Nordrhein-Westfalen wieder auf. Es müssten jetzt alle "Straftaten, die über ähnliche Muster verfügen", noch einmal untersucht werden, sagte NRW-Innenminister Jäger. Dies seien ein Nagelbombenanschlag in einer überwiegend von Türken bewohnten Straße in Köln im Jahr 2004 mit 22 Verletzten sowie ein Anschlag auf jüdische Aussiedler an einer S-Bahn-Haltestelle in Düsseldorf im Jahr 2000. Bei dem Anschlag waren zehn Menschen durch eine Splitterbombe verletzt worden, zwei von ihnen lebensgefährlich. Eine Frau hatte ihr ungeborenes Baby verloren. Mehr dazu auch bei wdr.de.
Offen bleibt, ob es weitere Mitwisser gibt und warum die Neonazis ausgerechnet nach Zwickau gingen, um von hier ihre Taten zu planen und auszuführen. Tatsache ist: Seit Jahren gibt es eine braune Achse von Thüringen, wo die Terroristen zunächst aktiv waren, nach Zwickau, wo die Rechtsextremen seit 2001 lebten. In der Region Südthüringen und Westsachsen sind Neonazis seit vielen Jahren äußerst aktiv und gut miteinander vernetzt. Ein langjähriger Kenner der Szene sagte gegenüber tagesschau.de, er vermute, die Neonazis seien damals mit Hilfe von führenden Rechtsextremen aus Thüringen untergetaucht.
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