Ein Polizeikommissaranwärter türkischer Herkunft posiert mit Werbematerial zur Einstellung von jungen Frauen und Männern mit Migrationshintergund.  | Bildquelle: dpa

Zahl der Neueinstellungen Nur wenige Migranten werden Polizisten

Stand: 31.01.2017 15:32 Uhr

Mit aufwändigen Kampagnen wirbt die Polizei um Bewerber mit Migrationshintergrund. Aber Polizisten mit ausländischen Wurzeln sind immer noch vergleichsweise selten. Ausnahmen bilden Berlin und Sachsen-Anhalt.

Wenn es mit der Integration von Ausländern nicht gut läuft, bekommt die Polizei die Probleme oft zuerst zu spüren. Dann sind bei den Beamten Kenntnisse in anderen Sprachen und Kulturen gefragt. Die Behörden in fast allen Bundesländern suchen daher Polizisten mit Migrationshintergrund.

Allerdings sind Beamte mit ausländischen Wurzeln immer noch vergleichsweise selten. So liegt der Anteil von Migranten bei Neueinstellungen in neun Ländern unter deren Anteil in der Gesamtbevölkerung. Das geht aus einer Studie des Mediendienstes Integration hervor - ein Projekt des Rates für Migration, in dem sich Migrationsforscher zusammengeschlossen haben.

Kaum Migranten bei der Polizei in MV

In Nordrhein-Westfalen hatten im vergangenen Jahr 11,7 Prozent der neu eingestellten Polizisten einen Migrationshintergrund, während es in der Bevölkerung 25,6 Prozent sind. In Schleswig-Holstein hatten 3,5 Prozent der neuen Polizeibeamten ausländische Wurzeln. Der Migrantenanteil im nördlichsten Bundesland liegt bei 13,2 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Migrantenanteil bei Neueinstellungen unter 0,1 Prozent.

Ausnahmen bilden Berlin und Sachsen-Anhalt. Dort wurden im vergangenen Jahr überdurchschnittlich viele Migranten eingestellt. In der Hauptstadt hatten 29 Prozent der Neueingestellten bei der Polizei einen Migrationshintergrund. Der Anteil an der Gesamtbevölkerung liegt dort bei knapp 28 Prozent.

In Sachsen-Anhalt hatten neun Prozent der Neueingestellten eine Zuwanderungsgeschichte. Dagegen haben lediglich fünf Prozent der Einwohner dort ausländische Wurzeln. Abgefragt wurden Daten der Landespolizeistellen, die diese Daten auf freiwilliger Basis erheben.

In Brandenburg, Sachsen, Thüringen und Bayern gibt es keine Daten über Migrantenanteile. Nach Definition des Statistischen Bundesamtes hat jemand einen Migrationshintergrund, wenn er selbst oder mindestens ein Elternteil bei Geburt nicht Deutscher war.

Polizei steht im internationalen Vergleich gut da

Im internationalen Vergleich steht die deutsche Polizei mit ihrem Migrantenanteil aber gut da, meint Daniela Hunold, Wissenschaftlerin an der Polizeihochschule Münster. Die deutsche Polizei setze oft auf Konfliktlösungen durch Gespräche, stelle Kontaktbeamte ein und biete interkulturelle Schulungen.

Entscheidender als die kulturellen Grenzen seien ohnehin die sozialen Unterschiede. Die Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe sei weniger gravierend als die unterschiedliche Behandlung von verarmten Menschen oder Bewohnern sozialer Brennpunkte.

Der Hamburger Polizeiwissenschaftler Rafael Behr sagte, Polizeianwärter mit Migrationshintergrund seien in der Regel gut integriert und würden sich nicht in besonderer Weise von deutschstämmigen unterscheiden. Die Polizei sei bunter geworden, sagte Behr, aber nicht anders.

Über dieses Thema berichteten am 31. Januar 2017 Deutschlandfunk um 14:12 Uhr und NDR Info um 15:50 Uhr.

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