GSG9 | Bildquelle: dpa

Neue Anti-Terror-Einheit der Polizei Mehr als nur "GSG9 light"

Stand: 08.09.2015 09:22 Uhr

Ein Terroranschlag wie der auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" würde die deutsche Polizei überfordern. Deshalb werden neue Spezialeinheiten aufgebaut. Im Alltag sollen die Beamten jedoch normalen Dienst schieben.

Von Michael Götschenberg, RBB, ARD-Terrorismusexperte

Der Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris am 7. Januar dieses Jahres hatte den Sicherheitsbehörden deutlich gemacht, worauf sie sich einstellen müssen. Die Attentäter waren mit schweren Waffen ausgerüstet, neben Kalaschnikows auch mit einer Panzerfaust und einer Granate. Sie mussten darüber hinaus über eine längere Distanz verfolgt werden und konnten erst nach zwei Tagen überwältigt werden - währenddessen hatte ein weiterer Attentäter in einem jüdischen Supermarkt Geiseln genommen.

Deutschland wäre überfordert

In Berlin wurde das Szenario genau ausgewertet. Der Befund: Die Polizei ist für einen derartigen Einsatz nicht ausreichend gewappnet. Zwar verfügt die Bundespolizei mit der Grenzschutzgruppe (GSG9) über eine Eliteeinheit, die auf Einsätze dieser Art spezialisiert und dementsprechend ausgerüstet ist. Sie würde bei einem vergleichbaren Fall jedoch schnell an ihre Grenzen stoßen, so die Befürchtung.

"Wir haben natürlich das Potenzial der normalen polizeilichen Streifendienste, die aber nicht darauf vorbereitet sind, langanhaltende Anti-Terrorlagen bewältigen zu können", sagt der CDU-Innenexperte Armin Schuster. "Und die GSG9 als Spezialeinheit ist in ihrer Größe auch nicht dafür geschaffen, lange Großeinsätze wie in Paris zu bewältigen."

"GSG9 light" als Lösung

Diese Lücke soll eine neue Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei schließen, mit einer Ausrüstung und Ausbildung angesiedelt zwischen der normalen Bereitschaftspolizei und der Eliteeinheit GSG9. Intern läuft sie bei der Bundespolizei deshalb auch scherzhaft unter der Bezeichnung "GSG9 light".

Diese Bezeichnung ist allerdings irreführend. Die Anti-Terror-Einheit soll nämlich im Unterschied zur GSG9 nicht ausschließlich bei Terrorlagen zum Einsatz kommen, sondern im Regelfall normalen Dienst schieben, beispielsweise bei Demonstrationen oder in Fußballstadien.

250 weitere Beamte

Nach Informationen des RBB Inforadios sieht das Konzept der Bundespolizei vor, die neue Spezialeinheit dezentral an fünf Standorten zu stationieren, mit einer Stärke von jeweils 50 Mann, so dass die Einheit unterm Strich aus 250 Beamtinnen und Beamten bestehen wird. "Die Bundespolizei wird sich darauf vorbereiten und darauf trainieren, diese fünf Einheiten überall in Deutschland einsetzen zu können", sagt CDU-Innenexperte Schuster. Dafür habe sie auch die nötigen Hubschrauber.

An der Zuständigkeit der Länder-Polizeikräfte ändern die Pläne für die Bundespolizei nichts. Sie bleiben mit ihren eigenen Spezialkräften, den sogenannten Sondereinsatzkommandos (SEK), bei Terrorlagen zuständig. Sie hält man auf Bundesebene aber für überfordert, sobald sich ein Anti-Terror-Einsatz über mehrere Tage und über Ländergrenzen hinweg erstrecken sollte.

Etat ist bereits eingeplant

Bis Ende des Jahres soll die erste Einheit stehen, und zwar am Bundespolizei-Standort Blumberg im Nordosten von Berlin. Die weiteren vier Einheiten sollen innerhalb von drei Jahren an den Standorten Uelzen, Sankt Augustin, Hünfeld und Bayreuth aufgebaut werden, jeweils als Teil der Beweissicherungs- und Festnahmehundertschaften der Bundespolizei. Die Mittel und das Personal sind im Haushalt für das kommende Jahr eingeplant und in der Großen Koalition unumstritten.

Neue Anti-Terroreinheit nimmt Gestalt an
M. Götschenberg, ARD Berlin
08.09.2015 09:19 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 08. September 2015 um 07:23 Uhr auf NDR Info.

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