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[Bildunterschrift: Charlotte Knobloch, die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, bedauert, dass der 9. November 1938 in Vergessenheit gerate. ]
Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, bedauert, "dass in diesem Jahr das Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. November 1938 von der Freude über 20 Jahre Mauerfall überlagert wird". Eine entsprechende Mitteilung ließ sie in München veröffentlichen. Zwar dürften sich die Menschen natürlich freuen, dass der Mauerfall für die Ostdeutschen die langersehnte Freiheit gebracht habe. Doch auch die Ereignisse in der Nacht vom 9. November vor 71 Jahren dürften nicht in Vergessenheit geraten.
Nach Ansicht von Knobloch sind "Antisemitismus und Volksverhetzung in Deutschland nach wie vor ein ernst zu nehmendes Problem". Das zeigten allein schon die jüngsten Parolen an der Dresdner Synagoge und antisemitische Straftaten. Der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland zufolge ist braunes Gedankengut "längst in alle Bereiche unserer Gesellschaft eingesickert". Deshalb sei es von besonderer Bedeutung, die junge Generation in ihrem Demokratiebewusstsein zu stärken - auch durch das Gedenken an die Vergangenheit.
Knobloch ermahnte, das wiedervereinigte Deutschland müsse zeigen, dass es sich nach wie vor den demokratischen Grundwerten verpflichtet fühlt, auch und gerade "im Bewusstsein der dunklen Seite seiner Geschichte". Sie forderte, in Zukunft müsse ein Weg gefunden werden, um beider Ereignisse - dem 9. November 1938 und dem 9. November 1989 - in angemessener Form zu gedenken.
[Bildunterschrift: Bundespräsident Horst Köhler nahm am Gedenkgottesdienst zum Mauerfall-Jubiläum teil und erinnerte zugleich an den 9. November 1938. ]
Daran hatte Bundespräsident Horst Köhler heute erinnert. In Berlin sagte er, dass Deutschland an "diesem Tag der Freude" nicht die Reichspogromnacht vergesse. 1938 sei aus der Diskriminierung der Juden "endgültig systematische Verfolgung bis hin zum Massenmord" geworden.
Die Teilung hat nach Ansicht Köhlers 1989 auch deshalb überwunden werden können, "weil wir Deutsche die nötigen Lehren aus unserer Geschichte zwischen 1933 und 1945 gezogen haben." Darum habe die Welt Deutschland 1989 vertraut und die Deutschen die Einheit in Freiheit wiedererlangt. Der 9. November 1938 und der 9. November 1989 seien miteinander verbunden. "Diesen Zusammenhang und die daraus wachsende Verantwortung werden wir immer beherzigen", versicherte Köhler.
[Bildunterschrift: Davidstern auf dem jüdischen Friedhof in Erfurt ]In der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 hatten Nazis in ganz Deutschland Geschäfte und Synagogen in Brand gesetzt, Wohnungen jüdischer Bürger demoliert und ihre Bewohner misshandelt. Mindestens 91 wurden in dieser Nacht ermordet. Es war der Auftakt zur völligen Entrechtung und systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland.
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