Tüten mit Einkauf | Bildquelle: dpa

Vorschlag des Umweltbundesamts Wer Plastiktüten will, soll zahlen

Stand: 15.04.2013 11:03 Uhr

Ginge es nach dem Umweltbundesamt (UBA), sollte in Deutschland eine Bezahlpflicht für Plastiktüten eingeführt werden, um die Müllmenge zu reduzieren.

"Es gibt gerade in Bekleidungsgeschäften, Drogeriemärkten und Kaufhäusern keine Bezahlpflicht, daher empfehlen wir, dass diese Tüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden", sagte UBA-Präsident Jochen Flasbarth der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Zurzeit berät eine internationale Konferenz in Berlin vor allem über die zunehmende Gefährdung der Meere durch Müll. "100 bis 140 Millionen Tonnen Müll liegen in den Weltmeeren. Zum Teil sind Müllstrudel aus dem Weltall erkennbar", sagte Flasbarth. "Das ist ein Güterzug vollgepackt mit Meeresmüll von hier zum Mond und halb zurück", beschrieb er.

Unmengen Plastikmüll in der Nordsee

Möwen am Abend in Hamburg über der Elbe | Bildquelle: dpa
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Müllteile im Wasser, eine Gefahr für die Seevögel

Flasbarth hatte zunächst gesagt, allein in der Nordsee liege Müll in einer Größenordnung von einem Würfel mit einer Kantenlänge von 80 Kilometern - diese Angabe aber später korrigiert: Richtig sei der Vergleich, wenn der Würfel eine Kantenlänge von 80 Metern, nicht Kilometern, habe. Dann kommt man auf 512.000 Kubikmeter, dies entspricht laut UBA in etwa dem Müllvolumen am Grund der Nordsee.

Das habe große Auswirkungen auf die Lebewesen, wenn sie zerriebenen Plastikmüll über die Nahrungskette aufnehmen. Tiere strangulierten sich in Müllteilen, darunter Delfin- und Walarten sowie Meeresvögel. Wie viel Mikroplastik über den Fischkonsum in die Nahrungskette des Menschen gelangt, ist laut Flasbarth noch relativ unbekannt.

Ein zunehmendes Problem seien Mikroplastikteilchen zur Stabilisierung etwa in Kosmetika, die von den Kläranlagen nicht erwischt werden und so über das Abwasser in den Meeren landen können. Hinzu komme der ganze Müll in der Schifffahrt, sei es bei Kreuzfahrten oder Containerschiffen, der über Bord geworfen werde.

Regelung über den Geldbeutel

Auf der bis Freitag dauernden Meeresmüll-Konferenz sei ein sehr nachahmenswertes Beispiel vorgestellt worden: In den Ostseehäfen sind die Abfallgebühren in den Hafengebühren enthalten. "Das heißt, man kann keine Kosten vermeiden, wenn man den Abfall vor dem Hafen über Bord wirft", so Flasbarth. "Dadurch ist hier das Müllaufkommen aus der Schifffahrt deutlich zurückgegangen."

Die in die Hafengebühren integrierten Abfallgebühren sollten für alle EU-Häfen vorgeschrieben werden. In der Fischerei könnte eine Pfandpflicht auf Netze helfen, das Zurücklassen der Netze in den Meeren zu mindern, betonte Flasbarth.

Netz eines Krabbenkutters | Bildquelle: picture alliance / WILDLIFE
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Zurückgelassene Netze belasten die Meere. Wenn Fischer eine Pfandpflicht zahlen müssten, würden sie diese Art "Entsorgung" eher vermeiden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. April 2013 um 20:00 Uhr.

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