Die "Pille danach" bleibt rezeptpflichtig

Entscheidung über Notfallverhütung

"Pille danach" bleibt rezeptpflichtig

Der Gesundheitsausschuss des Bundestages hat beschlossen, dass die sogenannte "Pille danach" rezeptpflichtig bleiben soll. Union und FDP lehnten Anträge der Opposition ab, die eine Aufhebung der Rezeptpflicht gefordert hatten.

Die Pille danach (Bildquelle: dpa)
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In 79 Ländern bereits frei verkäuflich: Die "Pille danach".

Grundsätzlich, so die Begründung der Union, sei eine ärztliche Beratung bei der Verwendung dieser Medikamente nötig. Die FDP argumentierte in der Sitzung, es sei problematisch, die "Pille danach" "mit Kopfschmerztabletten gleichzusetzen", dies werde mit einer Freigabe aber getan. Zudem sei nur schwer vorstellbar, dass eine ausreichende Beratung "im Apothekenverkaufsraum" stattfinden könne.

WHO rät zur Freigabe

Damit stellt sich der Ausschuss nach wochenlangen Beratungen gegen eine Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese rät seit Jahren, aufgrund der relativ guten Verträglichkeit des Präparates Levonorgestrel und weil eine ärztliche Untersuchung vor der Einnahme aus medizinischer Sicht nicht notwendig ist, dieses rezeptfrei zugänglich zu machen. So könnten ungewollte oder unerwünschte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche vermieden werden.

Auch der zuständige Ausschuss des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte sprach sich bereits 2003 dafür aus, die Rezeptpflicht aufzuheben. Der Deutsche Pharmazeutinnen Verband DPV schloss sich dem bei einer Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestages im April an. Die Freigabe in 79 Ländern habe zu überwiegend positiven Erfahrungen geführt.

In fast allen EU-Mitgliedsstaaten ist Levonorgestrel bereits ohne Rezept erhältlich. Allein in Deutschland, Italien und Polen ist das Präparat verschreibungspflichtig. In anderen Ländern habe man nie von gesundheitlichen Beeinträchtigungen gehört, argumentierte die SPD-Fraktion in der Ausschusssitzung. Dass man in Deutschland "plötzlich eine medizinische Gefahr" sehe, seien "vorrangig berufsständische Argumente". Es gebe "keinen Grund", die Rezeptfreiheit der Medikamente nicht zu wollen - es wäre gut, wenn in Deutschland mehr sexuelle Selbstbestimmung unterstützt würde.

Protest im Netz unter #wiesmarties

Auch im Netz äußerten etliche Kritikerinnen und Kritiker ihren Unmut über die Entscheidung. Sie persiflieren dort eine Äußerung des CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn vom vergangenen Oktober über Levornorgestrel, "solche Pillen sind schließlich keine Smarties". Befürworterinnen und Befürworter einer Freigabe reagierten auf Twitter unter dem Hashtag #wiesmarties, das bereits nach kurzer Zeit zu den meistdiskutierten Themen auf Twitter in Deutschland gehörte.

Erst vor wenigen Monaten war eine breite Debatte über den Zugang zur "Pille danach" losgetreten worden, als ein katholisches Krankenhaus in Köln Schlagzeilen machte, weil es einer jungen Frau das Präparat verweigert hatte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. Februar 2014 um 12:00 Uhr.

Stand: 15.02.2013 17:37 Uhr

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