Medikamente

Einigung in der Gesundheitspolitik Preisbremse für Medikamente

Stand: 12.04.2016 18:26 Uhr

Bei neuen Medikamenten soll künftig eine Preisbremse gelten. Für die Patienten könnte es trotzdem teurer werden. Grund sei, dass Pharmaunternehmen weiterhin Gelder für die Forschung bräuchten, so die Einschätzung von Gesundheitsminister Gröhe.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hauptstadtstudio

Keine Mondpreise für neue Medikamente mehr - das ist eines der Ergebnisse des Pharmadialogs, die Gesundheitsminister Hermann Gröhe heute gemeinsam mit der Pharmaindustrie, Gewerkschaften und Wissenschaftlern vorgestellt hat. Künftig soll es eine Art Preisbremse geben. Bislang haben die Pharmahersteller im ersten Jahr freie Hand, wenn sie ein neues Medikament einführen. Sie können dafür so viel Geld verlangen, wie sie möchten. Dies hat in der Vergangenheit bei besonders begehrten Medikamenten zu extrem hohen Preisen im ersten Jahr geführt.

Geplant ist nun eine Obergrenze für Umsätze mit einem neuen Medikament im ersten Jahr. Überschreitet ein Unternehmen diese Grenze, bekommt es nur noch den Preis, den Hersteller und Krankenkassen gemeinsam aushandeln. Bislang gilt dieser, in der Regel niedrigere Preis, erst nach Ablauf des ersten Jahres.

Missverhältnis: Forschungsaufwand und Einnahmen

Hintergrund der Diskussion sind extrem hohe Preise für neue Medikamente, so der Sprecher des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenkassen, Florian Lanz: "Es gibt ein Mittel gegen Hepatitis C, da kostet die einzelne Pille 700 Euro, Jahrestherapiekosten von 70.000 bis 80.000 Euro. Das steht in keinem vernünftigen Verhältnis mehr zu dem Forschungsaufwand, zu der Arbeit, die das Pharmaunternehmen vorher damit hatte. Das kann so nicht hingenommen werden."

Vor allem die Krankenkassen hatten angesichts der rasant gestiegenen Arzneimittelausgaben in den vergangenen Jahren vehement eine Preisbremse gefordert. Die jetzt geplante Umsatzobergrenze kommt den Krankenkassen etwas entgegen, sagt Lanz: "Es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, um diese horrenden Mondpreise, die es teilweise gibt, möglicherweise in den Griff zu bekommen. Aber richtiger, besser wäre es natürlich gewesen, die fairen, ausgehandelten Preise nicht erst nach einem Jahr gelten zu lassen, sondern rückwirkend zum ersten Tag."

Gesundheitsminister Gröhe stellt die Ergebnisse des Pharmadialogs vor.
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Gesundheitsminister Gröhe hofft auf ein Ende der "Mondpreise" bei Medikamenten.

Weiter Gelder für die Forschung

Gröhe allerdings verweist darauf, es müsse für die Pharmaunternehmen weiter attraktiv bleiben, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Daher seien die Einnahmen, die sie für neue Medikamente gleich nach dem Start erzielen können, wichtig. Die Pharmaindustrie macht deutlich, dass sie mit dem Plan des Gesundheitsministers leben kann. "Mit der Umsatzgrenze wird", so Hagen Pfundner, der Chef des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller, "der Sorge des Ministers Rechnung getragen, dass etwas komplett aus dem Rahmen ausreißen könnte."

In den kommenden Monaten sollen die Details der Preisbremse festgelegt werden, unter anderem die Höhe der geplanten Umsatzschwelle. Sie werde zwischen 100 und 500 Millionen Euro liegen, hat Gröhe angedeutet. Hier dürfte es noch einmal heftige Diskussionen geben. Pfundner warnt bereits vor einer zu niedrigen Umsatzgrenze: "Denn man muss sich vorstellen, wenn ich mit einem hochinnovativen Produkt, mit einem Produkt, das einen gewaltigen Zusatznutzen hat, in den deutschen Markt und in die Versorgung gehe, dann wäre es natürlich schade, wenn diese Leistung nicht auch honoriert würde."

Höhere Beiträge?

Weitere Ergebnisse des Pharmadialogs: Die Hersteller verpflichten sich, künftig mehr in die Entwicklung von speziellen, kindgerechten Medikamenten zu investieren. Außerdem soll ein Schwerpunkt auf die Entwicklung neuer, besser wirkender Antibiotika gelegt werden. Gröhe schloss nicht aus, dass derartige Innovationen auch höhere Kosten für die Krankenkassen bedeuten könnten - und damit höhere Beiträge für die Versicherten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. April 2016 um 14:20 Uhr

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