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Pflegerin schiebt eine alte Frau im Rollstuhl ueber den Flur eines Seniorenheims und ein Mann sitzt im Rollstuhl im Flur eines Seniorenpflegeheims.

Weniger als 200 Beschäftigte nutzen staatliche Unterstützung

Familien-Pflegezeit findet bislang offenbar kaum Anklang

Die Anfang dieses Jahres eingeführte Pflegezeit für Familien wird einem Medienbericht zufolge bislang kaum genutzt. Arbeitnehmer und Arbeitgeber hätten das Gesetz in den ersten zwölf Monaten in nicht mehr als 200 Einzelfällen in Anspruch genommen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" und beruft sich auf eine vorläufige Statistik des Bundesfamilienministeriums.

Ziel des Gesetzes von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder ist es, die Vereinbarkeit von Beruf und häuslicher Pflege zu verbessern. Seit Anfang 2012 können Beschäftigte ihre Arbeitszeit für maximal zwei Jahre auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, um nahe Angehörige zu pflegen. Dafür ist ein Lohnausgleich vorgesehen.

Wer etwa nur noch 50 Prozent arbeitet, soll weiter 75 Prozent des letzten Bruttogehalts bekommen. Das zu viel gezahlte Geld wird nach der Pflegezeit verrechnet: Die Betroffenen arbeiten wieder 100 Prozent, bekommen aber weiter nur drei Viertel des Gehalts, bis das Zeitkonto ausgeglichen ist.

Pflegezeit wird kaum genutzt
tagesschau 01:10 Uhr, 29.12.2012, Jochen Graebert, ARD Berlin

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Familienministerium wirbt um mehr Geduld

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) kritisierte die Regelung. Die Zahlen belegten, dass das Gesetz nicht notwendig sei, sagte ein Sprecher. Arbeitgeber und Arbeitnehmer könnten je nach Einzelfall und Betrieb selbst etwas für Pflegezeiten vereinbaren.

Die stellvertretende DGB-Chefin Ingrid Sehrbrock monierte den fehlenden Rechtsanspruch. Dadurch fehle dem Gesetz die "soziale Prägekraft" und der "soziale Mindeststandard". In Deutschland werden dem Bericht zufolge mehr als 1,6 Millionen Menschen von Angehörigen und ambulanten Diensten zu Hause gepflegt.

Ministerium: Bislang "keinerlei Statistik"

Das Bundesfamilienministerium warnte davor, das Modell der Familienpflegezeit voreilig abzuschreiben. Es gebe keinerlei Statistik zur bisherigen Nutzung des Angebots, sagte ein Ministeriumssprecher. Es lägen lediglich Zahlen über jene Fälle vor, in denen das Bundesfamilienamt in Köln bei der Organisation geholfen habe. Nach diesen Zahlen haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber das Angebot seit der Einführung zum Jahresbeginn 2012 in nicht mehr als 200 Einzelfällen in Anspruch genommen.

Der Sprecher riet davon ab, daraus falsche Rückschlüsse zu ziehen. Er rief dazu auf, das Angebot zu nutzen. Es bedeute eine deutliche Verbesserung gegenüber der früheren Regelung, bei der Arbeitnehmer sich nur bei komplettem Gehaltsverzicht eine Auszeit von bis zu einem halben Jahr nehmen konnten, um nahe Angehörige zu pflegen. Bei der Etablierung des neuen Angebots sei ein langer Atem nötig.

Stand: 28.12.2012 13:36 Uhr

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