Pflegeversicherung

Studie der Stiftung Warentest Schlechte Noten für den "Pflege-Bahr"

Stand: 16.04.2013 15:55 Uhr

Die staatlich geförderten Tarife für eine private Pflegeversicherung taugen nach Ansicht der Stiftung Warentest nur wenig, um die finanzielle Lücke im Pflegefall zu schließen. Besonders die Vertragsbedingungen seien oft deutlich schlechter als bei nicht subventionierten Produkten.

Die staatliche Förderung, nach dem Gesundheitsminister "Pflege-Bahr" getauft, war Anfang des Jahres eingeführt worden. Seitdem zahlt der Staat eine Zulage von fünf Euro im Monat für alle, die eine private Pflegeversicherung abschließen, die den Vorgaben genügt. Da die gesetzliche Pflichtversicherung nicht alle Kosten abdeckt, sollten so Anreize für die private Vorsorge gesetzt werden.

Für die Zeitschrift "Finanztest" verglich die Stiftung Warentest nun 23 Pflege-Tagegeldversicherungen ohne staatliche Förderung und 17 mit Förderung. Das Fazit der Verbraucherschützer: Die geförderten Tarife sind nicht zu empfehlen.

Keine ausreichende Versorgung im Pflegefall

Daniel Bahr | Bildquelle: dpa
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Gesundheitsminister Daniel Bahr erfand den "Pflege-Bahr": Die private Vorsorge für den Pflegefall wird seit Januar staatlich gefördert.

Der Pflege-Bahr "löst das Absicherungsproblem der weit überwiegenden Zahl der Verbraucher nicht", erklärte "Finanztest"-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen. Häufig sei nur eine maximale Leistung von 600 bis 700 Euro im Monat versichert - bei einer intensiven Pflege müssten die Verbraucher aber 1500 bis 1800 Euro im Monat aus der eigenen Tasche finanzieren.

Auch die Vertragsbedingungen der geförderten Tarife sind den Testern zufolge oft schlechter als bei nicht geförderten Policen. So müssten die Kunden auch bei Pflegebedürftigkeit weiter Beiträge zahlen.

Der Abschluss eines geförderten Tarifs sei nur dann sinnvoll, wenn jemand wegen seines hohen Alters oder einer Erkrankung keine ungeförderte Versicherung mehr bekäme oder wenn ein junger Mensch bereits ein erhöhtes Krankheitsrisiko habe.

Große Unterschiede zwischen einzelnen Tarifen

Tarife ohne staatliche Zulage können sich dagegen laut Stiftung Warentest mehr lohnen. Allerdings habe eine solche Versicherung nur Sinn, "wenn jemand so wohlhabend ist, dass er die Beiträge auf Dauer zahlen kann", schreibt "Finanztest".

Doch auch bei den 23 ungeförderten Angeboten im Test gibt es demnach große Unterschiede: Die "sehr guten" und "guten" Tarife würden bereits ab einem Monatsbeitrag von rund 55 Euro für 45-jährige Neukunden das finanzielle Risiko in allen Pflegestufen absichern.

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