Altenpflege

9,5 Millionen Überstunden

Stand: 09.02.2018 11:28 Uhr

Altenpfleger haben in Deutschland im Jahr 2016 mehr als 9,5 Millionen Überstunden geleistet - mehr als ein Drittel davon unbezahlt. Das geht aus einer Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor.

Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag auf 8000 neue Stellen in Pflegeheimen geeinigt. Kritiker bemängeln allerdings jetzt schon, dass dies bei weitem nicht ausreichen werde. Die Bundesagentur für Arbeit etwa registrierte im Dezember 2017 rund 24.000 unbesetzte Stellen in der Altenpflege. Dazu passend veröffentlichte die Bundestagsfraktion der Linken jetzt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage. Das Ergebnis: Altenpfleger leisteten im Jahr 2016 mehr als 9,5 Millionen Überstunden - ein Drittel davon unbezahlt.

Häufig in der Freizeit zum Dienst

Insgesamt, so heißt es in der Antwort weiter, wurden etwa 900 Millionen Gesamtstunden in der Pflege geleistet. Damit liegt der Anteil der Überstunden bei mehr als ein Prozent. "Viele Einrichtungen der Altenpflege vergeben auch heute nur Teilzeitstellen", sagte die Pflegeexpertin der Linken, Pia Zimmermann. Die hohe Zahl an Überstunden belege, dass besonders diese Pflegekräfte im hohen Stil ausgebeutet würden. Denn sie würden häufig auch in ihrer Freizeit zum Dienst verpflichtet, sagte sie.

Schmerzen, die nicht sein müssten?

Es bestehe ganz offensichtlich Handlungsbedarf - zu diesem Ergebnis kommt auch der sogenannte Pflege-Qualitätsbericht des Medizinischen Dienstes, der vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Ein Beispiel: Bei fast einem Fünftel der Pflegebedürftigen mit Schmerzen erfolgte laut Bericht keine systematische Schmerzeinschätzung. Das heißt, die Informationen, die für eine geeignete Schmerztherapie notwendig sind, werden vom zuständigen Pflegepersonal nicht eingeholt. Die Pflegebedürftigen leiden also womöglich unter Schmerzen, obwohl das nicht sein müsste.