Ein Polizist steht vor einem qualmenden Wohnmobil, in dem die Leichen von Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos entdeckt wurden. | Bildquelle: picture alliance / dpa

NSU und der Mordfall Peggy BKA untersucht Verbindungen zu Kindermorden

Stand: 04.11.2016 17:33 Uhr

Das Bundeskriminalamt plant, die DNA von Uwe Böhnhardt mit weiteren Fällen verschwundener oder ermordeter Kinder abzugleichen. Außerdem arbeiten die Ermittler in Sachen NSU und Peggy K. in Zukunft enger zusammen.

Von Reiko Pinkert und Jan Lukas Strozyk, NDR

Das Bundeskriminalamt will offenbar weitere ungeklärten Kindermorde und Fälle von vermissten Kindern auf Verbindungen zu dem mutmaßlichen NSU-Mörder Uwe Böhnhardt untersuchen. Das geht aus einem Schreiben des Bundesjustizministeriums hervor, das NDR, WDR und "SZ" vorliegt. Demnach sollen alle Beweismittel aus den NSU-Taten, "die Bezüge zu Kindern aufweisen könnten", auf Verbindungen zu ungeklärten Mord- und Vermisstenfällen geprüft werden.

Am Fundort der Leichen von Mundlos und Böhnhardt hatten Ermittler unter anderem einen Kinderschuh, einen Stoff-Bären und eine Wasserpistole sichergestellt. Dem Schreiben zufolge sollen zunächst DNA-Spuren aus den NSU-Taten mit denen aus dem Fall Peggy abgeglichen werden. Umgekehrt wurde in einer ersten Untersuchung offenbar geprüft, ob Spuren von Peggy K. an Beweismitteln aus dem NSU-Komplex gefunden werden konnten. Diese Prüfung verlief demnach negativ.

Umfangreicher Datenabgleich

Zu einem späteren Zeitpunkt könnte die DNA von Böhnhardt und Mundlos mit der beim Bundeskriminalamt und den Landeskriminalämtern geführten Verbunddatei "Vermisste / unbekannte Tote" abgeglichen werden. Die Kartei besteht seit 1992 und beinhaltet Einträge zu ungeklärten Vermissten- und Todesfällen. Zum 1. Oktober umfasste die Kartei laut BKA die Fälle von mehr als 11.000 Kindern und Jugendlichen.

Ein umfassender Abgleich dieser Datenbank mit "sämtlichen im Lebensbereich von Uwe Böhnhardt festgestellten unbekannten DNA-Identifizierungsmustern" wird laut dem Dokument derzeit geprüft. Dazu werden beim BKA zurzeit auch weitere Asservate aus den NSU-Ermittlungen auf DNA untersucht, die bislang in den Verfahren keine Rolle spielten.

Aus dem Schreiben geht auch hervor, dass das Justizministerium die DNA-Spur Böhnhardts, die im Fall Peggy festgestellt worden ist, offenbar weiterhin für ermittlungswürdig hält. "Ein umfassender Austausch der im Ermittlungsverfahren wegen Mordes an Peggy K. sowie im NSU-Verfahrenskomplex angefallenen Erkenntnisse ist wegen des durch den Spur-Treffer offenbar gewordenen Personenbezugs unerlässlich", heißt es in dem Schreiben. Einerseits sei eine "kritische Prüfung des Beweiswerts" der Probe angesichts der Auffinde-Situation geboten, andererseits habe der Treffer eine "potenziell hohe Tatrelevanz".

Mitte Oktober hatten Medien berichtet, dass am Fundort der Leiche von Peggy K. an einem Textilstück DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt entdeckt wurden. Kurz darauf erklärten Ermittler, dass in beiden Fällen derselbe Messstab im Zuge der kriminaltechnischen Untersuchungen eingesetzt worden war. Es könne sich bei der DNA-Probe demnach wohl auch um eine Verunreinigung handeln. Um die Aussagekraft der Böhnhardt-DNA-Spur zu klären, wurde in der "SOKO Peggy" laut dem Papier aus dem Justizministerium ein Unterabschnitt gegründet, der die "Wahrscheinlichkeit einer Spurenverschleppung" klären soll.

Polizeifahrzeuge sind im September bei Wurzbach im Saale-Orla-Kreis zu sehen. | Bildquelle: dpa
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Polizeifahrzeuge sind im September bei Wurzbach im Saale-Orla-Kreis zu sehen. Dort wurde der Fundort von Peggys Leiche erneut untersucht.

Engere Zusammenarbeit

Der im NSU-Fall ermittelnde Generalbundesanwalt und die für den Fall Peggy zuständige Staatsanwaltschaft Bayreuth haben sich zudem darauf geeinigt, die Zusammenarbeit zu optimieren. Dazu hat das BKA zwei Ermittlungsbeamte, die mit dem NSU-Komplex beschäftigt sind, in die "SOKO Peggy" entsandt. Im Gegenzug wird ein Ermittler aus dem Peggy-Fall in die "Einsatzgruppe Trio" geschickt, die den NSU untersucht. Zur Koordination der beiden Fälle hatten sich zuletzt zudem Vertreter des Generalbundesanwalts, der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, der Staatsanwaltschaft Bayreuth, des Polizeipräsidiums Oberfranken und des Bundeskriminalamts getroffen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2016 um 20:00 Uhr.

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