Grabstein der seit 15 Jahren vermissten Peggy

Mordfall Peggy und der NSU DNA von Böhnhardt bei Peggys Skelett entdeckt

Stand: 13.10.2016 21:59 Uhr

Ermittler haben am Fundort des Skeletts der ermordeten Peggy DNA-Spuren des Rechtsterroristen Böhnhardt entdeckt. Nach Informationen des ARD-Terrorismus-Experten Schmidt prüfen die Ermittler nun einen Zusammenhang zwischen dem NSU und einem weiteren Kindermord in Jena 1993.

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth hat bei der Suche nach dem Mörder von Peggy an einem neben dem Leichnam des Mädchens gefundenen Gegenstand DNA-Spuren des Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt festgestellt. Nach BR-Informationen handelt es sich bei dem Gegenstand um ein Stück Stoff von der Größe eines Fingernagels.

Peggy Skelett gefunden
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In einem Wald zwischen Thüringen und Bayern wurden die Knochen gefunden.

Dass es sich um Böhnhardts DNA handelt, sei bei dem Abgleich von Datenbanken festgestellt worden, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. In der Erklärung heißt es weiter: "In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen." "Spiegel Online" erfuhr aus Ermittlerkreisen, dass auch eine Verunreinigung der DNA-Probe theoretisch denkbar sei.

Kinderschuhe im NSU-Wohnmobil

Ein Polizist steht vor einem qualmenden Wohnmobil, in dem die Leichen von Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos entdeckt wurden. | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Am 4. November 2011 entdeckte die Polizei in einem ausgebrannten Wohnmobil die Leichen von Böhnhardt und Mundlos.

Mehrere Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses reagierten entsetzt auf die Nachricht vom Fund der Böhnhardt-DNA-Spuren. Sie verwiesen auch darauf, dass im ausgebrannten NSU-Wohnmobil Kindersachen gefunden worden seien. Die Vorsitzende des Ausschusses, Dorothea Marx, sagte, nach ihrem Kenntnisstand sei die Herkunft dieser Gegenstände bis heute ungeklärt. Diese müssten nun unbedingt auch in den Fokus der Ermittlungen im Fall Peggy rücken. "Die meisten der Kindersachen wurden nie auf DNA untersucht", sagte Marx. In dem Wohnmobil waren unter anderem Kinderschuhe entdeckt worden.

Ähnlich äußerte sich die Linke-Obfrau des Ausschusses, Katharina König. Sie forderte zudem, dass es nun einen Abgleich der DNA von Böhnhardt sowie der DNA der weiteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos und Beate Zschäpe mit allen ungeklärten Fällen geben, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien. Zudem sei aus ihrer Sicht derzeit völlig offen, ob der Münchner NSU-Prozess gegen Zschäpe so weitergehen könne wie bisher.

Der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, kündigte einen neuen Beweisantrag an. Dabei sollen Einzelheiten über Kinderporno-Dateien auf einem Computer des NSU untersucht werden, sagte Daimagüler der Deutschen Presse-Agentur. Im Brandschutt der Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau war ein Datenträger mit Kinderpornomaterial gefunden worden. Man müsse herausfinden, "wer Kenntnis hatte und wer es draufgeladen hat - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe oder alle drei". 

DNA von NSU-Terrorist Böhnhardt bei Peggys Skelett entdeckt
tagesthemen 22:15 Uhr, 13.10.2016, Christoph Arnowski, BR

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Neue Ermittlungen in einem weiteren Fall

Der ARD-Terrorismus-Experte Holger Schmidt erklärte auf Twitter, dass die Ermittler im Zusammenhang mit dem Böhnhardt-Fund nun auch einen Zusammenhang mit einem Kindermord 1993 in Jena prüfen.

Holger Schmidt @terrorismus
Ermittler sehen derzeit keinen Zusammenhang zw Mord an #Peggy und #NSU Taten - prüfen allerdings Zusammenhang mit Kindermord 1993 in #Jena

Laut einem Bericht des Mitteldeutsche Rundfunks aus dem Jahr 2014 war der neun Jahre alte Junge im Juli 1993 tot am Saale-Ufer entdeckt worden. Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, geriet damals Böhnhardt ins Visier der Ermittler.

Knochenfund im Juli

Peggys Tod ist einer der größten ungelösten Kriminalfälle in Bayern. Die neunjährige Schülerin aus dem oberfränkischen Lichtenberg war am 7. Mai 2001 nicht von der Schule nach Hause gekommen. Wochenlange Suchaktionen blieben erfolglos.

Erst Anfang Juli - mehr als 15 Jahre später - fand ein Pilzsammler in einem Wald im Grenzgebiet zwischen Thüringen und Bayern Knochen des Mädchens. Das Skelett wurde allerdings nicht vollständig gefunden. Hundertschaften der Polizei suchten das Waldgebiet und Zufahrtsstraßen zwischen Peggys Heimatort und dem Fundort im 15 Kilometer entfernten Saale-Orla-Kreis daraufhin nach Spuren ab.

Böhnhardt 2011 erschossen

Beate Zschäpe | Bildquelle: AP
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Beate Zschäpe steht derzeit vor Gericht.

Der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) wird für eine Mordserie mit zehn Toten verantwortlich gemacht, außerdem für zwei verübte Bombenanschläge. Die Opfer waren vorwiegend Migranten. Neben Böhnhardt gehörten dem NSU Mundlos sowie Zschäpe an, die derzeit in München vor Gericht steht. 2011 hatte Mundlos nach dem bisherigen Ermittlungsstand offensichtlich Böhnhardt erschossen und sich dann selbst getötet. Über mögliche Zusammenhänge zwischen dem NSU und dem Mordfall Peggy war bisher nichts bekannt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Oktober 2016 um 20:00 Uhr.

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