"Patriot"-Soldaten in die Türkei abgeflogen

Startcontainer eines

Hauptkontingent für "Patriot"-Einsatz entsendet

Symbolischer Einsatz mit überschaubarem Risiko

240 Bundeswehrsoldaten sind in Richtung Türkei gestartet. Sie sollen die Stadt Kahramanmaras mit ihren "Patriot"-Flugabwehrraketen vor möglichen Angriffen mit syrischen Mittelstreckenraketen schützen. Obwohl der Einsatz vor allem symbolischen Charakter hat, ist er umstritten.

Von Christian Thiels, SWR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Eine junge Frau kämpft mit den Tränen, sie winkt einem Soldaten, der schon hinter der Sicherheitsschleuse ist. In der kargen Abflughalle am Flughafen Berlin-Tegel, militärischer Teil, herrscht Abschiedsstimmung. Ein paar wenige Angehörige sind gekommen, um den 240 Soldatinnen und Soldaten an diesem kalten Sonntagmorgen für ihren Einsatz in der Türkei alles Gute zu wünschen.

Es sind Männer und Frauen der Luftwaffe, die mit ihren "Patriot"-Flugabwehrraketen in den nächsten Monaten in Kahramanmaras in Anatolien stationiert sein werden. Begleitet werden sie von Fernmeldespezialisten, Sanitätspersonal und Experten zur Abwehr von Chemiewaffen.

Für Hauptfeldwebel Danny L. und seinen Kameraden kam der Einsatz ziemlich überraschend. "Das war zwar einerseits schlecht, aber andererseits auch gut, weil man sich nicht so viele Gedanken machen konnte". Froh sei er gewesen, dass es in die Türkei und nicht nach Afghanistan gehe. Das Risiko für die Soldaten sei bei diesem Einsatz eher überschaubar, heißt es im Einsatzführungskommando der Bundeswehr, das für alle Auslandsmissionen der Armee verantwortlich ist.

Deutsche "Patriot"-Raketen erreichen Türkei
tagesschau 12:00 Uhr, 21.01.2013, Michael Schramm, ARD Istanbul

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Kampfeinsatz ist unwahrscheinlich - Kritik gibt es trotzdem

Bundeswehrsoldaten starten in Berlin-Tegel zur "Patriot"-Mission in der Türkei (Bildquelle: dapd)
galerie

Die meisten der 240 Soldaten kommen von der Luftwaffe.

Die Stadt Kahramanmaras hat rund 400.000 Einwohner und liegt rund 100 Kilometer nördlich der türkisch-syrischen Grenze. Kaum jemand rechnet damit, dass der Bürgerkrieg in Syrien sich bis hierher auswirken könnte. Und auch dass das Assad-Regime womöglich mit Chemiewaffen bestückte Mittelstreckenraketen gegen den Nachbar Türkei einsetzen könnte, halten Experten für sehr unwahrscheinlich.

Dennoch ist der Einsatz, den der Bundestag am 14. Dezember gebilligt hatte, nicht unumstritten. Linkspartei-Fraktionschef Gregor Gysi mahnt, dass die Bundeswehr durch diese Mission automatisch zur Konfliktpartei im Nahen Osten werde und es so keine Chance mehr gebe, die Rolle des neutralen Vermittlers im Syrien-Konflikt einzunehmen: "Und dafür muss man nicht darauf warten, bis der erste Schuss gefallen ist."

Die deutschen "Patriot"-Raketen können sowohl Flugzeuge als auch Mittelstreckenraketen abschießen. Ihre Reichweite liegt - je nach Version - zwischen 45 und 160 Kilometern. Oberstleutnant Frank Schulz, Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 21 aus Sanitz und bei der Türkei-Mission verantwortlich für die Abschussanlagen, sieht seine Leute gut auf den Einsatz vorbereitet. Dass er tatsächlich einmal den Feuerbefehl für die "Patriot"-Raketen geben muss, damit rechnet er eher nicht - "aber man weiß ja nie", sagt er. Ob der Einsatz sinnvoll ist, dazu kann sich Schulz kaum äußern. Als Soldat muss er den Auftrag des Parlamentes ausführen - unabhängig davon, wie er selbst dazu steht.

Bundeswehr: Es geht vor allem um ein Zeichen der Solidarität

Bundeswehrsoldaten starten in Berlin-Tegel zur "Patriot"-Mission in der Türkei
galerie

Die Kommandeure rechnen nicht damit, dass die Soldaten in Kämpfe verwickelt werden.

Es ist dann auch die politische Symbolik der Türkei-Mission, die General Dieter Naskrent, stellvertretender Inspekteur der Luftwaffe, betont. Auch er rechnet derzeit nicht damit, dass es für die Bundeswehrsoldaten, die er heute in Berlin in den Einsatz verabschiedete, wirklich ernst werden könnte.

Die deutsche Beteiligung an der Mission "Active Fence Turkey" unterstreiche vor allem die Bündnissolidarität mit dem NATO-Partner Türkei. "Von dieser Solidarität haben wir jahrzehntelang profitiert", sagt Naskrent und nimmt damit die Argumentationslinie seines Chefs, Verteidigungsminister Thomas de Maizière, auf.

Der hatte nach der türkischen Anfrage an die NATO stets die deutsche Verlässlichkeit in dem Bündnis ins Feld geführt. Und die will Deutschland nun in der Türkei unter Beweis stellen - gemeinsam mit "Patriot"-Soldaten aus den USA und den Niederlanden. Die deutschen Patriot-Raketen sollen Ende Januar einsatzbereit sein.

Stand: 20.01.2013 14:21 Uhr

Darstellung: