Firmenschild "Mossack Fonseca"

Panama Papers Erste Durchsuchungen in Deutschland

Stand: 10.10.2017 21:06 Uhr

Erstmals ist es im Zusammenhang mit den Panama Papers zu Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von Geldern in Deutschland gekommen. Niederlassungen der Commerzbank wurden durchsucht. Außerdem wurden zwei Millionen Euro sichergestellt - die Spur führt zu Siemens.

Von Georg Mascolo, NDR

Im Zusammenhang mit den sogenannten Panama Papers ist es in Deutschland zu ersten Durchsuchungen und zur Beschlagnahme von Geldern gekommen. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" hat die Staatsanwaltschaft München I Niederlassungen der Commerzbank in Frankfurt und Hamburg durchsuchen lassen. Zudem wurden zwei Millionen Euro beschlagnahmt, die ein ehemaliger Siemens-Manager veruntreut haben soll.

Die Maßnahmen sind die ersten größeren Aktionen seit das Bundeskriminalamt Mitte dieses Jahres aus unbekannter Quelle Millionen Daten erwarb, die ursprünglich aus der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca in Panama stammen. Über die Daten, die von einer Quelle der "Süddeutschen Zeitung" zugespielt wurden, hatten im vergangenen Jahr Journalisten weltweit berichtet.

Stinkt Geld doch?

Beim BKA arbeitet inzwischen eine besondere Aufbaukommission mit dem Namen "Olet" an den Daten. Der Name leitet sich von dem lateinischen Spruch "pecunia non olet" ab - Geld stinkt nicht. Beim BKA aber ist man offenbar davon überzeugt, dass die Panama Papers das Gegenteil beweisen.

Das Material wird vom BKA und weiteren Behörden in Deutschland inzwischen in zehn Fällen genutzt. Diese betreffen Wirtschaftsdelikte wie Geldwäsche, Betrug oder Steuerhinterziehung, bei denen Briefkastenfirmen eine wichtige Rolle spielen. Darüber hinaus kooperiert das Bundeskriminalamt mit Behörden aus Großbritannien, Frankreich, den USA und anderen Staaten. Dutzenden Verbindungsbeamten aus aller Welt wurde inzwischen eine Zusammenfassung der Panama Papers präsentiert.

Island hat vom BKA bereits Unterlagen über den ehemaligen Regierungschef Sigmundur Davíð Gunnlaugsson bekommen. In den Panama Papers war der damalige Premier im April 2016 als Miteigentümer einer Briefkastenfirma aufgetaucht. Das hatte letztlich zu seinem Rücktritt geführt.

Früherer Siemens-Manager involviert?

Der Fall Siemens betrifft den früheren Konzernmanager Joachim Kohlsdorf, der lange in Lateinamerika tätig gewesen war und bei der Führung von schwarzen Kassen geholfen hatte. Den Panama Papers zufolge könnte sich Kohlsdorf an den schwarzen Konten bereichert haben. Nach der Veröffentlichung der Panama Papers hatte Siemens Strafanzeige gestellt.

Mit den Unterlagen aus Wiesbaden konnte die Münchner Staatsanwaltschaft, die wegen Veruntreuung von Firmenvermögen gegen Kohlsdorf ermittelt, zwei Millionen Euro sicherstellen. Gegen die Commerzbank, bei der die Razzien stattgefunden hatten, gibt es keinerlei Vorwürfe seitens der Behörden. Die Bank sei vielmehr sehr hilfreich bei der Aufklärung dieser Vorgänge, heißt es.

Das Material des BKA umfasst insgesamt 2,8 Terabyte, das sind mehr als elf Millionen Dokumente. Diese geben Aufschluss über 290.000 Briefkastenfirmen aus 21 Ländern.

Über dieses Thema berichtete der Hessische Rundfunk am 02. Oktober 2017 um 16:45 Uhr.

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