Patientin in einem Hospiz | Bildquelle: dpa

Bundestag verabschiedet Palliativgesetz Sterbende sollen mehr Zuwendung bekommen

Stand: 05.11.2015 13:05 Uhr

In Deutschland sterben die Menschen überwiegend in Pflegeheimen und Krankenhäusern. Bis zu 900.000 sind es jedes Jahr. Um ihre Situation zu verbessern, hat der Bundestag das Palliativgesetz verabschiedet. Nun soll mehr Geld fließen. Doch das Hauptproblem bleibt.

Der Bundestag hat mit den Stimmen der Großen Koalition und der Grünen das Hospiz- und Palliativgesetz beschlossen. Es soll die Versorgung von Menschen am Lebensende verbessern. Die Linksfraktion enthielt sich der Stimme, weil sie die Regelungen insgesamt nicht für ausreichend hält.

Ab 2016 sollen die Krankenkassen jährlich ein Drittel mehr für die Hospizversorgung und Palliativmedizin aufwenden. Mindestens 200 Millionen Euro sollen zusätzlich in die Finanzierung der über 200 Hospize, rund 1500 ambulanten Hospizdienste und der Palliativstationen gesteckt werden. Im Fokus steht besonders die Versorgung auf dem Land.

Bundestag beschließt neues Hospitz- und Palliativgesetz
tagesschau 20:00 Uhr, 05.11.2015, Marie von Mallinckrodt, ARD Berlin

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Krankenhäuser haben selten Palliativstationen

Fachleute begrüßen die Aufstockung der Mittel. Opposition und Sozialverbände kritisieren aber, dass das Gesetz dort am wenigsten bewirkt, wo die meisten Menschen sterben - in Pflegeheimen und auf den normalen Stationen der Krankenhäuser.

Obwohl drei Viertel zu Hause bleiben wollen, sterben 40 Prozent der Menschen in einem Pflegeheim, fast jeder Zweite im Krankenhaus. Von rund 2000 Kliniken haben aber nur 300 eine Palliativstation.

Insgesamt sterben in Deutschland jedes Jahr zwischen 850.000 und 900.000 Menschen. Eine aktuelle Studie kommt zu dem Ergebnis, dass nur 30 Prozent vor dem Tod eine palliative Versorgung bekommen, 90 Prozent sie aber bräuchten.

Gröhe: "Ein besonderes Gesetz"

Gesundheitsminister Hermann Gröhe nannte die Novelle "ein besonderes Gesetz". Eine breite Mehrheit der Abgeordneten sieht im Ausbau der Palliativversorgung eine Antwort auf den in der Bevölkerung wachsenden Wunsch nach Sterbehilfe. Die Hospiz- und Palliativversorgung konzentriert sich auf Menschen kurz vor ihrem Tod. Durch Pflege, Schmerztherapie und menschliche Begleitung sollen ihre Schmerzen und Ängste gelindert werden.

Das Gesetz wurde vor dem Hintergrund der Abstimmung über die Straffreiheit der Suizid-Beihilfe beschlossen. Sie steht am Freitag auf der Tagesordnung des Bundestages.

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