Eine alte Puppe liegt im Herbstlaub. | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

Modellprojekt des Bundes Therapien für Pädophile bald auf Kasse?

Stand: 25.10.2016 16:27 Uhr

Freiwillige Therapien für pädophile Männer könnten in Zukunft eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung werden. Eine entsprechendes Modellprojekt wurde nun auf den Weg gebracht. Problematisch bleibt aber die große Mehrheit der Pädophilen, die sich keine Hilfe suchen.

Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland 250.000 Männer, die sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlen. Damit solche Neigungen nicht in Straftaten münden, gibt es spezielle Therapien. Doch wer bezahlt diese? Bislang wird das bundesweite Präventionsnetzwerk "Kein Täter werden", das für Betroffene kostenlose Therapien anbietet, aus verschiedenen Töpfen bezahlt. Der Bund gibt einen Teil des Geldes, die Länder auch - jedoch nur zeitlich begrenzt. Eine dauerhaft gesicherte Finanzierung ist das nicht.

Das soll nun geändert werden: Künftig sollen die gesetzlichen Krankenkassen das Präventionsnetzwerk finanzieren - und damit die Beitragszahler. Ein entsprechendes, auf fünf Jahre ausgelegtes Modellprojekt wurde nun auf den Weg gebracht, teilte der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Lutz Stroppe, mit. Die dafür notwendigen Gesetzesänderungen sollen im November vom Bundestag und im Dezember vom Bundesrat verabschiedet werden.

Therapie für Pädophile bald Kassenleistung
D. Bauer, ARD Berlin
25.10.2016 15:26 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Deutliche Aufstockung der Mittel

Die neuen Pläne sehen vor, dass die Kassen von 2018 bis 2022 jedes Jahr fünf Millionen Euro zur Verfügung stellen. Das wäre eine deutliche Steigerung: Gegenwärtig beläuft sich der Etat des Netzwerks in Berlin und zehn weiteren Städten auf insgesamt etwa 1,4 Millionen Euro jährlich - vom Bundesjustizministerium kamen zuletzt 585.000 Euro. Doch aus haushaltsrechtlichen Gründen sei das ab kommendem Jahr nicht mehr möglich, heißt es aus dem Ministerium. Für die Übergangszeit soll das Land Berlin die Finanzierung übernehmen.

Seit über elf Jahren bietet die Berliner Charité Pädophilen Hilfe an. Aber nur denen, die freiwillig kommen, um ihre Neigung in den Griff zu kriegen. "Das sind im Durchschnitt 37 Jahre alte Männer, die sind zu 75 Prozent berufstätig, 40 Prozent sind in Beziehungen, ebenso viele haben Kontakt zu Kindern im engeren Umfeld", berichtet der Leiter des Instituts für Sexualwissenschaft, Klaus Beier.

Nur wenige schließen Therapie ab

Wer freiwillig zu Beier kommt, der will selber, dass aus diesem Kontakt kein Missbrauch wird. Gute Voraussetzungen für eine Therapie. "Einmal sorgen wir dafür, dass sie ihre Präferenz genau kennen. Dann sorgen wir dafür, dass sie die Risikosituationen genau kennen. Wir nutzen Verhaltenstraining, um diese zu beeinflussen, Lösungsstrategien zu erarbeiten und wir nutzen Medikamente, um diese Impulse zu reduzieren."

Und trotzdem gibt es keine Erfolgsgarantie. Dazu kommt, dass in den vergangenen Jahren nur 7000 Pädophile überhaupt Hilfe gesucht haben. Bei geschätzten 250.000 insgesamt ist das natürlich wenig. Gerade mal 250 haben dann eine Therapie auch abgeschlossen, viele brechen vorher ab.

Mit Informationen von Daniel Bauer, ARD-Hauptstadtstudio.

Über dieses Thema berichteten NDR Info am 25. Oktober 2016 ab 13:34 Uhr und Inforadio um 15:44 Uhr.

Darstellung: