Heinrich Bedford-Strohm | Bildquelle: picture alliance / dpa

Osterbotschaften der Kirchen Aufstehen - gegen Terror und Rassismus

Stand: 27.03.2016 12:20 Uhr

Nicht schweigen angesichts von Terror, Gewalt und Flüchtlingskrise. Aufstehen, sich einmischen - das ist eine der zentralen Osterbotschaften der Kirchen. "Terror ist Gotteslästerung", stellte Hannovers Landesbischof klar. Gegen einfache "Hoffnungsrhetorik" wandte sich Kardinal Marx.

Terror, Flüchtlingskrise: Die Osterbotschaften der Kirchen standen in diesem Jahr unter dem Eindruck der Anschläge in Brüssel sowie der hohen Zahl an Schutzsuchenden vor Krieg, Elend und Gewalt in ihrer Heimat.

"Es wäre völlig undenkbar, dass man beim Thema Flüchtlinge schweigt als Kirche", sagte der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bedford-Strohm. Hier müsse die Kirche sich einmischen, Stellung beziehen, ohne jedoch Parteipolitik zu machen. Zugleich rechtfertigte der oberste Repräsentant von rund 22,5 Millionen Protestanten in Deutschland die Unterstützung für die Bundeskanzlerin durch Kirchenvertreter beim Thema Umgang mit Flüchtlingen.

Klares Nein zu Ausländerhass

Mit Blick auf das Abkommen zwischen der EU und der Türkei fürchtete Bedford-Strohm um das Asylrecht. "Ich mache mir Sorgen, wenn Menschen von der Türkei nach Griechenland kommen und dann einfach zurückgeschickt werden. Das geht nicht." Die Flüchtlinge müssten ein Asylverfahren bekommen, das rechtsstaatlichen Standards genüge.

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Sorgt sich um das Asylrecht: EKD-Chef Bedford-Strohm

Dass eine AfD-Mitgliedschaft mit einem hohen Amt in der evangelischen Kirche vereinbar sei, wollte der bayrische Landesbischof nicht ausschließen. Hier sei die Sache entscheidend. "Wo menschenfeindliche Einstellungen vertreten werden oder in diesem Fall ausländerfeindliche Tendenzen vertreten werden, da muss man ein klares 'Nein' entgegenhalten."

Scharfe Kritik an der AfD kam von der evangelischen Theologin Margot Käßmann. "Mich ekelt diese Art der Politik an." Offenbar lasse sich mit Angstmache Stimmen gewinnen. Dabei sei aber "klar Rassismus im Spiel", sagte die Reformationsbotschafterin der EKD der "Passauer Neuen Presse".

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker sprach sich klar gegen den Missbrauch des christlichen Glaubens für "Stimmungsmache gegen Ausländer und Flüchtlinge" aus. "Für mich sind Fremdenfeindlichkeit und Rassismus mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar", sagte er der "Westfalenpost".

"Terror ist Gotteslästerung"

Viele Bischöfe verurteilten zugleich Terror und Gewalt im Namen der Religion. "Terror ist Gotteslästerung", stellte Hannovers Landesbischof Ralf Meister mit Blick auf die Anschläge in Brüssel klar. Es mache ihn zornig, wenn Terroristen sich auf Gott berufen, sagte auch EKD-Chef Bedford-Strohm. Die Muslime weltweit nahm er die Pflicht, indem er eine breite muslimische Bewegung gegen religiös motivierte Gewalt forderte.

Es gehe nicht darum, dass eine Religion der anderen Belehrungen erteilt, sagte Bedford-Strohm. Auch Christen hätten Anlass zu kritischer Auseinandersetzung mit ihren heiligen Schriften. Im Moment aber "geht die Gewalt auf der Welt unter Berufung auf die Religion hauptsächlich vom Islam aus", führte er im Deutschlandfunk aus.

Kardinal Marx | Bildquelle: dpa
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Aufstehen gegen Angst und Rhetorik der Ausgrenzung: Kardinal Marx

Aufstehen gegen Angst und Ausgrenzung

Ein Aufstehen gegen die Angst und die Rhetorik der Ausgrenzung - das forderte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Kardinal Reinhard Marx. Christen sollten Hoffnung in die Welt tragen. Terror und Gewalt könnten jedoch nicht durch "einfache Hoffnungsrhetorik" überwunden werden. Glaubwürdigkeit sei wichtig. Dazu gehöre auch, dass sie sich aktiv in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einmischen, statt nur "kritisierend am Wegrand" zu stehen.

Es gebe keine einfachen Lösungen, um den Terror zu bekämpfen, sagte auch der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung. Dazu sei die Lage in der Welt zu kompliziert. Ein erster Schritt könne aber sein, Gewalt nicht einfach mit neuer Gewalt zu beantworten.

Der Lutherische Weltbund rief die Christen auf, für Flüchtlinge und andere Menschen in Not einzutreten. Christen sollten ihren bedürftigen Mitmenschen mit Respekt begegnen und auf alle "mögliche Weise helfen". Der Weltbund ist ein Netzwerk von 145 Kirchen in 98 Ländern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. März 2016 um 16:00 Uhr.

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