Polizeibeamte beobachten ein Treffen der türkischstämmigen Rockergruppe "Osmanen Germania" im Jahr 2016. | Bildquelle: dpa

Türkisch-nationalistische Gruppe Razzia bei "Osmanen Germania"

Stand: 13.03.2018 09:49 Uhr

Die deutschen Behörden nehmen die "Osmanen Germania" ins Visier: Am Morgen hat es Razzien in drei Bundesländern gegen die türkisch-nationalistische Rockergruppe gegeben, die auch der AKP nahestehen soll.

Mit Durchsuchungen in drei Bundesländern sind die Behörden gegen Mitglieder der Rockergruppe "Osmanen Germania BC" vorgegangen. Die Hausdurchsuchungen in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Hessen hätten um 6 Uhr morgens begonnen, hieß es in einer Mitteilung des Bundesinnenministeriums. Es bestehe der "dringende Verdacht, dass Zweck und Tätigkeit des Vereins 'Osmanen Germania BC' den Strafgesetzen zuwiderlaufen".

Bei den "Osmanen Germania" handelt es sich um eine türkisch-nationalistische Rockergruppierung. Der Verein bezeichne sich als Boxclub und gebe vor, Jugendliche von der Straße holen zu wollen, so das Ministerium. Tatsächlich aber liege der Zweck in der gewalttätigen Gebiets- und Machtentfaltung sowie in der Selbstbehauptung gegenüber konkurrierenden rockerähnlichen Gruppierungen. "Mit der Maßnahme zeigen wir einmal mehr, dass unser Rechtsstaat entschieden und konsequent gegen jedwede Form der Kriminalität vorgeht", wird der geschäftsführende Innenminister Thomas de Maizière in der Mitteilung zitiert.

Spezialkräfte eingesetzt

Laut Essener Polizei wurden am Morgen in Nordrhein-Westfalen insgesamt 41 Objekte durchsucht. Dabei setzte die Polizei teilweise auch Spezialkräfte ein, weil die betroffenen Rocker als gefährlich eingeschätzt würden. Die Durchsuchungen sollten nach Angaben der Behörden der Aufklärung von Vereinsstrukturen und Aktivitäten dienen. Um die Durchsetzung eines Vereinsverbots gehe es nicht.

In Hessen durchsuchten die Einsatzkräfte zehn Objekte, wie das dortige Innenministerium mitteilte. Wie die "Stuttgarter Nachrichten" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichteten, wurden in Baden-Württemberg Gebäude in Jettingen bei Nagold, Crailsheim, Mannheim, Gerabronn sowie Räume in den Justizvollzugsanstalten Offenburg und Stuttgart Stammheim durchsucht. Demnach sitzen dort Anführer der "Osmanen Germania" in Untersuchungshaft.

Verbindung zur AKP?

Nach Einschätzung des nordrhein-westfälischen Innenministeriums steht die Rockergruppe in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Die Gruppierung vertrete türkisch-nationalistische und rechtsextremistische Positionen.

Neben internen Auseinandersetzungen gab es in der Vergangenheit auch immer wieder gewalttätige Konflikte mit anderen Rockergruppen, unter anderen mit der inzwischen aufgelösten Gruppierung Bahoz mit ihren überwiegend kurdischstämmigen Mitgliedern. Bereits in der Vergangenheit waren deutsche Behörden wiederholt mit Razzien und Festnahmen gegen die Gruppierung vorgegangen. Im vergangenen Dezember erhob die Staatsanwaltschaft Stuttgart Anklage gegen acht mutmaßliche Mitglieder wegen versuchten Mordes und versuchten Totschlags.

Über dieses Thema berichteten am 13. März 2018 Deutschlandfunk um 09:00 Uhr in den Nachrichten und tagesschau24 um 10:00 Uhr.

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