Organspenden: Weniger Transplantationszentren, mehr Kontrolle?

Eine Box mit einem menschlichen Organ.

Konsequenz aus Skandalen

Ruf nach weniger Transplantationszentren

Der Chef der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, hat die Schließung von Transplantationszentren gefordert, um einen Kampf um Spenderorgane zu vermeiden. Noch in diesem Jahr sollte die Hälfte der Zentren schließen, um schädlichen Wettbewerb zwischen den Einrichtungen zu vermeiden, sagte Brysch der "Bild"-Zeitung. Organspende brauche "Offenheit und Vertrauen statt Profit und Eitelkeit".

Unterstützung für seinen Vorschlag erhielt der Patientenschützer von der Bundesärztekammer. "Wir wollen, dass es auf Dauer weniger Transplantations-Zentren gibt, also lieber wenige Große, statt vieler Kleiner", sagte Ärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery der Zeitung. "Das macht eine ständige Überprüfung einfacher und sorgt dafür, dass falsche ökonomische Anreize keine Rolle spielen."

Im ARD-Morgenmagazin warb Montgomery um das Vertrauen in die Transplantationsmedizin, diese sei so sicher wie nie zuvor. Das würden auch die jetzt aufgedeckten Vorfälle in Leipzig zeigen: "Unsere Kontrollmechanismen entdecken die Probleme, wir finden die Schummeleien." Seit der Einführung neuer Regelungen 2012 sei die Hemmschwelle zu manipulieren stark gestiegen.

Die für die Manipulationen verantwortlichen Ärzte griff Montgomery scharf an: "Diese Ärzte, die das gemacht haben, bringen ja Menschen auf den Wartelisten um, weil die jetzt sterben müssen, da sie keine Leber bekommen."

Ärztekammerpräsident F. Montgomery zum Organspendeskandal
ARD-Morgenmagazin 08:00 Uhr, 03.01.2013

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Derzeit gibt es 47 Transplantationszentren in Deutschland. Im vergangenen August war ihre Kontrolle vereinbart worden. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bislang zehn Zentren überprüft. In drei Fällen seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden, denen nun weiter nachgegangen werde. Die Ministeriumssprecherin betonte: "Das sind Einzelfälle, und das betrifft nicht das Gesamtsystem."

Unabhängige Kommission gefordert

Die Prüfung der Transplantationszentren findet unter dem Dach der Bundesärztekammer statt - ebenfalls Anlass für Kritik. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert eine unabhängige Kommission aus Ärzten, Ethikern und Juristen einzurichten. Die Kommission solle im Gesundheitsministerium angesiedelt werden, die unabhängigen Experten dürften nicht am Transplantationssystem beteiligt sein und damit Geld verdienen, verlangte Stiftungsvorstand Brysch.

Auch die Linkspartei tritt für eine öffentliche Kontrolle des Transplantationssystems ein. "Richtlinienkompetenz, Koordination und Überwachung gehören in öffentliche Hände", sagte Kathrin Vogler, stellvertretende Vorsitzende im Gesundheitsausschuss des Bundestags.

Das Gesundheitsministerium sieht hingegen keinen Handlungsbedarf. Die Prüfungskommission arbeite unabhängig.

Zuvor war aber auch aus der Union Forderungen nach einem stärkeren Einfluss des Staates laut geworden. Trotz der ärztlichen Selbstverwaltung müsse etwa die Pflicht zum Mehraugen-Prinzip bei Organtransplantationen Gesetzescharakter bekommen, sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU). Zudem müssten mehr Sanktionen gegen Mediziner möglich werden. Die Zusammenarbeit zwischen der Selbstverwaltung und den staatlichen Kontrollstellen müsse verbessert werden.

Stand: 03.01.2013 10:45 Uhr

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