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Neues Organspendegesetz in Kraft
Spenderausweis kommt per Post
Ab heute gilt das neue Transplantationsgesetz. Die Deutschen sollen sich für oder gegen eine Organspende entscheiden - die Entscheidung ist aber freiwillig. Die Regierung will mit Informationen die Spendenbereitschaft erhöhen. Nach den jüngsten Skandale hatte es einen Rückgang gegeben.
Von Angela Tesch, MDR, ARD-Hauptstadtstudio
Seit Jahren gibt es Kampagnen, Prominente werben für Organspenden. Nun also Infopost von der Krankenkasse an alle Versicherten, die älter als 16 Jahre sind. Dem Aufklärungsmaterial liegt auch ein Spenderausweis bei.
Als erstes werden die sieben Millionen Versicherten der Techniker Krankenkasse Post bekommen, die anderen Kassen folgen - teilweise aber erst im kommenden Jahr. Das Gesetz räumt den Kassen eine Frist von zwölf Monaten ein. Danach sollen die Versicherten im Abstand von zwei Jahren erneut angeschrieben werden.
Transplantationsgesetz in Kraft: Bald Post von der Krankenkasse
A. Tesch, ARD Berlin
01.11.2012 02:29 Uhr
Am Familientisch oder ganz für sich allein soll jeder abwägen und entscheiden, ob er nach seinem Tod Organe oder Gewebe spenden will. Niemand soll sich gezwungen oder bedrängt fühlen, versichert Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr immer wieder. Er setzt auf die Kraft überzeugender Argumente.
Außerdem würde die Festlegung pro oder contra Organspende die Angehörige in einer eh schon schwierigen und traurigen Situation entlasten.
12.000 Patienten warten auf ein Organ
Der Bundesgesundheitsminister hat wie jeder fünften Deutsche einen Spenderausweis - zu wenige angesichts von 12.000 Kranken in Deutschland, die auf ein Herz, eine Niere oder Leber warten. Drei von ihnen sterben täglich, weil es kein passendes Organ gibt.
Im Bundestag war jahrelang diskutiert worden, wie sich die Spendenbereitschaft erhöhen lässt. Da gibt es die in einigen anderen europäischen Ländern übliche Widerspruchslösung, bei der nach dem Tod generell transplantiert wird, außer man widerspricht zu Lebzeiten schriftlich. Das hat zum Beispiel in Spanien zu einem deutlichen Anstieg von Organspenden geführt.
Doch nicht nur die Kirchen hierzulande lehnen das aus moralischen und ethischen Gründen ab. Hinzu kommen Ängste, die eine Studie der Berthelsmann-Stiftung aus dem vergangenen Jahr belegt hat.
Diese Bedenken würden mit dem geänderten Transplantationsgesetz nicht augeräumt, kritisiert Eugen Brysch von der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung. Strittige Themen, wie die Kriterien für den Hirntod, die gerechte Verteilung von Organen sowie die rechtsstaatliche Kontrolle, blieben außen vor.
Start der Info-Kampagne Organspende
nachtmagazin 01:38 Uhr, 01.11.2012, Christian Bernstein, NDR
Nur 60 Spenden im Oktober
Diese Fragen stellen sich erst recht nach den bekannt gewordenen Manipulationen an Patientenakten mit dem Ziel einer schnelleren Transplantation an Kliniken in Göttingen und Regensburg.
Die Skandale haben die Spendenbereitschaft noch weiter sinken lassen. Im Oktober - so informiert die Deutsche Stiftung für Organstransplantation - habe es nur 60 Organspenden gegeben. Üblich seien mehr als 100 pro Monat. Für den Chef des AOK-Bundesvorstandes, Jürgen Graalmann, ist es deshalb selbstverständlich, dass die Briefe an seine Versicherten die jüngsten Skandale aufgreifen. Gegen verlorenes Vertrauen und Verunsicherung helfe nur mehr Transparenz und wirksamere Kontrollen bei der Organvergabe.
Stand: 01.11.2012 03:18 Uhr
