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Krisentreffen zu Organspenden
Kontrollen, Strafen - und mehr Transparenz?
Ärzte und Kassen wollen Konsequenzen aus der Kritik an der Organvergabe ziehen. Auf einem Krisentreffen in Berlin wurde beschlossen, dass mehrere Mediziner eingeschaltet werden sollen, um Manipulationen bei den Spenderlisten zu verhindern. Die Ärzte wollen auch ein stärkeres Eingreifen des Staats verhindern.
Von Bettina Freitag, HR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin
30.000 Mal wurde in den letzten elf Jahren ein Herz, eine Niere oder ein anderes Organ verpflanzt, nur 20 Mal entdeckten die Prüfer dabei Fehler, Verstöße gegen die Transplantationsrichtlinie. Das ist für den Präsidenten der Bundesärztekammer ein Zeichen, dass das System an sich funktioniert.
Nach dem Skandal von Göttingen und Regensburg setzt sich Frank Ulrich Montgomery für schärfere Kontrollen ein - und zwar auch zufällig und ohne Anlass: "Wir möchten gerne, dass wir demnächst verdachtsunabhängige flächendeckende Kontrollen einführen können, also ohne konkrete, zum Beispiel durch einen anonymen Anruf ausgelöste Hinweise."
Organspende: Ärzte für schärfere Kontrollen und härtere Strafen
B. Freitag, ARD Berlin
09.08.2012 17:40 Uhr
Wie kommt das Vertrauen zurück?
Das soll das Vertrauen in die Organspende wiederherstellen. Die Ärzte wollen ihre Richtlinien verschärfen. Schon bei der Anmeldung eines Patienten für die Warteliste soll künftig mehr als ein Arzt alleine zuständig sein. Ebenso Pflicht: Die Kliniken müssen eine Transplantationskonferenz einrichten, in der Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen den Fall eines potenziellen Organempfängers begutachten. Eine wichtige Rolle könnten auch die Labormediziner spielen: Durch ihre Computer laufen alle Werte und Daten, die bei der Anmeldung für die Organwarteliste weitergegeben werden.
Das schlägt der Vorsitzende der Ärztekammer-Prüfkommission, Hans Lilie, vor, um Fälschungen zu entlarven. "So ist es nämlich in Göttingen gewesen, wenn man sich dort in Nachhinein den Verlauf über eine längere Zeit anschaut, sieht man: An einer Stelle geht ein Datum hoch und das ist medizinisch eigentlich niemals zu erklären gewesen."
Einigkeit über mehr Transparenz
Ärzte und Kliniken bekommen dabei Unterstützung der Krankenkassen. Wenn mehr Kontrollen nötig seien, solle es am Geld nicht scheitern, sagt Johann Magnus von Stackelberg vom Spitzenverband der Krankenkassen. Und er setzt auf mehr Öffentlichkeit.
In regelmäßigen Berichten soll über die Lage der Organvermittlung informiert werden: "Einigkeit besteht, dass hier kein closed shop der Informationen entstehen soll, sondern Transparenz weiter ausgebaut werden soll."
Ärzte und Krankenkassen wollen Vertrauen zu Patienten wieder aufbauen
nachtmagazin 0:00 Uhr, 10.08.2012, Michael Schon, ARD Berlin
Ärzte wehren sich gegen Kompetenzverlust
Die Ärzte stehen in der Kritik. Schon gibt es Forderungen, der Selbstverwaltung die Verantwortung für die Organspende abzunehmen und ein staatliches System der Verteilung aufzubauen. Ärztepräsident Montgomery hält das für keine Lösung, aber schlägt mehr Zusammenarbeit mit den Behörden vor.
Auch die Politik werde nie ohne den Sachverstand der "sachnäheren" Selbstverwaltung auskommen, meint er: "Wir müssen zusammenarbeiten, denn da wo wir zwar fachlich und sachlich ermitteln können, brauchen wir gleichwohl die - ich nenne sie mal polizeiähnliche - Kompetenz auch staatlicher Organe, um schneller zu Ergebnissen unserer Ermittlungen zu kommen und vor allem, um klarzustellen, dass diese auch Folgen haben." Diese Folgen könnten Strafen sein - im Extremfall der Entzug der Approbation oder die Schließung von Transplantationszentren.
Stand: 09.08.2012 18:09 Uhr
