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Krisentreffen zu Organspenden
Mediziner wollen Vertrauen zügig wieder herstellen
Nach dem Organspende-Skandal hat die Ärzteschaft zugesagt, die Vergabe von Organen effizienter kontrollieren zu wollen und transparenter zu gestalten. Das Vertrauen in die Transplantationsmedizin und die Organspende müsse schnellstmöglich wieder hergestellt werden, sagte der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery nach einem Spitzentreffen mit Vertretern von Kliniken und Krankenkassen.
Unter anderem soll das sogenannte Mehraugenprinzip bei der Aufnahme von Patienten auf Wartelisten und der Organzuteilung im Herbst eingeführt werden. Statt wie bisher nur ein Arzt zeichnen dann künftig mehrere Mediziner die Daten eines potenziellen Organempfängers gegen, um Missbrauch zu verhindern. Dazu sollten laut Montgomery "Transplantationskonferenzen" eingerichtet werden.
Bei "nachgewiesenem schweren ärztlichen Fehlverhalten" sollten die zuständigen Institutionen prüfen, ob dem betroffenen Mediziner die Approbation möglicherweise entzogen werde und dies gegebenenfalls anordnen.
"Beschleunigtes Verfahren" soll bleiben
Im Zuge der Berichterstattung über mögliche Manipulationen von Patientendaten an den Kliniken in Göttingen und Regensburg war auch das sogenannte beschleunigte Verfahren bei der Organvergabe in die Kritik geraten. Dieses legale Verfahren ermöglicht es den Klinikärzten, in Sonderfällen bestimmte Organe an selbst ausgewählte Patienten zu transplantieren. Der Ärztepräsident will am beschleunigten Verfahren festhalten, es aber einer "kritischen Analyse" unterziehen.
Der Vorsitzende der Ständigen Kommission Organtransplantation der Ärzte, Hans Lilie, sagte, von den 30.000 Organempfängern seit Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes Ende der 1990er-Jahre habe es nur in 20 Fällen einen Verdacht auf Fehlverhalten gegeben, der an die Behörden gemeldet worden sei.
Ärzteschaft kündigt Konsequenzen an
tagesschau 16:00 Uhr, 09.08.2012, Michael Schon, ARD Berlin
Bahr fordert harte Strafen
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, mit dem die Bundesärztekammer kommende Woche über das Thema berät, fordert im Spendeskandal harte Strafen. "Die Gesetze in Deutschland sind klar formuliert. Versuche, sie zu umgehen, müssen mit aller Härte bestraft werden", sagte Bahr der "Bild"-Zeitung. "Die Regeln von Bundesärztekammer, Eurotransplant und der Stiftung Organtransplantation sind klar. Künftig muss aber verhindert werden, dass Ärzte manipulieren können."
Die Justiz ermittelt in Göttingen und Regensburg, ob im Zusammenhang mit Transplantationen Akten manipuliert und so bestimmten Patienten bevorzugt Spenderorgane verschafft wurden. Bahr kündigte für die Zeit nach der politischen Sommerpause einen Runden Tisch zur Organspende an. Er werde alle Parteien einladen, um gemeinsam über Konsequenzen zu beraten und das Vertrauen zurückzugewinnen.
Stand: 09.08.2012 14:00 Uhr
