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Organspende-Skandal
Vorwürfe gegen Mediziner seit 2006 bekannt
Im Organspende-Skandal an der Universitätsklinik Regensburg sind weitere Einzelheiten bekannt geworden. Die Bundesärztekammer hat offenbar bereits im Jahr 2006 Verstöße gegen das Transplantationsgesetz durch den seit Tagen unter Verdacht stehenden Oberarzt festgestellt. Das geht aus dem Bericht der zuständigen Prüfungskommission hervor, der dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.
Hintergrund ist die umstrittene Zusammenarbeit der Uni-Klinik Regensburg mit einem Krankenhaus in der jordanischen Hauptstadt Amman in den Jahren 2004 und 2005. Verbotenerweise sollen zwei Regensburger Ärzte - unter anderem der Oberarzt, der später an die Uniklinik Göttingen wechselte und dort Krankenakten manipuliert haben soll - vier ihrer jordanischen Patienten auf die Regensburger Warteliste für ein Spenderorgan gesetzt haben, obwohl diese darauf keinen Anspruch hatten.
Insgesamt nahmen die beiden Mediziner in Jordanien sieben Leber-Lebendspende-Transplantationen vor. Bei einer von ihnen traten bei der Empfängerin der Leber Komplikationen auf. Daraufhin sollte der Frau - vermittelt über die Regensburger Warteliste - eine neue Leber eines Verstorbenen aus Wien verpflanzt werden.
Nach Organspende-Skandal: Ärztekammer-Präsident fordert Konsequenzen
03.08.2012
Die Frau starb später, vermutlich an den Folgen der missglückten Transplantation, wie die zuständige Prüfungskommission der Bundesärztekammer in ihrem Bericht aus dem Jahr 2006 festhält. Erst der Tod der Frau brachte die Vorgänge an der Klinik in Amman ans Tageslicht.
Bedingungen in Jordanien offenbar nicht ausreichend überprüft
In dem Bericht erhebt die Bundesärztekammer - bereits 2006 - schwere Vorwürfe: Die Regensburger Ärzte überprüften demnach nicht ausreichend die medizinischen und personellen Bedingungen der jordanischen Klinik. Hinzu kommt, dass sich die beiden Mediziner jeweils auf die Entnahme und die Übertragung der Leber beschränkten. Die Nachbehandlung auf der Intensivstation erfolgte durch Ärzte vor Ort. Auch im Fall der gestorbenen Patientin waren die Regensburger Mediziner nicht mehr in Amman, als die Komplikationen auftraten.
Die Ärztekammer kommt zu folgendem Schluss: "Ein praktisch ausschließlich auf Lebend-Spendern beruhendes Leber-Transplantationsprogramm in einer jordanischen Privatklinik unter Mitwirkung von Ärzten deutscher Kliniken erscheint aus heutiger Sicht problematisch." Daraufhin informierte die Ärztekammer mehrere Behörden, unter anderem das bayerische Justizministerium und die Staatsanwaltschaft Regensburg.
"Wir haben gewarnt"
Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, erhob in der Tagesschau schwere Vorwürfe gegen die Behörden: "Wir haben den Fall von Regensburg aufgearbeitet. Wir haben gewarnt. Staatliche Institutionen haben keine Konsequenzen gezogen. Das nenne ich Versagen."
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr will am 27. August mit Vertretern des Gesundheitswesens über mögliche Konsequenzen aus dem Skandal um Organspenden sprechen. Eingeladen seien Vertreter der Ärzteschaft, der Krankenhäuser und Krankenkassen sowie Transplantationsexperten, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.
Stand: 03.08.2012 22:30 Uhr
