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Nach Organspende-Skandal in Göttingen
Ruf nach strengen Kontrollen und harten Strafen
Der Skandal um Spenderorgane an der Göttinger Universitätsklinik hat für Entsetzen gesorgt. Während auf der einen Seite von einem "krassen Einzelfall" die Rede ist, werden auf der anderen Seite neue Kontrollmechanismen gefordert.
"Wenn die Vorwürfe zutreffen, dann müssen die Gerichte die Verantwortlichen sehr hart und abschreckend bestrafen", sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach den Zeitungen der WAZ-Gruppe. Er sprach von einem "krassen Einzelfall". "Hier haben weder die Ärztekammer noch die Göttinger Uniklinik versagt."
"Das Vier-Augenprinzip erscheint mir in diesem hochsensiblen Bereich nötig", sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Aygül Özkan. Sie forderte bessere Kontrollmechanismen bei der Vermittlung von Spenderorganen.
Oberarzt hat offenbar Krankenakten gefälscht
tagesthemen 21:45 Uhr, 20.07.2012, Jörg Ihßen, NDR
Zusätzliche Kontrollinstanz gefordert
Auch der Chef der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer, Hans Lilie, sprach sich für eine zusätzliche Kontrollinstanz aus. "Bei dem Skandal in Göttingen wurden offenbar Laborwerte verfälscht. Daher verfolge ich die Idee, dass ein Laborarzt die Daten, die Eurotransplant geschickt werden, noch einmal prüfen sollte", sagte er der Zeitung "Die Welt". Dieser Arzt solle "ein Zeuge für die Richtigkeit der Daten" sein und "käme selbstverständlich nicht aus dem Umfeld des zuständigen Transplantationsmediziners."
Gestern hatte ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erklärt, es sei nicht nur gesetzeswidrig, "sondern höchst respektlos und ethisch in höchstem Maße verwerflich, wenn Organe nicht nach medizinischer Dringlichkeit transplantiert" würden.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsse dies Konsequenzen haben. Die Bereitschaft zur Organspende werde durch solche Vorgänge erschüttert, sagte der Sprecher. Deswegen sei eine "schonungslose Aufklärung" wichtig. Es sei gut, dass die zuständige Staatsanwaltschaft nun ermittle.
Manipulierte Daten in mindestens 25 Fällen
Ein ehemaliger Oberarzt soll im großen Stil Akten gefälscht und die eigenen Patienten beim Empfang von Spenderlebern bevorzugt haben. Der 45-Jährige soll in mindestens 25 Fällen Daten manipuliert haben. Der Krankheitszustand seiner Patienten soll dabei kritischer dargestellt worden sein, um die Chancen auf Spenderorgane zu verbessern. Die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Braunschweig ermittelt wegen Bestechlichkeit.
Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" könnten sich die Vorwürfe zum größten Betrugsfall in der Geschichte der deutschen Transplantationsmedizin ausweiten. Einem Krankenhaussprecher zufolge bestreitet der ehemalige Oberarzt alle Vorwürfe.
Stand: 21.07.2012 03:56 Uhr
