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Patientenakten vor Lebertransplantation manipuliert
Bahr fordert Konsequenzen aus Organ-Skandal
Der Skandal um Organtransplantationen im Uniklinikum Göttingen hat die Politik auf den Plan gerufen. Ein Sprecher von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erklärte, es sei nicht nur gesetzeswidrig, "sondern höchst respektlos und ethisch in höchstem Maße verwerflich, wenn Organe nicht nach medizinischer Dringlichkeit transplantiert" würden.
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsse dies Konsequenzen haben. Die Bereitschaft zur Organspende werde durch solche Vorgänge erschüttert, sagte der Sprecher. Deswegen sei eine "schonungslose Aufklärung" wichtig. Es sei gut, dass die zuständige Staatsanwaltschaft nun ermittle.
Kommentar: Organspende-Skandal mit fatalen Folgen
P. Mücke, ARD Berlin
20.07.2012 17:04 Uhr
Ehemaliger Oberarzt unter Verdacht
Zuvor hatte die Universitätsmedizin in Göttingen bestätigt, dass es neue Verdachtsfälle gibt. In mindestens 25 Fällen sollen Mediziner Patientenakten gefälscht haben, um ausgewählten Patienten eine Spenderleber zu verschaffen.
Demnach hat eine Untersuchung der Bundesärztekammer ergeben, dass ein im Juni in Verdacht geratener ehemaliger Oberarzt ausgewählten Patienten bevorzugt Spenderorgane übertragen hat. Er soll den Gesundheitszustand der betreffenen Personen gezielt schlechter dargestellt haben, damit diese im Vergabeverfahren durch Eurotransplant bevorzugt werden. Eurotransplant ist die Behörde, die die Vergabe der Organe vermittelt.
Hohes Schmiergeld für neue Leber?
Im Juni waren Vorwürfe laut geworden, dass der mittlerweile suspendierte Oberarzt 2011 einen russischen Patienten gegen eine hohe Geldzahlung bei einer Lebertransplantation bevorzugt habe. Der Mediziner bestreitet die Vorwürfe. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen den Arzt sowie gegen den Patienten wegen Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung.
Die Klinik vermutet inzwischen, dass es sich aber nicht nur um einen einzelnen Täter handelt, sondern dass mehrere Personen an der Manipulation beteiligt waren. Die Motive des oder der Täter sind noch ungewiss. Neben finanziellen Aspekten könnte auch ein überzogenes Helfermotiv eine Rolle gespielt haben, erklärte ein Kliniksprecher.
Die Krankenhausleitung sprach von einer "Katastrophe" für die Organtransplantation. Künftig soll bei Entscheidungen über Lebertransplantationen das Vier-Augen-Prinzip gelten, um solche Vorfälle zu vermeiden.
Oberarzt hat offenbar Krankenakten gefälscht
tagesthemen 21:45 Uhr, 20.07.2012, Jörg Ihßen, NDR
Stand: 20.07.2012 15:06 Uhr
