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Terroranschlag bei Olympia 1972
Behörden sollen Versagen vertuscht haben
Nach dem Münchner Olympia-Attentat mit 17 Toten vor 40 Jahren haben die Behörden nach Informationen des "Spiegels" ihr Versagen vertuschen wollen. Das belegten bislang geheime Berichte der Ermittlungsbehörden, Botschaftsdepeschen und Kabinettsprotokolle, die das Kanzleramt, das Bundesamt für Verfassungsschutz, der bayerische Verfassungsschutz sowie das Auswärtige Amt nun auf Antrag des Magazins freigegeben haben.
Laut "Spiegel" hatte bereits am 7. September 1972, einen Tag nach der Trauerfeier für die Opfer im Münchner Olympiastadion, ein Beamter des Auswärtigen Amts in einer Vorlage für eine Sondersitzung des Bundeskabinetts jene Linie vorgegeben, die fortan offenbar die Maxime der Regierungen in Bonn und München war: "Gegenseitige Beschuldigungen müssen vermieden werden. Auch keine Selbstkritik."
Jahresrückblick 1972 - Attentat überschattet Olympische Spiele
09.11.2010
Präzise Legende?
Bei dem Anschlag von palästinensischen Terroristen waren elf israelische Sportler, fünf Geiselnehmer und ein deutscher Polizist gestorben. Später sei dementsprechend in der offiziellen Dokumentation der beiden Regierungen davon die Rede gewesen, dass die Terroristen mit "Präzision" das Attentat ausgeführt hätten. Tatsächlich sei das Kommando des "Schwarzen Septembers" aber eher dilettantisch vorgegangen.
Die Gruppe habe Probleme gehabt, vor der Tat Hotelzimmer in München zu finden. Am Tag des Anschlags seien die Palästinenser zunächst an den Appartements der Israelis im olympischen Dorf vorbeigelaufen und in einer oberen Etagen auf Sportler aus Hongkong getroffen.
Meldungen übersehen, Unterlagen verschwuden
In der Dokumentation bleibt laut dem Blatt auch unerwähnt, dass es schon Wochen vor den Spielen Hinweise und Warnungen auf den Terrorakt gegeben habe. So meldete die deutsche Botschaft in Beirut am 14. August 1972, ein Vertrauensmann habe gehört, dass "von palästinensischer Seite während der Olympischen Spiele in München ein Zwischenfall inszeniert wird". Doch die Sicherheitsbehörden registrierten nicht einmal, was wenige Tage vor dem Attentat in einer italienischen Illustrierten zu lesen war: Das Blatt berichtete, Terroristen planten "eine aufsehenerregende Tat bei den Olympischen Spielen".
Verschwunden sind laut "Spiegel" auch die Aufzeichnungen eines Polizeipsychologen, der beim Erstellen des Sicherheitskonzepts für die Spiele auch einen Überfall eines palästinensischen Terrorkommandos auf das Olympiadorf skizziert hatte. Wenige Tage nach der Katastrophe habe ein Polizist dieses und die anderen 25 ausgearbeiteten Krisenszenarien des Münchner Psychologen beschlagnahmt. Die Unterlagen seien bis heute unauffindbar.
IOC lehnt Schweigeminute für Opfer ab
Die Angehörigen der Opfer forderten in den vergangenen Monaten eine Gedenkminute für die Todesopfer von München bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London - doch das Internationale Olympische Komitee (IOC) weist dieses Anliegen kategorisch zurück. Die Zeremonie am Freitag im Londoner Olympiastadion sei "nicht der geeignete Anlass für ein Gedenken dieser tragischen Tat", begründete IOC-Präsident Jacques Rogge.
Unterstützung erhielten die Angehörigen von Politikern aus aller Welt; US-Präsident Barack Obama forderte eine Schweigeminute, ebenso das kanadische Parlament, Australiens Premierministerin Julia Gillard und britische Parlamentarier. Außenminister Guido Westerwelle schrieb Rogge, ein Moment des Innehaltens zu einem passenden Zeitpunkt wäre eine menschliche Geste und ein würdevolles Zeichen dafür, dass Gewalt und Terror in der olympischen Idee keinen Platz haben.
Stand: 22.07.2012 17:49 Uhr
