Ilkay Gündogan, Mesut Özil, Recep Tayyip Erdogan und  Cenk Tosun | Bildquelle: TURKISH PRESIDENTAL PRESS OFFICE

Özil und Gündogan Auch Merkel kritisiert Erdogan-Treffen

Stand: 15.05.2018 16:44 Uhr

Auch Kanzlerin Merkel hat sich kritisch zum Treffen Erdogan-Gündogan-Özil geäußert. Bundestrainer Löw sagte, es sei "keine glückliche Aktion" gewesen. Die Reaktion aus der Türkei fiel heftig aus.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich kritisch zu dem Treffen der beiden Fußball-Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan geäußert. Es sei eine Situation gewesen, "die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud" sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Als Nationalspieler hätten die beiden Vorbildfunktion.

Özil und Gündogan hatten dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan bei einem Termin in London Trikots ihrer Vereine überreicht. Von Erdogans Partei veröffentlichte Bilder dieses Treffen lösten den Vorwurf aus, die Spieler hätten Erdogan im Wahlkampf geholfen. Auf die Frage, ob dies auch die Kanzlerin so sehe, antwortete Seibert allerdings nicht. In der Türkei finden am 24. Juni eine Präsidentschaftswahl statt.

Ilkay Gündogan und Tayyip Erdogan | Bildquelle: REUTERS
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Auf Gündogans Manchester-City-Trikot stand: "Mit Respekt für meinen Präsidenten."

Özil überreicht Erdogan ein Trikot | Bildquelle: TURKISH PRESIDENTAL PRESS OFFICE
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Auch Mesut Özil überreichte Erdogan ein Trikot seines Vereins, des FC Arsenal.

Auf Gündogans Trikot mit der Nummer acht stand: "Mit Respekt für meinen Präsidenten." Er erklärte später, mit dem Auftritt sei keine politische Botschaft verbunden gewesen. "Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen." An dem Treffen nahm auch der in Wetzlar geborene türkische Nationalspieler Cenk Tosun teil.

Nationalspieler Emre Can lehnte laut "Welt" eine Einladung Erdogans zu dem Treffen in London ab. Der Liverpool-Profi hat ebenfalls türkische Wurzeln.

AK Parti @Akparti
Cumhurbaşkanımız Recep Tayyip Erdoğan, çeşitli temaslarda bulunmak üzere gittiği İngiltere'nin başkenti Londra'da Premier Lig'de oynayan Türk futbolcu Cenk Tosun, Türk asıllı futbolcu Mesut Özil ve Türk asıllı futbolcu İlkay Gündoğan'ı kabul etti. https://t.co/X3ZY8wwCsa

"Schiefe Verbeugung vor Erdogan"

Auch andere Bundespolitiker äußerten sich kritisch. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, warf den beiden Fußballern in der "Passauer Neuen Presse" eine "schiefe Verbeugung vor Herrn Erdogan" vor. Diese sei "das Gegenteil" der DFB-Kampagne "Wir sind Vielfalt", die für mehr Toleranz und Respekt werbe, sagte die CDU-Politikerin.

Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag, sagte: "Diese Fotos lassen viele Interpretationen zu, auch solche, die von Özil und Gündogan möglicherweise nicht beabsichtigt waren", sagte sie der "Berliner Zeitung". Weiter sagte die SPD-Politikerin: "Mitglieder unserer Nationalmannschaften müssen sich jedoch jederzeit über ihre Vorbildfunktion im Klaren sein." Derartige Aktionen passten "weder zu unserem Wertesystem noch zu den Grundwerten des Sports in unserem Land". 

"Präsident eines deutschen Nationalspielers heißt Steinmeier"

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir hatte bereits gestern gesagt: "Der Bundespräsident eines deutschen Nationalspielers heißt Frank-Walter Steinmeier, die Bundeskanzlerin Angela Merkel und das Parlament heißt Deutscher Bundestag."

Aus den Reihen der Grünen waren aber auch andere Töne zu hören. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth sagte bei NDR Info zwar, sie hätte sich sehr gewünscht, dass sich die Spieler nicht für einen Wahlkampf Erdogans einspannen ließen. Merkel aber habe vor zwei Jahren "de facto Wahlkampf für Herrn Erdogan" gemacht: "Wo ist eigentlich die große Empörung, dass sich Altkanzler Gerhard Schröder in der allerersten Reihe bei Putins Vereidigung befindet, dass Herr Seehofer eng mit dem ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban befreundet ist."

Kritik auch von Löw

Auch Bundestrainer Joachim Löw kritisierte die beiden Spieler. Man habe ihnen zu verstehen gegeben, dass dies "keine glückliche Aktion war", sagte Löw bei der Nominierung des vorläufigen Aufgebots für die Weltmeisterschaft, zu dem auch Özil und Gündogan gehören. "Wenn man für Deutschland spielt, vertritt man das Land und die deutschen Werte." Löw sagte aber auch: Beide Spieler hätten viel für die Integration in Deutschland getan. Bei Menschen mit Migrationshintergrund schlügen oft zwei Herzen in der Brust. Man werde im Trainingslager über das Thema reden. Löw ergänzte, er habe keine Sekunde darüber nachgedacht, die beiden Spieler nicht zu nominieren.

DFB-Präsident Reinhard Grindel twitterte, die Profis hätten sich für Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. "Der DFB respektiert und achtet selbstverständlich die besondere Situation unserer Spieler mit Migrationshintergrund. Aber der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdogan nicht hinreichend beachtet werden." Grindel sagte weiter, Menschen könnten Fehler machen: "Ich glaube, dass beide wissen, dass sie einen Fehler gemacht haben", sagte er. Einige Reaktionen schienen ihm übertrieben zu sein.

DFB-Teammanager Oliver Bierhoff kündigte eine Aussprache mit den Spielern an.

Türkischer Verband kritisiert DFB

Der türkische Fußballverband (TFF) wies die DFB-Kritik an dem Treffen als inakzeptabel zurück. Grindels "diffamierenden Aussagen" habe er mit tiefer Bestürzung zur Kenntnis genommen, sagte Verbandschef Yildirim Demirören: "Die Ansichten des DFB-Vorsitzenden sind in keinster Weise hinzunehmen." Demirören gilt als Gefolgsmann Erdogans. Er warf Grindel vor, "den Fußball in die Politik hineinzuziehen".

Demirören sagte weiter, es sei "ganz normal", dass die Spieler der Einladung Erdogans zu einem Treffen Folge geleistet hätten: "Dass unser Präsident, der ein ehemaliger Fußballer und ein passionierter Fußballliebhaber ist, viel dazu beigetragen hat, dass sich dieser Sport in der Türkei entwickelt, ist eine allseits gut bekannte Tatsache", sagte er.

Der TFF werde ihren Wettbewerb mit dem DFB um die Ausrichtung der EM 2024 "innerhalb der von der UEFA vorgegebenen Regeln" fortsetzen. Die Türkei ist einziger DFB-Konkurrent.

Politische Reaktionen auf das Treffen Özil und Gündogan mit Erdogan
Killian Pfeffer, ARD Berlin
14.05.2018 19:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Mai 2018 um 13:48 Uhr.

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