Screenshot eines Oettinger-Videos bei YouTube

"Schlitzauge" und "Home-Pflichtehe" Oettinger spricht von "saloppen Äußerungen"

Stand: 29.10.2016 19:24 Uhr

"Schlitzaugen", "Homo-Pflichtehe", "Populist light": In einer Rede vor Hamburger Unternehmern hatte der designierte EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger mächtig ausgeteilt - und bekam dafür mächtig Kritik. Nun sagt er: War alles nicht so gemeint.

Der designierte EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger weist angesichts des Sturms der Entrüstung wegen diskriminierender Äußerungen über eine chinesische Delegation den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit zurück: Dass er in einer Rede unter anderem das Wort "Schlitzauge" verwendet habe, sei nicht anstößig gemeint gewesen. "Das war eine etwas saloppe Äußerung, die in keinster Weise respektlos gegenüber China gemeint war", sagte er der "Welt".

In der Rede, die er vor Unternehmern in Hamburg hielt, habe er aufzeigen wollen, wie dynamisch die Welt "im digitalen Sektor, generell bei technologisch geprägten Sektoren" ist. "Und welche Herausforderung das enorme Tempo der Aufholjagd von Ländern wie China und Südkorea für uns darstellt. Und ich wollte in diesem Zusammenhang vor Selbstzufriedenheit warnen." Die Chinesen seien in dieser Hinsicht "clever": Wenn sie einen Technologievorsprung Europas nicht selbst aufholen könnten, dann kauften sie entsprechende Firmen. "Europäische Unternehmen stehen da umgekehrt in China vor größeren Hürden."

Oettinger hatte in der Rede vor der politischen Schwächung der EU gewarnt. Und gab Beispiele: "Letzte Woche waren die chinesischen Minister bei uns, zum Jahresgipfel 'China-EU'. Neun Männer, eine Partei. Keine Demokratie, keine Frauenquote, keine Frau - folgerichtig." Und er fügt hinzu: "Alle: Anzug, Einreiher dunkelblau, alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt."

Auch die Home-Ehe habe er nicht als solche angreifen wollen, sagte Oettinger, der von "Homo-Pflichtehe" gesprochen hatte. "Ich habe die Homo-Ehe in einer Liste von Themen, Initiativen und Debatten genannt, die in Deutschland die politische Tagesordnung bestimmen", erläuterte er. "Mir geht es darum, diese Liste an Themen zu ergänzen - insbesondere um das Thema Wettbewerbsfähigkeit." Man müsse seine Rede im Gesamtzusammenhang betrachten.

SPD: "Nicht als Kommissar geeignet"

SPD-Generalsekretärin Katarina Barley | Bildquelle: dpa
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SPD-Generalsekretärin Katarina Barley kritisiert EU-Kommissar Oettinger scharf.

Ob sich die scharfe Kritik dadurch besänftigen lässt scheint fraglich: SPD-Generalsekretärin Katarina Barley zumindest stellte schon einmal Oettingers Eignung als EU-Haushaltskommissar in Frage: "Jemand, der offene rassistische und homophobe Ressentiments bedient, disqualifiziert sich für politische Spitzenposten", sagte sie "Spiegel Online". Oettinger müsse dringend sein Weltbild überprüfen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2016 um 20:00 Uhr.

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