Studentinnen nehmen an einer Vorlesung teil | Bildquelle: picture alliance / dpa

OECD zu Bildung in Deutschland Spitzenreiter, aber ...

Stand: 12.09.2017 14:49 Uhr

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich in Sachen Bildung? Bei Technikberufen an der Spitze, so eine neue OECD-Studie. Bei anderen Punkten fällt das Zeugnis für Deutschland schlechter aus - was aber immer nicht nur negativ zu deuten ist.

Deutschland hat unter allen Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) den höchsten Anteil der jungen Hochschulabsolventen in den sogenannten MINT-Studienfächern: 37 Prozent der deutschen Absolventen machen ihren Abschluss in Fächern wie Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

Damit steht Deutschland nicht nur besser da als seine europäischen Nachbarländer, sondern auch als andere hoch entwickelte Staaten wie die USA, Japan, Israel oder Australien. Das ergibt die Studie "Bildung auf einen Blick", die jährlich im Auftrag der OECD die Bildungssysteme in den 34 Mitgliedsstaaten und Parnerländern vergleicht.

OECD-Bericht bemängelt ungleiche Bildungschancen
Nachtmagazin 00:30 Uhr, 13.09.2017, Mariam Noori, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Nachholbedarf beim Frauenanteil

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka bei einer Pressekonferenz im Septemer 2016. | Bildquelle: dpa
galerie

Deutschland dürfe und könne nicht auf das Potenzial der jungen Frauen verzichten, so Wanka.

Nachholbedarf hat Deutschland laut der Studie allerdings immer noch, was den Frauenanteil bei den "MINT-Fächern" angeht, denn der liegt nur bei 28 Prozent. In Deutschland sei ein stärkerer Einfluss des Geschlechts auf die Wahl des Studienfachs zu beobachten als in anderen OECD-Ländern, kritisiert die Studie. Der Durchschnitt liege OECD-weit bei 30 Prozent.

Dieses Manko sieht auch Bundesbildungsministerin Johanna Wanka. Deutschland dürfe und könne nicht auf das Potenzial der jungen Frauen verzichten, sagte sie bei der Vorstellung des OECD-Berichts. "Insbesondere in der beruflichen Bildung müssen wir die Möglichkeiten technischer Berufe jungen Frauen näher bringen".

MINT-Berufe anders vermitteln

Dieses Näherbringen könne aber nicht auf die Zeit der Berufswahl beschränkt bleiben, sagt Corinna Bath, Professorin für Gender und Technik an der TU Braunschweig. Studien zeigten eindeutig, dass Mädchen und Jungen zunächst gleiches Interesse und Fähigkeiten an und in den MINT-Fächern hätten. "Doch sobald die Geschlechterollen in der Pubertät immer wichtiger werden, orientieren sich Mädchen mehr in Richtung Geisteswissenschaften und Sprachen und Jungs in Richtung Naturwissenschaft und Technik", so Bath im Gespräch mit tagesschau.de. Das Umdenken müsse also schon in der Familie und in den Schulen passieren.

Oft zeigten junge Frauen auch kein Interesse an MINT-Fächern, weil sie ein falsches Bild von dem Beruf haben, der dahinter steht, sagt Barth. Der Stereotyp bei Informatikern sei zu Beispiel, dass sie den ganzen Tag hinter dem Bildschirm sitzen und wenig mit Menschen zu tun haben. Kommunikationsfreudige Frauen hätten darauf keine Lust. Dabei sei gerade die Softwareentwicklung viel mit Kundenkontakt und Teamarbeit verbunden, so die gelernte Informatikerin Bath. Das müsse bei der Berufswahl stärker vermittelt werden.

Wenig durchlässig

Doch der Frauenanteil in den MINT-Fächer scheint nur ein Dauerproblem zu sein, das Deutschland schlecht in den Begriff bekommt. Auch bei der Durchlässigkeit des Bildungssystems zwischen den sozialen Schichten hapert es laut der OECD-Studie weiterhin. Noch immer gilt: Kinder aus Arbeiterfamilien studieren selten. Der Anteil der Hochschulabsolventen, deren Eltern nicht über einen Hochschulabschluss verfügen, habe sich in Deutschland - anders als im OECD-Durchschnitt - über die Generationen nicht verbessert, stellt der Bericht fest. Bei den 45-59-Jährigen sei er genauso groß wie bei den 30-44-Jährigen - und das, obwohl Bildung in Deutschland zum Großteil staatlich finanziert ist.

Studierende in einem Hörsaal
galerie

Noch immer gilt: Kinder aus Arbeiterfamilien studieren selten.

Die Zahlen seien aber nicht nur negativ zu deuten, heißt es in der Studie. Die niedrige Mobilität zwischen den Schichten sei zum Teil auch auf das erfolgreiche deutsche Berufsbildungssystem zurückzuführen, das eine solide Alternative zum Studium böte. Bildungsministerin Wanka kündigte an, dass die Bundesregierung die berufliche Bildung weiter modernisieren werde. Diese schaffe ebenso wie die akademische Bildung verlässlich individuelle Chancen und Lebensperspektiven.

Bildungsausgaben halten nicht Schritt

Die Zahl der Schüler in Deutschland ist aufgrund des demographischen Wandels zurückgegangen, um sechs Prozent zwischen 2010 und 2014. Die Bildungsausgaben in Deutschland spiegeln das laut der Studie aber nicht wider. Sie sind im gleichen Zeitraum nur um zwei Prozent gesunken.

In den Hochschulen ist das Bild umgekehrt. Die Zahl der Studienanfänger in Deutschland ist gestiegen, zwischen 2010 und 2014 um 23 Prozent. Das sei der höchste Anstieg in allen verglichenen Ländern, heißt es in der Studie. Die Ausgaben für den Hochschulbereich haben damit allerdings nicht Schritt gehalten. Sie stiegen im gleichen Zeitraum nur um neun Prozent.

Lehrer werden in Deutschland wettbewerbsfähig bezahlt

Ein Lehrer schreibt in einem Klassenzimmer an die Tafel. | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Lehrer werden in Deutschland wettbewerbsfähig bezahlt.

Gute Nachrichten gibt es aus dem Bereich der Lehrerschaft. Laut der Studie werden Lehrer in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern wettbewerbsfähig bezahlt. 2015 verdienten Lehrkräfte im Sekundarbereich I in etwa genauso viel wie andere Beschäftigte mit Hochschulabschluss, im Sekundarbereich II sogar teilweise mehr. Eine Ausnahme sind allerdings die Grundschullehrer. Sie verdienten sechs Prozent weniger als andere Beschäftigte mit vergleichbarem Bildungsabschluss. Dadurch werde die Wettbewerbsfähigkeit des Lehrerberufs auf dieser Stufe verringert.

Insgesamt hat sich die Lehrerschaft in Deutschland leicht verjüngt. In den vergangenen zehn Jahren ist der Anteil der Lehrkräfte, die mindestens 50 Jahre alt sind, im Primar- sowie im Sekundarbereich I und II um jeweils sieben Prozentpunkte gesunken. Dennoch sind die Lehrer im OECD-Vergleich nur in Italien älter als in Deutschland.

OECD-Studie: Deutschland liegt bei MINT-Fächern vorne - Bildung auf gutem Weg
D. Pepping, ARD Berlin
12.09.2017 13:56 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. September 2017 um 12:38 Uhr. Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. September 2017 um 17:00 Uhr.

Darstellung: