Studenten in einem Hörsaal | Bildquelle: picture alliance / dpa

OECD-Bildungsstudie zu Deutschland Weiter kaum Aufstiegschancen

Stand: 09.09.2014 16:12 Uhr

In Deutschland erreichen einem OECD-Bericht zufolge noch immer vergleichsweise wenige Menschen einen Abschluss an Hoch- und Fachhochschulen oder als Meister. Es hätten zwar mittlerweile so viele junge Leute wie noch nie einen sogenannten tertiären Abschluss, dennoch wachse der Anteil an Hochgebildeten in kaum einem anderen Land so langsam wie hierzulande, erklärte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Berlin.

Vor allem im Bereich der höheren Bildung sieht der Bericht "Bildung auf einen Blick" weiter Defizite: So haben in Deutschland nur 28 Prozent der 25- bis 64-Jährigen einen Tertiärabschluss - also ein abgeschlossenes Studium oder einen Meister, im OECD-Durchschnitt sind es dagegen 33 Prozent. Allerdings erfordern in vielen Ländern auch Tätigkeiten ein Studium, die in Deutschland traditionell Ausbildungsberufe sind.

Für die duale Berufsausbildung gab es dann auch Lob von der OECD: Das deutsche Bildungssystem sei gut an die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes angepasst. So hätten in Deutschland 86 Prozent der Erwachsenen Abitur oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Im OECD-Schnitt sind es nur 75 Prozent. Untersucht wurde für den Bericht die Lage in mehr als 30 Industrieländern.

Bildungslevel wächst nicht von Generation zu Generation

In fast allen Ländern hätten zudem die 25- bis 34-Jährigen einen weit höheren Anteil an formal hochgebildeten Menschen als die 55- bis 64-Jährigen. Im OECD-Durchschnitt liege der Unterschied zwischen Jüngeren und Älteren bei 15 Prozentpunkten. Deutschland sei neben Israel und den USA eines von nur drei Ländern, bei denen im Laufe einer Generation kein wesentlicher Zuwachs zu erkennen sei.

Bevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss
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Bevölkerungsanteil mit Hochschulabschluss

Hochqualifizierte verdienen 74 Prozent mehr

Das Bildungsniveau hat auch einen starken Einfluss auf das Einkommen. Dabei ist die Einkommenskluft zwischen Akademikern und ausschließlich beruflich ausgebildeten Fachkräften in den vergangenen Jahren weltweit erheblich gewachsen - besonders drastisch aber in Deutschland. Im Jahr 2012 verdienten dem Bericht zufolge in Deutschland Hochqualifizierte 74 Prozent mehr als Erwerbstätige, die nach der Schule weder zur Universität noch zur Fachhochschule oder in einen Meisterkurs gegangen seien. Im Jahr 2000 habe dieser Vorsprung lediglich 45 Prozent betragen. Im Schnitt der anderen Industrienationen beträgt der Lohnvorteil von Studierten 59 Prozent.

Bildungserfolg hängt von der Herkunft ab

Auch die Aufstiegsmöglichkeiten sind in Deutschland im internationalen Vergleich schlecht: Mehr als die Hälfte (58 Prozent) aller Erwachsenen zwischen 25 und 64 Jahren hat der Untersuchung zufolge den gleichen formalen Bildungsabschluss wie ihre Eltern, nur knapp ein Viertel (24 Prozent) ist besser ausgebildet. 18 Prozent bleiben demnach sogar hinter den Qualifikationen ihrer Eltern zurück. Unter den jungen Erwachsenen bis 34 Jahren haben sogar 24 Prozent einen niedrigeren Abschluss, lediglich 19 Prozent sind höher gebildet als ihre Eltern.

Die OECD verweist darauf, dass in Deutschland der Bildungserfolg eines jungen Menschen nach wie vor eng an seine soziale Herkunft gekoppelt ist, so stark wie in kaum einem anderen Industriestaat. "Gerade für Schüler aus sozial schwachen Familien bleibt das Versprechen Aufstieg durch Bildung häufig in weiter Ferne", kritisierte der Leiter der deutschen OECD-Büros, Heino von Meyer.

In Deutschland habe der Bildungsaufschwung bislang nur bedingt zu einer besseren sozialen und ökonomischen Teilhabe bildungsferner Schichten beigetragen. Gerade der internationale Vergleich mache klar, "dass es anderen Ländern besser gelingt, das Bildungsniveau ihrer Bevölkerung über alle Gruppen hinweg zu heben".

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