Rettungs- und Bergungskräfte an der Unfallstelle auf der A9 bei Münchberg. | Bildquelle: AFP

Buskatastrophe auf A9 Experten uneins über Ursachen

Stand: 04.07.2017 15:14 Uhr

Zwei Fragen stehen nach dem verheerenden Unfall auf der A9 mit 18 Toten im Zentrum der Ermittlungen: Warum ist der Bus auf den Lkw aufgefahren? Und warum geriet er so rasend schnell in Brand? Experten stellen sehr unterschiedliche Szenarien auf.

Einen Tag nach dem schweren Busunglück auf der A9 bei Münchberg rätseln Behörden und Experten, warum der Unfall so schwer verlaufen ist. Dabei gehen die Meinungen sehr auseinander. Der Bus war an einem Stauende auf einen Lkw aufgefahren und anschließend innerhalb kürzester Zeit in Flammen aufgegangen. 18 Menschen starben, 30 Menschen wurden teils schwer verletzt. Nun stehen zwei Fragen im Zentrum der Ermittlungen: Warum ist der Bus auf den Lkw aufgefahren? Und warum geriet der Bus so schnell in Brand?

Mit Blick auf die erste Frage - den Auffahrunfall - ist noch völlig unklar, ob der Fahrer einen Fehler gemacht hat, der Bus einen technischen Defekt hatte oder der Lkw-Fahrer durch rasches Bremsen oder kurzfristigen Spurwechsel möglicherweise den Bus geschnitten hat. Bislang wird jedoch nur gegen den beim Unfall gestorbenen Busfahrer ermittelt. Er allein stehe als möglicher Verursacher im Fokus der Fahnder, gegen andere Personen werde nicht ermittelt, teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof mit. Geklärt werde auch, ob ein technischer Defekt eine Rolle gespielt haben könnte. Auch der der Firmensitz des Busunternehmens in Sachsen wurde durchsucht.

Ein Forensiker bei der Untersuchung des ausgebrannten Busses. | Bildquelle: AFP
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Ein Forensiker bei der Untersuchung des ausgebrannten Busses.

Diskussion über Notbrems-Systeme

Unabhängig davon wird über den flächendeckenden Einsatz von Notbrems-Assistenten in Bussen diskutiert. Diese Systeme erkennen durch Kameras und Radarsensoren Hindernisse auf der Fahrbahn, warnen den Fahrer mit Warnlicht und Warnton und bremsen automatisch, wenn der Fahrer nicht reagiert. Damit lässt sich ein Aufprall zumindest abmildern, bei den modernsten Notbrems-Assistenten im Idealfall auch ganz verhindern. Für neu zugelassene Busse sind Notbrems-Assistenten schon seit 2015 vorgeschrieben. Bis November 2018 müssen auch ältere Busse damit nachgerüstet werden.

Hat der Bus schon vorher gebrannt?

Bei der zweiten Frage - warum der Bus so schnell in Flammen aufging - gehen die Expertenmeinungen stark auseinander. Der Leiter der Unfallforschung der Versicherer, Siegfried Brockmann, glaubt nach der Sichtung des Bildmaterials von der Unfallstelle, dass der Motorraum des Busses schon vor dem Aufprall gebrannt haben muss: "Dafür spricht auch, dass hinter dem Bus eine ganze Menge brennender Teile lagen, die dort sonst gar nicht hätten hinkommen können", sagte er im ARD-Brennpunkt.

Der Fahrer bemerke bei einem solchen Szenario den Brand nicht, weil der Fahrtwind Rauch und Flammen nach hinten transportiere, erläuterte Brockmann. "Es mag daher schon eine ganze Weile gebrannt haben, bevor man den Brand bemerkte." Als der Bus dann auf das Stauende aufgefahren sei und habe abbremsen müssen, seien die Flammen nach oben geschlagen.

Sigfried Brockmann, Unfallforschung der Versicherer
Brennpunkt, 04.07.2017

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Auch Kurzschluss am Armaturenbrett denkbar

Von dieser Theorie sind die Ermittler bislang jedoch nicht überzeugt. Nach vorläufiger Einschätzung der beiden eingesetzten Gutachter gebe es bisher keine Hinweise, dass der völlig ausgebrannte Reisebus bereits vor dem Zusammenstoß mit einem Lastwagen gebrannt haben könnte. Vieles spreche dafür, dass der Bus erst aufgrund der Kollision mit dem Anhänger des Lastwagens Feuer gefangen habe.

Ähnlich sieht es der Sicherheitsberater des Internationalen Bustouristikverbandes RDA, Johannes Hübner. Seiner Einschätzung nach hat es bei dem Auffahrunfall einen massiven Kurzschluss in der Zentralelektrik gegeben, der den Brand auslöste. "Wenn ein Bus mit seinem Bug auf eine Metallbarriere aufprallt - etwa auf das Heck eines Lkw - kann es hinter dem Armaturenbrett einen Gesamtkurzschluss geben", sagte Hübner im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF.

Bei solchen Szenarien müsse dann der Batterie-Notschalter betätigt werden, wozu der Fahrer in dieser Situation aber möglicherweise nicht mehr fähig war, analysierte Hübner. Einen solchen Fall habe es bereits im Jahr 2003 an der belgisch-französischen Grenze gegeben, der exakt so verlaufen sei wie der Unfall nun bei Münchberg.

Schnell entflammbare Materialien

In der Diskussion sind auch die in Bussen verwendeten Materialien. "Das große Problem liegt in den Innenraum-Materialien der Busse: Sie sind deutlich leichter entflammbar als die, die die Deutsche Bahn verbauen muss", sagte Unfallforscher Brockmann.

Der Unglücksbus soll nur drei Jahre alt gewesen sein und erst vor kurzem ohne Probleme eine neue TÜV-Plakette bekommen haben. Der Fahrer soll äußerst erfahren und bis zu diesem verhängnisvollen Tag unfallfrei unterwegs gewesen sein - 2013 erhielt er sogar eine Auszeichnung vom sächsischen Innenministerium.

Spurensuche nach dem Busunglück in Bayern
nachtmagazin 00:25 Uhr, 05.07.2017, Gerd Haunert, MDR

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Tote im Alter von 55 bis 81 Jahren

Der Unglücksbus war Berichten zufolge von Sachsen in Richtung Gardasee unterwegs - an Bord sollen unter anderem eine Seniorengruppe aus Sachsen und mindestens vier Brandenburger gewesen sein. Insgesamt waren zwei Busfahrer sowie 46 Männer und Frauen im Fahrzeug. Bei den Toten handelt es sich um Frauen und Männer im Alter von 55 bis 81 Jahren, unter ihnen sei auch einer der Fahrer des Busses, wie das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof mitteilten.

Von den insgesamt 30 Verletzten konnten am Tag nach dem Unfall sieben aus den Krankenhäusern entlassen werden. Von den 23 noch im Krankenhaus liegenden Patienten schweben laut Staatsanwaltschaft noch drei in Lebensgefahr.

Über dieses Thema berichtete der ARD-Brennpunkt am 03. Juli 2017 um 20:15 Uhr und die tagesschau am 04. Juli 2017 um 12:00 Uhr.

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