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10.02.2010

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Obama in Berlin
Obama in Berlin: Große Träume eines Weltverbesserers
Obama in Berlin

Große Träume eines Weltverbesserers

Der Senator aus Illinois kam, sprach und siegte. Mehr als 200.000 Menschen hörten Barack Obama bei seiner außenpolitischen Rede an der Berliner Siegessäule zu. Nicht nur die "Bewohner von Berlin" sprach er an, sondern gleich die "Bewohner des Planeten" - das gefiel den meisten Zuhörern gut.

Von Corinna Emundts, tagesschau.de

Zwei Stunden zuvor hatte Barack Obama Berlin so lange mit den zwei Worten "thank you" begrüßt, bis ihn ein Publikums-Chor mit seinem Slogan "Yes we can" unterbrach. Dann kürte der Himmel über Berlin den Abend mit einem nahezu perfekten pinkfarbenen Sonnenuntergang.

Selbst das rosa leuchtende Kanzleramt schien romantisch genug, dass sich Liebespärchen vor seiner Kulisse küssen konnten. Ein Hauch jener Weltfriedensstimmung, die Obama zuvor verbreitet hatte, lag über der Stadt. Es war deutlich zu spüren: Etwas war geschehen.

Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Mehr als 200.000 Besucher kamen zur Obama-Rede auf die Straße des 17. Juni. Besonders viele junge Menschen waren dabei.]
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Amerikaner in Deutschland müssen sich zur US-Wahl registrieren lassen. Obama-Anhänger machen Werbung dafür.]
 

"Es ist die Stimme"

Der in Berlin geborene Gene, 22, dessen Großvater in Deutschland stationierter US-Soldat war, kommt gut gelaunt mit zwei Freunden auf dem Fahrrad von der Obama-Rede. Und doch ist er nicht richtig begeistert: "Obama hat viele Probleme angesprochen, die er selbst als US-Präsident nicht lösen kann." Über das Thema Atomwaffen etwa werde nicht nur im Weißen Haus entschieden. Aber ja, charismatisch fand er Obama und bereut es deswegen nicht, gekommen zu sein: "Allein wie der auf Leute zugeht und sie begrüßt, als wäre er einer von ihnen, das gefällt mir."

"Es ist die Stimme", schwärmt eine tschechische Journalistin auf dem Rückweg. Sie verstehe jetzt, weswegen man Obama für charismatisch halte. Die Rede habe sie zwar ein bisschen naiv gefunden - "aber es gibt in Europa nicht viele Politiker, die Menschen so begeistern können". Da sei Obama eben etwas Besonderes.

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Der Retter der Welt

In seinem gewohnt melodischen, rhythmischen Stil der vielen Wiederholungen von Schlüsselsätzen ("This ist the moment! This is our time!" – "Dies ist der Augenblick! Dies ist unsere Zeit!"), die sich so trefflich zu Musikvideos wie "Yes we can" umbauen lassen, hatte sich Obama zuvor Gene, der Journalistin und 200.000 anderen Zuschauern als kein geringerer als der neue Retter der Welt präsentiert. Nicht nur die "Bewohner von Berlin" sprach er an, sondern auch die "Bewohner des Planeten".

Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit für die ganze Welt, die gemeinsam und partnerschaftlich nun alle Herausforderungen angehen soll - und zwar frei von Nuklearwaffen - diese Vision schuf er in seiner knapp 30-minütigen Rede an der Siegessäule in Blickweite des Brandenburger Tores.

Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: "Hello America!" - Fashion-Victim oder Trendsetter? Dieser USA-Freund begrüßt das Land der Freien im selbstgestricktem T-Shirt. ]
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Beliebt ist Barack Obama ja in Deutschland. Aber das schafft selbst der Polit-Star aus dem US-Staat Illinois nicht.]
 

Wanderung auf dem Grat

Obama sprach ernst und konzentriert, schließlich hatten im Vorfeld alle wichtigen Kommentatoren betont, seine Berliner Rede werde eine Gratwanderung. Zwei Fallen lauerten: Dass er seine außenpolitische Unerfahrenheit zu sehr offenbarte - oder aber, dass er in den USA zu sehr als Europa-Freund wahrgenommen werden könnte. Das mögen viele US-Amerikaner nicht. Und außenpolitische Versiertheit ist ihnen wichtig, auch wenn sich die Präsidentschaftswahlen letztlich über Themen wie Wirtschaft oder das Gesundheitssystem entschieden werden.

Obamas Redenschreiber lösten dieses Problem geschickt, indem sie ihn die Berliner Geschichte als beispielhaft für die ganze Welt darstellen ließen. Die Luftbrücke war der rote Faden in seiner  Rede - die er mit seiner Familiengeschichte begonnen hatte, und die seinen Einwandererstatus demonstrierte ("Meine Mutter ist im Herzen Amerikas geboren, mein Vater züchtete Ziegen in Kenia. Und mein Großvater war Hausbediensteter bei den Briten").

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Vor der Rede hatte er noch am Rande sein Buch für die 36-jährige Tochter eines Journalisten mit folgendem Satz signiert: "Dream big dreams!": "Träume große Träume" - in Abwandlung des uramerikanischen Mottos "Think big".

Der Träumer war nun in Berlin und hat damit jetzt mindestens zwei prominente Fans mehr: Den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und Bundeskanzlerin Angela Merkel, die sich für ihre Verhältnisse äußerst begeistert über den Gast geäußert hatten.

"Das kann nur gut für uns sein"

Doch auch auf der Obama-Fanmeile gab es überwiegend Wohlwollen: Eine ältere Berlinerin urteilte: "Es ist für Europa wichtig, einen Präsidenten vom Schlage Obama zu haben, weil er eine neue Europa-Politik betreiben wird, und das kann nur gut für uns sein."

Bilder:

Obama in Berlin (Foto: AP)
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Die gebürtige Amerikanerin Elizabeth Zach die seit acht Jahren in Berlin lebt, empfindet den Senator aus Illinois "nach acht Jahren Bush-Mief wie frische Luft". Sie kam wie offenbar die meisten in Berlin lebenden Amerikaner zu dem Auftritt, geht man von dem vielen Amerikanisch aus, das zu hören war: "Ich bin ein großer Fan von Obama. Er ist ein wundervoller Redner, das wollte ich unbedingt live erleben."

Auf der Fußgängerbrücke Richtung Bahnhof tummelten sich derweil euphorische Asiaten, Italiener und sonstige Weltbewohner in einer Mischung, wie man sie sonst nur vom New Yorker Broadway kennt. Die ganze Stadt schien frei zu haben, die Liegestühle der Uferbars waren nach Obamas Rede gut besetzt. So beschwingt sieht man die Stadt selten.

Mitarbeit: Marcel Müller, tagesschau.de

Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Obama weckt auch bei Jugendlichen Interesse für Politik: Jenny, Ufer, Isabelle und Alina aus Berlin-Lichtenberg.]
Großansicht des Bildes [Bildunterschrift: Beliebtes Accessoire bei der Obama-Rede: "Stars and Stripes", die Nationalflagge der Vereinigten Staaten.]
 
Stand: 25.07.2008 00:51 Uhr

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