Kommentar zu Obama: Bunter Katalog von Versprechungen

Kommentar

Kommentar zu Obama-Besuch

Ein bunter Katalog von Versprechungen

Von Klaus Kastan, BR-Hörfunkstudio Washington

In fünf Jahren ändert sich viel. Das gilt für die Politik, das gilt auch für Politiker. Als 2008 der damalige demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama zu 200.000 jubelnden Menschen an der Berliner Siegessäule sprach, waren die Massen anschließend noch begeisterter, als sie es ohnehin schon waren. Wenn ich Präsident werden sollte, wird die Welt besser, war der Tenor seiner damaligen Botschaft: Friedlicher, gerechter, grüner.

Und heute? Diesmal sprach Obama nur vor ausgesuchten 4000 Menschen, dafür an einem symbolträchtigen Ort, dem Brandenburger Tor. Der laute Jubel, vor allem von Schülern der Berliner John F. Kennedy Schule, täuscht darüber hinweg, dass Obama mit dieser Rede keinen Platz in den Geschichtsbüchern erhalten wird.

Kein Satz, der in Erinnerung bleibt

Auch wenn man sich die Ansprache des Präsidenten immer wieder anhört, es blieb kein Satz in der Erinnerung hängen, der uns noch in Jahren an den heutigen Auftritt erinnern wird. So wie es 1963 John F. Kennedy ("Ich bin ein Berliner!") oder Ronald Reagan 1987 ("Mr. Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!") gelungen ist.

Der große Redner Obama beschränkte sich auf einen bunten Katalog von Versprechungen. Amerikanische und russische Atomwaffen sollen um ein Drittel reduziert werden. Dagegen hat niemand etwas. Der Klimaschutz wird immer wichtiger, betonte der Präsident. Ach wirklich, das hat Obama schon vor fünf Jahren festgestellt. Politisch umgesetzt hat er diesbezüglich so gut wie nichts.

Kommentar: Keine Rede für die Geschichtsbücher
K. Kastan, BR Washington
19.06.2013 19:10 Uhr

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Herausforderung Guantánamo

Er wolle seine Anstrengungen verdoppeln, das Gefangenenlager Guantánamo zu schließen. Ein Vorhaben, das er schon in seinem ersten Amtsjahr als Präsident umsetzen wollte. Alle Bemühungen bisher: Fehlanzeige. Nicht einmal seine eigene Partei hat ihn hierbei unterstützt.

Obama lieferte in seiner rund 30-minütigen Rede lauter Versprechungen, die beim deutschen Publikum gut ankamen, die fast alle Deutschen unterstützen können. Darunter mischte er ein paar Komplimente an das wiedervereinigte Deutschland, an die Berliner und ihre Stadt, die für Frieden und Gerechtigkeit stünden. Hörte sich wunderbar an, das war es dann aber auch.  

Morgen ist wieder Washington dran

Obama ist authentisch, ehrlich, sympathisch - das sind seine größten Stärken. Das gilt auch für seine Berliner Rede. Doch inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Obama mit ehrlicher Überzeugung zwar gerne viel verspricht, aber nur wenig politisch umsetzt. Morgen ist Obama wieder in Washington, um mit seinen ehrenwerten politischen Zielen gegen Betonwände anzurennen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Juni 2013 um 17:00 Uhr.

Stand: 19.06.2013 17:51 Uhr

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