Barack Obama und Angela Merkel | Bildquelle: dpa

US-Präsident in Berlin Ein letztes Mal bei Freunden

Stand: 17.11.2016 21:18 Uhr

Kein anderes Land besuchte Barack Obama als Präsident häufiger als Deutschland. Bei seiner letzten offiziellen Visite betont er sein gutes Verhältnis zu Kanzlerin Merkel. Doch auch der Geist von Donald Trump hängt über dem Besuch.

Von Julian Heißler, tagesschau.de

Angela Merkel hat nicht immer gute Erfahrungen mit den Händen amerikanischer Präsidenten gemacht. Die Kanzlerin war noch kein Jahr im Amt, da legte ihr der damalige amerikanische Staatschef George W. Bush beim G8-Gipfel im St. Petersburg überraschend die Hände auf die Schultern. Merkel zuckte zusammen, riss die Arme hoch. Rasend schnell verbreitete sich der Videoschnipsel der Massage-Attacke in der Welt - ein Geschenk für Komiker und solche, die es werden wollten.

Wer auf ein ähnlich einprägsames Bild am Rande des letzten Deutschlandbesuchs des scheidenden US-Präsidenten Barack Obama gehofft hatte, der wurde enttäuscht. Obama und Merkel verstehen sich gut. Entspannt lächelnd schlendern sie nach einem gemeinsamen Gespräch durchs Bundeskanzleramt, um sich den Fragen der wartenden Journalisten zu stellen. Auch als Obama kurz seine Hand auf Merkels Rücken legt, vergeht der Kanzlerin die gute Laune nicht. Im Gegenteil. Die Geste zeigt, wie vertraut Obama und Merkel mittlerweile miteinander umgehen.

"Sie ist herausragend"

Dass sie sich mögen, daran lassen sie auch in der folgenden Pressekonferenz keinen Zweifel aufkommen. Obama lobt Merkel ohne Vorbehalte. "Sie ist herausragend", sagt er auf die Frage, ob die Kanzlerin im kommenden Jahr noch einmal in den Wahlkampf ziehen soll. "Wenn ich hier wäre, und wenn ich Deutscher wäre und eine Stimme hätte: Ich könnte sie unterstützen." Sollte sie als Kanzlerin weitermachen, werde sie angesichts des Machtwechsels in Washington eine große Verantwortung für das westliche Werte- und Sicherheitsbündnis tragen.

Auch Merkel macht deutlich, wie sehr sie Obama schätzt. Der Abschied falle ihr schwer, sagt sie. Aber künftige gegenseitige Besuche blieben ja möglich. "Wenn wir uns persönlich begegnen wollen, schließt das ja der freie Reiseverkehr, den wir Gott sei Dank in allen Teilen Deutschlands haben, nicht aus. Und insofern sind wir ja nicht aus der Welt, wie man bei uns sagen würde", so die Kanzlerin.

Was ändert sich durch Trump?

Nicht erst seit diesen Sätzen ist klar, dass Obama ein gern gesehener Gast im Bundeskanzleramt ist. Einige Stunden zuvor: Die Mitarbeiter drücken sich an den Fenstern der deutschen Regierungszentrale die Nasen platt, als kurz vor 15.30 Uhr, leicht verspätet, die Limousine des US-Präsidenten am kurzen roten Teppich vor dem Haupteingang zum Stehen kommt. Obama lächelt, als er die Kanzlerin begrüßt. Küsschen links, Küsschen rechts, dann ziehen sich die beiden ins Gebäude zurück. Das offizielle Gespräch wartet.

Zu bereden hatten Merkel und Obama genug. Die Wahl von Donald Trump zum nächsten US-Präsident hat im alten Europa viele verunsichert. Wie geht es weiter mit dem Atom-Abkommen mit dem Iran? Was bedeutet der Regierungswechsel in Washington für das Pariser Klimaschutzabkommen? Wie werden sich die USA künftig gegenüber der NATO verhalten? Was wird angesichts der kaum verhohlenen Sympathie Trumps für Russlands Präsident Wladimir Putin aus dem Minsker Abkommen zur Ukraine?

Acht Jahre Obama - Emotionale Momente aus seiner Regierungszeit
morgenmagazin, 18.11.2016, Sandra Ratzow, ARD Washington

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Ein Grundpfeiler unserer Außenpolitik"

Obama und Merkel versuchen zu beruhigen. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz betonen sie die Stärke des transatlantischen Bündnisses. Zwar werde der künftige Präsident Trump etwa im Verhältnis zu Russland nicht exakt der bisherigen Blaupause folgen, kündigte Obama an. Er hoffe jedoch, dass sein Nachfolger einen konstruktiven Ansatz in den  Beziehungen weiterverfolgen und dennoch auf Unterschiede hinweisen werde.

Ähnliche Erwartungen formulierte auch Merkel. Die Kanzlerin stellte jedoch klar, dass ihr auch unter einem Präsidenten Trump an guten Beziehungen zu den USA gelegen ist. "Natürlich werde ich auch alles daransetzen, mit dem neugewählten Präsidenten dann gut zusammenzuarbeiten", sagte sie. Die transatlantischen Beziehungen seien "ein Grundpfeiler unserer Außenpolitik".

Tatsächlich haben die Partner in den vergangenen Jahren eng zusammengearbeitet - allen Holprigkeiten zum Trotz. Washington und London mag historisch gesehen eine special relationship verbinden, der wichtigste Partner der USA in Europa ist, zumindest unter Obama, die Bundesrepublik.

Barack Obama | Bildquelle: AP
galerie

Sechs Mal besuchte Obama als Präsident Deutschland. In keinem Land war er häufiger.

Immer wieder Deutschland

Auch deshalb scheint Obama gern nach Deutschland zu kommen. Als der scheidende US-Präsident am Mittwoch um kurz nach 18 Uhr im militärischen Teil des Flughafens Tegel aus dem Präsidenten-Flieger Air Force One aussteigt, beginnt er seinen sechsten Besuch als amerikanischen Staatsoberhaupt. In keinem anderen Land war er als Präsident häufiger zu Gast.

Hinzu kommt noch sein Besuch als Präsidentschaftskandidat im Sommer 2008. Damals jubelten Hunderttausende Berliner dem jungen Senator aus Illinois zu, als er in seiner Rede an der Siegessäule seine Vision für die Zukunft der Welt präsentierte. Im Vergleich dazu fällt sein Abschiedsbesuch ein paar Nummern kleiner aus.

Barack Obama winkt vor der Berliner Siegessäule | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
galerie

Als Präsidentschaftskandidat und US-Senator reist Barack Obama im Juli 2008 erstmals nach Berlin.

Keine Chance für Schaulustige

Obama lächelt, als er Air Force One verlässt. Ein kurzes Winken zu den Fotografen auf der Pressetribüne, dann läuft er zügig die Treppe herunter. Kurz schreitet er die Ehrenformation der Bundeswehr ab, schüttelt die Hände einiger Offizieller, dann sitzt er schon in der schwer gepanzerten Präsidentenlimousine, genannt "The Beast", die ihn ins Hotel Adlon bringen wird.

Wenige Minuten später setzt sich der riesige Konvoi aus knapp 30 Fahrzeugen in Bewegung und rast ins Stadtzentrum. Die wenigen Schaulustigen, die an der Zufahrtsstraße zum Flughafen auf einen kurzen Blick auf Obama gehofft hatten, werden enttäuscht. Die Wagenkolonne wählt einen Weg ins Hotel, der nicht an ihnen vorbei führt.

Hermetisch abgeriegelter Bereich

Bei seinen vorangegangenen Besuchen war Obama da deutlich zugänglicher. Im Sommer 2013 hielt er eine große Rede vor dem Brandenburger Tor. Im vergangenen Jahr, als er zum G7-Gipfel ins oberbayerische Schloss Elmau reiste, baute man im nahegelegenen Dorf Krün extra einen Biergarten für ihn auf, in dem Obama mit den Einheimischen ein Weißwurstfrühstück nehmen konnte.

So viel Nähe zur Bevölkerung war bei seinem Abschiedsbesuch jedoch nicht vorgesehen. Zwar spazierte Obama, lässig mit einem Kaffeebecher in der Hand, am Nachmittag die wenigen Meter zwischen Adlon und amerikanischer Botschaft, doch selbst diesen kurzen Ausflug konnten kaum Schaulustige live verfolgen. Schließlich war der Bereich zu Obamas Sicherheit gerade hermetisch abgeriegelt, inklusive Scharfschützen auf den Dächern, Polizeiboote auf der Spree und insgesamt mehr als 5000 Polizisten im Einsatz. Die Straßen rund um das Brandenburger Tor sind wie ausgestorben.

US-Präsident Obama sitzt in einem Biergarten im bayerischen Krün mit Männern in Tracht beim Biertrinken zusammen | Bildquelle: picture alliance / dpa
galerie

Das Weißbier machte Eindruck. Obama will nach seiner Präsidentschaft nach Deutschland zurückkommen - und aufs Oktoberfest gehen.

Viel Zeit für Merkel

Schließlich war der Zweck von Obamas Besuch diesmal nicht das Bad in der Menge, sondern vor allem Gespräche mit der Kanzlerin. "Ich bin froh, dass sie da ist, und die Deutschen sollten sie wertschätzen. Ich schätze sie jedenfalls als Partnerin", hatte der Präsident Merkel im Interview mit dem "Spiegel" und ARD gelobt. Entsprechend viel Zeit nehmen die beiden sich füreinander.

Bereits kurz nach seiner Ankunft im Adlon empfängt Obama Merkel zu einem privaten Abendessen unter vier Augen. Sie sprechen für drei Stunden. Auch den offiziellen Gesprächstermin im Bundeskanzleramt überziehen Kanzlerin und Präsident.

Gespräche in größerer Runde

Fast eine Stunde länger als geplant sprechen die beiden miteinander - zunächst unter vier Augen im Büro der Kanzlerin, dann in etwas größerer Runde im kleinen Kabinettssaal. Die Presse muss warten. Am Abend steht ein weiteres Abendessen mit Eisbein, gebratene Haxe und Nürnberger Bratwürstchen in größerer Runde auf dem Programm. Dirigent Daniel Barenboim, Fußballtrainer Jürgen Klinsmann und Regisseur Tom Tykwer stehen unter anderem auf der Gästeliste.

Wiedersehen auf dem Oktoberfest

Dass sein letzter Besuch als Präsident auch seine letzte Visite in Deutschland sein wird, glaubt Obama nicht. Er wolle unbedingt einmal aufs Oktoberfest, sagt er grinsend auf der gemeinsamen Pressekonferenz. "Aber es ist vielleicht besser, wenn ich es als Ex-Präsident tue - da habe ich mehr Spaß", so Obama.

Dann ist es bald Zeit für das Abschiedsfoto. Kanzlerin und Präsident bauen sich vor den vorbereiteten Flaggen auf, ein kurzes Händeschütteln, ein Lächeln für die Kamera. Nach ein paar Sekunden sind die Bilder im Kasten. Obama legt noch einmal die Hand auf Merkels Schulter, dann ziehen sich die beiden ins Kanzleramt zurück. Lächelnd.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. November 2016 um 20:00 Uhr.

Autor

Julian Heißler Logo tagesschau.de

Julian Heißler, tagesschau.de

@pjheissler bei Twitter
Darstellung: