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Ex-V-Mann äußert sich zu Terrorzelle
NSU-Helfer räumt Sprengstofflieferung ein
Der langjährige V-Mann der Berliner Polizei, Thomas S., hat zugegeben, der späteren Neonazi-Terrorzelle NSU Sprengstoff besorgt zu haben. Der Auftrag dazu sei von einem der drei, Uwe Mundlos, gekommen, sagte der Mann der "Welt am Sonntag". Er habe das gemacht, "um mir etwas zu beweisen - und sicherlich auch, um Beate zu imponieren". Mit Beate Zschäpe, der Frau aus dem Neonazi-Trio, war er nach eigener Schilderung 1996 kurzzeitig liiert.
Der mutmaßliche NSU-Helfer hatte bis Anfang 2011 rund zehn Jahre lang als V-Mann für das Berliner Landeskriminalamt gearbeitet. Er soll bereits 2002 Hinweise auf den Verbleib der Terrorgruppe geliefert haben, denen aber nicht nachgegangen wurde, die auch nicht an andere Sicherheitsbehörden und auch nicht zeitnah an den NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages weitergegeben wurden. Wegen dieser Panne steht insbesondere der Berliner Innensenator Frank Henkel in der Kritik.
Neue Zweifel an Henkels Aussage
Ein vertrauliches Schreiben des Berliner Staatsschutzchefs Oliver Stepien vom 3. April dieses Jahres an die Bundesanwaltschaft belegt laut "Spiegel", dass die Berliner Polizei den Karlsruher Ermittlern keine Unterlagen über S. übermitteln wollte. Henkel hatte behauptet, dies sei wegen einer Absprache mit der Bundesanwaltschaft geschehen. Stepien führte nach "Spiegel"-Informationen aber als Grund an, dass nach einer Übersendung an den Generalbundesanwalt auch eine "Einsicht des Untersuchungsausschusses des Bundestags in die Akten nicht ausgeschlossen werden" könne.
S. hatte Henkel zuvor entlastet und zugleich seine eigene Rolle heruntergespielt. Er gehe nicht davon aus, dass die Behörden damals durch seine Informationen Zschäpe, Mundlos und Uwe Böhnhardt hätten festnehmen können. Er selbst sei damals nicht auf die Idee gekommen, dass es bei den ihm zugespielten Informationen um das NSU-Trio gegangen sei. Vielmehr habe er vermutet, dass die drei sich ins Ausland abgesetzt hätten.
Zu DDR-Zeiten Polizei-Informant?
Wie die Zeitung weiter berichtet, soll S. bereits zu DDR-Zeiten unter dem Decknamen "Frank Schwarz" ein Informant der Polizeiabteilung K 1 des Innenministeriums der DDR gewesen sein. Die Abteilung habe Verbrechen mit geheimdienstlichen Methoden bekämpft, schreibt das Blatt unter Berufung auf die Stasi-Unterlagenbehörde.
Laut den zitierten Papieren berichtete er ab April 1986 über "negativ dekadente" Fankreise des damaligen Fußball-Oberligisten FC Karl-Marx-Stadt, zu denen er selbst gehört habe. Gegenüber der Zeitung räumte S. ein, dass ihn Polizisten "immer mal wieder" aufgesucht hätten und "ganz schön Druck gemacht" hätten. Man habe "gar keine andere Chance" gehabt. Dennoch will S. nicht gewusst haben, dass ihn die Polizei als Informanten führte.
Der rechtsextremistische Nationalsozialistische Untergrund (NSU) war im vergangenen November aufgeflogen. Den drei mutmaßlichen Mitgliedern Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt werden mindestens zehn Morde angelastet. Mundlos und Böhnhardt sind tot, Zschäpe sitzt in Haft.
Stand: 23.09.2012 15:44 Uhr
